Es sollte das Spitzenspiel um den Gruppensieg der Gruppe G werden, am Ende wurde es Anschauungsunterricht für ein bemitleidenswert unterlegenes Juventus Turin: Die Alte Dame wurde von der Dominanz, dem Tempo und der Spielfreude eines wiedererstarkt wirkenden Manchester Citys erdrückt und kassierte eine empfindliche 2:5-Niederlage, die noch höher hätte ausfallen können, hätte Juve mit Michele Di Gregorio nicht einen Torhüter von internationalem Format im Kasten.
Vom Fleck weg war Juve unterlegen, in den Zweikämpfen zu spät oder zu brav, ständig tief in die eigene Hälfte gedrückt und trotzdem so luftig stehend, dass sich City munter durch die Reihen kombinieren und fünf wunderbare Tore erzielen konnte. Obwohl es nur vier waren. Das zum 1:2 besorgte Pierre Kalulu mit einem fürchterlichen Eigentor schließlich selbst. Es passte ins Bild, das Juve an diesem Nachmittag im gut unterhaltenden Orlando abgegeben hat.
"Sie waren das bessere Team", stellte auch Trainer Igor Tudor nach der Klatsche ernüchtert fest. Mit insgesamt fünf Startelfänderungen und der Herausnahme von Kenan Yildiz, bislang Juves bester Spieler im Turnier, überraschte der Übungsleiter schon mit seiner Aufstellung. Ein Schuss, der nach hinten losging. "Wir wollten ein bisschen was verändern. Aber wir sind nicht ins Pressing gekommen. Wir müssen als Team kompakt sein", sagte Tudor.
Das ging offensichtlich schief. Statt die Räume eng zu machen und Ballgewinne für Umschaltsituationen zu nutzen, bot Juventus immer wieder Freiräume an, durch die sich Savinho oder Jeremy Doku entweder durchdribbelten, oder sich die gesamte City-Maschinerie um Startelfcomebacker Rodri durchkombinierte. Dass Juventus zwei Tore geschossen hat, erhellte die Stimmung bei der Alten Dame nicht.
Trotzdem befürchtet Tudor keine zu schlimmen Auswirkungen. "Wir haben keinen Schaden genommen", sagt er, wohlwissend, dass Juventus bereits vor dem Anpfiff fürs Achtelfinale qualifiziert war, das bereits in vier Tagen ansteht. Zeit genug für die Bianconeri, um die Niederlage aus den Kleidern zu schütteln. Das ist auch nötig. Denn der Gegner im Achtelfinale am 1. Juli ab 21:00 Uhr heißt Real Madrid.