Das DHB-Team konnte es kaum erwarten. Schon zehn Minuten vor dem offiziellen Beginn des Abschlusstrainings betraten Kapitänin Antje Döll und ihre Mitspielerinnen bestens gelaunt das Parkett der Ahoy Arena - hatten aber erstmal ein Problem. "Wo sind die Bälle", fragte Markus Gaugisch grinsend und klatschte voller Tatendrang in die Hände.
Das DHB-Team ist heiß aufs erste deutsche WM-Halbfinale seit 18 Jahren - das drang beim Bundestrainer und seinen Spielerinnen am Donnerstag aus jeder Pore. Der Respekt vor Titelverteidiger Frankreich? Groß. Die Gier? Noch viel größer!
"Wir wissen, was wir können. Wir wissen, was wir dieses Turnier schon geleistet haben - und wir wissen, was für ein Potenzial in uns steckt", sagte Torhüterin Katharina Filter dem SID vor dem Showdown am Freitag (17.45 Uhr/ARD) in der niederländischen Hafenstadt.
Gaugisch betonte: "Wir sind hier, haben den Schritt gemacht und jetzt wollen wir uns auch dafür belohnen. Wir haben jetzt zwei Spiele und werden in beiden alles auf der Platte lassen." Der Bundestrainer weiß aufgrund der Erfahrung der Französinnen allerdings auch um die Schwere der Aufgabe: "Alle Spielerinnen haben solche Spiele schon mehrfach gespielt."
"Jetzt geht es um Selbstverständnis und Selbstvertrauen"
Sieben klare Siege und ein neues Selbstverständnis bestärken die deutsche Mannschaft in dem Glauben, ihr Weihnachtsmärchen mit dem Wunder von Rotterdam zu krönen. Mit dem überhaupt erst zweiten Einzug in ein WM-Finale nach dem Gold-Coup vor 32 Jahren wäre zugleich die erste Medaille seit 2007 perfekt. "Alles ist drin!", so Filter.
Der Heimvorteil von den WM-Festtagen in Stuttgart und dann Dortmund ist nach der Weiterreise in die Niederlande zwar dahin. Doch viele deutsche Fans werden sich auf den Weg nach Rotterdam machen, vor den TV-Bildschirmen in Deutschland wird zudem erneut ein Millionenpublikum mitfiebern.
Eine, die eine Wiederholung des sensationellen Titelgewinns von 1993, das viel zitierte "Wunder von Oslo", für realistisch hält, ist Andrea Bölk. "Das Wunder von Rotterdam ist absolut möglich. Wenn du auf einer Euphoriewelle schwimmst, kann alles passieren. Das war auch bei uns 1993 so", sagte die Mutter von Emily Vogel dem SID.
"Jetzt geht es um Selbstverständnis und Selbstvertrauen. Nur als Team kann es funktionieren." Frankreich, das sein Viertelfinale am späten Mittwochabend 31:26 gegen den WM-Dritten Dänemark gewann, sei "schlagbar. Wir brauchen aber auch einen Sahnetag von der gesamten Mannschaft, vor allem von den Torhüterinnen."
"Letztes Puzzleteil" gesetzt
Aufwärmen, Fußball, Pässe, Angriff - so lautete das lockere Programm fürs Anschwitzen am Donnerstag. Das Kennenlernen der Arena sei das "letzte Puzzleteil", sagte Gaugisch in seiner kurzen Teamansprache vor dem Training, bei dem Abwehrchefin Aimée von Pereira als Vorsichtsmaßnahme fehlte.
Gaugisch, der noch während der Einheit am Laptop den Halbfinalgegner studierte, weiß um die Schwere der Aufgabe. Mit den Französinnen, immerhin dreimaliger WM-Champion, wartet nun der erste absolute Weltklasse-Gegner im Turnierverlauf.
Das deutsche Team hatte erst im März zweimal gegen Frankreich gespielt - und sich dabei sowohl in Trier (25:28) als auch in Besançon (29:30) teuer verkauft. Auch im epischen olympischen Viertelfinale 2024 vor der Weltrekordkulisse von 26.548 Zuschauern schnupperte Deutschland beim 23:26 an einer Überraschung. Gelingt diese jetzt?
Abwehr als entscheidender Faktor?
Nicht zuletzt die Deckung um Chefin von Pereira präsentierte sich im Turnierverlauf bereits in Medaillenform. Teammanagerin Anja Althaus bezeichnete das Bollwerk in den WM-Tagen gar als "angsteinflößend". Und auch Filter hofft, dass auch ein Team wie Frankreich "so langsam mitbekommen" hat, "wie wir unsere Spiele gewonnen haben", grinste sie.
Sportvorstand Ingo Meckes betont: "Wir brauchen schon eine Leistung am Optimum. Ich glaube, das hat vor allem unsere Abwehr bewiesen, die am Optimum agiert hat, vor allem gegen Montenegro. Wenn wir so eine Abwehr hinstellen, vorne mit dem Selbstvertrauen hingehen, mit der Frische, mit der Unbekümmertheit, dann werden wir eine Chance haben."
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