Aus Rotterdam berichtet Felix Buß"Wir sind in der zweiten Halbzeit nicht mehr direkt aufs Tor gegangen, konnten keine Räume mehr schaffen", sagte Tabea Schmid nach dem zweiten WM-Hauptrundenspiel der Schweiz gegen Dänemark im Schweizer Fernsehen. "Schlussendlich mussten wir viele Würfe über einen 1,85 Meter-Mittelblock nehmen, die geblockt worden sind."Das 23:36 (13:17) gegen Dänemark, einen Gegner, der zuletzt wieder einige Medaillen errungen hat, verlief besonders in den zweiten 30 Spielminuten für die Schweiz nicht nach Wunsch. "Wir haben so schnelle Gegenstöße bekommen. Schneller zurücklaufen, darüber sind wir uns alle bewusst, aber teilweise ist das fast nicht möglich, wenn man den Ball so einfach verliert", klagte die Kreisläuferin, die seit dieser Saison im dänischen Esbjerg spielt.
"Daran müssen wir arbeiten"
Es war wieder eine Frage der Ruhe. "Es muss eine Lösung her", forderte die 21-Jährige. "Der Angriff ist eigentlich immer unsere Stärke gewesen. In der Abwehr haben wir Probleme, weil wir physisch nicht dort sind, wo andere Nationen sind, aber wir sind mutig gewesen, wir sind frech gewesen - und das fehlt mir momentan ein bisschen."
"Ich glaube, es gibt zu viele Spielerinnen, die verunsichert sind. Die vielleicht noch nicht so viel Spielzeit bekommen und dann nervös sind, dass sie Fehler machen", analysierte Schmid. "Daran müssen wir arbeiten. Wir müssen einander bestärken. Man darf und soll Fehler machen, sonst lernt man nicht. Aber wir müssen immer voll draufgehen! Und wir müssen es schaffen, die Angst ein klein wenig wegzubekommen."
"Ich muss da hineinwachsen. Ich bin von Natur aus nicht super extrovertiert und man hat im Spiel auch nicht so viel Energie, um andere Spielerinnen wieder aufzubauen. Ich arbeite daran, aber vielleicht muss von jeder Spielerin etwas kommen, damit wir es schaffen, einander wieder aufzubauen", hält Schmid eine größere Kompaktheit für notwendig.
Joa: "Ein Schritt nach vorne"
"Ich habe es gesehen: Wir haben gekämpft und wollten uns wirklich von unserer besten Seite zeigen", sagte Nationaltrainer Knut Ove Joa im Schweizer Fernsehen, dass sein Team ein höheres Energielevel als gegen Japan gehabt habe. "Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht. Allerdings sind wir in der zweiten Halbzeit zu wenig in die Tiefe gegangen."
"Wir sind nicht mutig genug, direkt auf das Tor zu gehen", pflichtete der Norweger Schmid bei. "Wir müssen das aber tun, um sie in Bewegung zu bringen." Das gilt auch im letzten Hauptrundenspiel gegen Rumänien. Am Sonntag um 18 Uhr kann sich die Schweiz dann noch einmal beweisen, allerdings sind die Osteuropäerinnen bekannt für ihre harte Abwehr.
Bei einem Sieg würde die Schweiz den vierten Platz in der Gruppe und eine Endplatzierung unter den besten 16 Nationen erreichen. Maßgeblich ist der direkte Vergleich mit den Rumäninnen, die in diesem Szenario punktgleich sind. Ob die Kraft und der Mut dafür reichen, wird sich am Sonntag ab 18 Uhr zeigen.
Hinweis: Dieser Artikel wurde von der IG Handball gefördert, die als eines ihrer Satzungsziele die Förderung der Berichterstattung über den Handball hat und unter anderem auch hinter dem Forum handballecke.de steht. Der Artikel kann - unter Nennung der Autoren und Quelle sowie einem Verweis auf ighandball.de kostenfrei genutzt werden.