Der Druck war schon vor dem Turnier groß. Obwohl Alfred Gislason noch bis 2027 Vertrag hat, hatte es vom DHB-Präsidenten keine Job-Garantie gegeben. Im Gegenteil. Eine vorzeitige Trennung vom Isländer jedenfalls schloss Andreas Michelmann nicht aus, sollte die DHB-Auswahl bei der EM ihre sportlichen Ziele verfehlen.
"Es ist doch klar, dass wir darüber nachdenken würden, wenn die Mannschaft - wovon ich nicht ausgehe - bei der EM absolut nicht performt", hatte Michelmann der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gesagt. Knapp drei Wochen später - und damit wohl viel schneller als von den meisten gedacht - steht Gislason nun tatsächlich vor einer ungewissen Zukunft.
Nach der überraschenden Niederlage in der EM-Vorrunde gegen Serbien, muss gegen Spanien am heutigen Montagabend (20.30 Uhr ZDF und Dyn) zwingend ein Sieg her. Nur dann hat man noch Chancen auf die Hauptrunde. Sollte Deutschland dagegen tatsächlich in der Vorrunde ausscheiden, könnte es das auch für Gislason gewesen sein.
Heim-WM 2027 soll die Goldmedaille bringen
Denn um es mit den Worten von DHB-Präsident Michelmann zu sagen, wäre dann genau das erreicht, was nicht hätte passieren sollen: dass die DHB-Auswahl "bei der EM absolut nicht performt" hat. Schon jetzt steht Gislason wegen vieler unglücklicher Entscheidungen teils scharf in der Kritik.
Bis einschließlich zur Heim-WM im kommenden Jahr läuft Gislasons Vertrag noch. Die Weltmeisterschaft im eigenen Land ist das Prestigeprojekt für den DHB. Nach derzeit zehn Jahren ohne großen Titel soll die hochtalentierte Generation um Juri Knorr, Julian Köster und Co. sich dann mit der Goldmedaille krönen.
Kaum vorstellbar, dass man dieses Projekt mit einem angezählten Bundestrainer angehen würde. Aber wer weiß. Noch hat die deutsche Mannschaft die Chance, in die Hauptrunde einzuziehen und ein EM-Debakel abzuwenden.