Nicht weniger als 20.000 Anhänger des FC Schalke 04 werden live dabei sein, wenn die Mannschaft von Miron Muslic am Freitag bei Fortuna Düsseldorf (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) versuchen wird, die Tabellenführung in der 2. Liga zu behaupten - bestenfalls sogar auszubauen.
Die besonders hohe Zahl an S04-Fans (möglich aufgrund entsprechender Eindeckung im freien Verkauf, aber auch bedingt durch ein erweitertes Gästekontingent seitens der Fortuna) steht sinnbildlich für die Geschlossenheit, die bei Schalke 04 wieder im ganz großen Stil gelebt wird.
Und die Mannschaft lebt es vor, den Beweis liefert sie inzwischen regelmäßig auf dem Platz ab. Allein die beiden jüngsten Heimspiele verdeutlichen, wie stark das königsblaue Kollektiv wieder ist.
Im Spitzenspiel Anfang November gegen die SV Elversberg haben die Schalker eine personell arg angespannte Situation durch eine beeindruckende mannschaftliche Geschlossenheit kompensiert (und 1:0 gewonnen), im Spitzenspiel Ende November gegen den SC Paderborn gab es gleich mehrere Situationen, die verdeutlichten, wie gut das Gelsenkirchener Gefüge aktuell zusammenpasst.
Paradebeispiel: Statt beleidigt zu sein, weil Bryan Lasme eigensinnig selbst aufs Tor schoss (und am Torwart scheiterte), anstatt in die Mitte zu ihm zu passen, gehörte Moussa Sylla wenige Minuten später zu den ersten freudestrahlenden Gratulanten, als Joker Lasme kurz vor dem Ende das 2:1-Siegtor in die Maschen lupfte.
"Paradekapitän" Karaman
Auch Kapitän Kenan Karaman geht in Zeiten wie diesen mehr denn je als Teamplayer voran. Muslic kommt, wie der Trainer selbst sagt, "aus dem Schwärmen nicht mehr heraus, wenn ich über Kenan spreche" - weil dessen Wert für die Mannschaft weit über das Sportliche hinausgeht.
Der Coach bezeichnet Karaman als "Parade-Kapitän". Er lobt seinen verlängerten Arm vor allem dafür, "dass er in den vergangenen sechs Monaten das gemacht hat, was ein charakterstarker Führungsspieler macht - sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen".
Übertragen auf die sportlichen Darbietungen hebt Muslic Karamans defensive Bemühungen hervor. Nicht zuletzt bei den internen Videoanalysen fällt immer wieder auf, wie beherzt sich der Offensivspieler in der Rückwärtsbewegung engagiert. Muslic zeigt sich beeindruckt davon, dass Karaman niemand ist, der egoistisch vorne auf Bälle wartet, um sie zu verwerten. "Er opfert sich auf, auch deshalb ist er für uns unantastbar."
Vor gerade einmal einem halben Jahr wurde die Mannschaft nach dem finalen Saisonspiel 2024/25 (1:2 gegen Elversberg) von den Fans mit Häme und Spott überschüttet, Aufsichtsratsboss Axel Hefer schimpfte seinerzeit wie ein Rohrspatz über die Auftritte des Fast-Drittligaabsteigers, pfefferte öffentlich Zitate raus wie diese: "Eine echte Schande", "habe mich geschämt", "kriege das Kotzen", "habe den Kaffee auf".
Der Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans ist längst wieder gelungen. Und Muslic hat es geschafft, innerhalb weniger Monate eine Einheit zu formen, vor allem auf dem Feld. "Das Kollektiv macht uns stark", sagte der Trainer am Mittwoch im Vorfeld der Partie in Düsseldorf.
Und weiter: "Wir sind an den Widerständen der vergangenen Wochen nicht zerbrochen, sondern gemeinsam gewachsen. Das schafft man nur, wenn man als Mannschaft zusammensteht."
Verkehrte Welt am Rhein
Widerstände werden auch am Freitag auf die Schalker zukommen. "Düsseldorf wird dieses Spiel für eine eigene Trendwende nutzen wollen", sagt Muslic, der betont, dass die Fortuna "deutlich mehr Qualität besitzt, als es ihr aktueller Tabellenplatz aussagt".
Verkehrte Welt am Freitag am Rhein: Während sie bei der Fortuna vor der Saison klar davon sprachen, oben mitspielen und möglichst aufsteigen zu wollen (die Realität ist Platz 14 nach 14 Spieltagen), halten sich die Schalker von Anfang mit der Äußerung von Saisonzielen dieser Art zurück. Daran ändert auch die aktuelle Tabellensituation nichts, das hat der Trainer des Spitzenreiters am Mittwoch erneut bekräftigt: "Wir fahren ganz gut mit unserer Demut."