Wird das Jahr 2026 aus Sicht der Fußball-Fans hierzulande ein ertragreicheres als das zurückliegende? Die Vorzeichen dafür stehen jedenfalls gar nicht so schlecht. Von den sieben deutschen Vertretern in den drei Europacup-Wettbewerben muss sich allein Champions-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt ernsthafte Sorgen um den Vorstoß in die K.-o.-Runde machen.
Und der DFB-Auswahl um Bundestrainer Julian Nagelsmann gelang zum Abschluss einer unerwartet zähen Qualifikations-Tour immerhin ein versöhnliches 6:0 gegen die Slowakei, das ihr die Play-off-Spiele im März ersparte und einen Platz als Gruppenkopf bei der Mammut-WM in Mexiko, Kanada und den USA sicherte.
Olise und Kane verkörpern Weltklasse
Der zarte Aufschwung auf allen Ebenen machte sich auch beim Zusammenschluss der kicker-Redakteure kurz vor Weihnachten bemerkbar, als es darum ging, über die jüngste Ausgabe der vor fast genau 70 Jahren - am 2. Januar 1956 - erstmals erstellten Rangliste zu diskutieren und abzustimmen. Anders als im Sommer, als kein einziger Bundesliga-Profi und auch kein deutscher Spieler eines ausländischen Vereins die Aufnahme in die höchste Kategorie schaffte, ist die Weltklasse diesmal wieder besetzt - in zweifacher Ausführung und beide Male durch Leistungsträger des Branchenführers FC Bayern.
Für Michael Olise (24) ist es nach zwei Einstufungen in der Internationalen Klasse eine Premiere, für die sich der französische Flügelstürmer unter anderem mit wettbewerbsübergreifend 24 Scorerpunkten im vergangenen Halbjahr qualifizierte. Gar 30 Tore und drei Assists verzeichnete im gleichen Zeitraum Ausnahme-Torjäger Harry Kane (32), weshalb der seit zweieinhalb Jahren für die Münchner stürmende Brite zum insgesamt dritten Mal in der höchsten Kategorie eingestuft wurde.
Insgesamt 92 Spieler sind in dieser kicker-Rangliste dieses Winters gelistet, das sind 13 mehr als vor einem Jahr. Der FC Bayern stellt mit 15 Berufenen den größten Anteil, Leipzig (12), Dortmund und Hoffenheim (je 10) folgen auf den Plätzen. Lediglich Augsburg und Heidenheim sind mit keinem Spieler vertreten.
15 Deutsche in der "Internationalen Klasse"
Für Nagelsmann sind Kane, Olise und andere internationale Stars bei der Zusammenstellung seines WM-Kaders aber selbstverständlich keine Alternativen. Zumindest nach Einschätzung der kicker-Redakteure hat der Bundestrainer aber ausreichend Auswahl an Spielern, die ihre großen Qualitäten aktuell auch nachgewiesen haben. Demnach agierten im Saisonverlauf 15 Profis mit deutschem Pass konstant auf Top-Niveau, weshalb sie in die Internationale Klasse eingestuft wurden.
Das ist zu Beginn eines Turnierjahres die höchste Quote seit 2014, als sechs Monate vor der siegreichen WM in Brasilien gleich 20 deutsche Profis in eine der beiden höchsten Kategorien eingestuft wurden. Natürlich haben diese Ranglisten-Einstufungen keinen repräsentativen Charakter, als Hinweisgeber aber taugten sie in den vergangenen Jahren jedoch allemal. So verkörperten vor dem Debakel bei der WM 2018 in Russland nur 13 deutsche Spieler mindestens Internationale Klasse, vor der gleichfalls bereits nach der Vorrunde für die DFB-Auswahl beendeten Katar-WM im Jahr 2022 waren es gar nur elf.
Musiala und Havertz erweitern Nagelsmanns Handlungsspielraum
Von den 39 Spielern, die der Bundestrainer in den zehn Länderspielen 2025 einsetzte, fanden 13 - also genau ein Drittel - keine Aufnahme in der Rangliste. Etatmäßige Leistungsträger wie Tempodribbler Jamal Musiala (22), Torhüter Marc-André ter Stegen (33), Stürmer Tim Kleindienst (30) oder Abwehrchef Antonio Rüdiger (32) kamen verletzungsbedingt nicht auf die für eine Einstufung nötigen Einsatzzeiten. Dieses wieder genesene Quartett wird aber ebenso wie Arsenal-Angreifer Kai Havertz (26), der 2025 aus dem gleichen Grund keinen einzigen Einsatz im DFB-Trikot hatte, mit Blick auf die Testspiele im März gegen Ghana und die Schweiz sowie die Nominierung des WM-Kaders im Mai Nagelsmanns Handlungsspielraum erweitern.
Bei neun Nationalspielern des Vorjahres reichten indes nach Einschätzung der kicker-Redaktion die gezeigten Leistungen in der Summe nicht aus, um wenigstens in der Nationalen Klasse Berücksichtigung zu finden. Das gilt zum Beispiel für Mittelstürmer Niclas Füllkrug (32), der bei West Ham United auch verletzungsbedingt nicht in die Spur fand und nun bei der AC Mailand versuchen will, noch auf den WM-Zug aufzuspringen. Leroy Sané (29) hatte zwar gegen die Slowakei einen fulminanten Länderspiel-Auftritt, doch seine Darbietungen mit Galatasaray in den Champions-League-Gruppenspielen waren in der Summe zu wenig für eine Ranglisten-Berücksichtigung.
Nur bei Woltemade erfüllten sich die Hoffnungen
Die Hoffnung, aus dem deutschen Kader der U-21-EM 2025 könnten auf Anhieb noch Spieler ins A-Team durchstarten, erfüllte sich vollumfänglich nur bei Nick Woltemade (23). Allerdings hatte der Torjäger da bereits seine Länderspiel-Premiere absolviert und überzeugte seitdem sowohl in der Nationalmannschaft wie auch beim neuen Arbeitgeber Newcastle United, sodass er folgerichtig erneut in der Internationalen Klasse landete.