Hendrik Pekeler ist ein Mann der klaren Worte, aber eine Erklärung für den desolaten Auftritt des THW Kiel fand selbst der ehemalige Nationalspieler nicht. Nach einem Einbruch in der 2. Halbzeit verlor der große THW beim kleinen TVB Stuttgart. Erstmals überhaupt in seiner langen Bundesliga-Historie.
"Nicht erklärbar" sei der rätselhafte Auftritt nach der Pause, sagte Pekeler also im Anschluss bei Dyn. Während die Schwaben auf der einen Seite ihren historischen Erfolg feierten, herrschten auf der anderen lange Gesichter. Schon wieder. Erst wenige Tage zuvor hatte es in heimischer Halle eine deutliche Niederlage gegen den VfL Gummersbach gegeben.
Und so kann man sich die Frage stellen, ob der Rekordmeister gerade seine Saison verspielt? Klar, mit der Meisterschaft hatten die Kieler im Prinzip schon vorher nichts mehr zu tun, weil der SC Magdeburg der Konkurrenz aktuell enteilt ist. Aber die Champions League sollte es nach zweijähriger Abstinenz schon werden. Doch selbst das Minimalziel gerät mitten in der entscheidenden Saisonphase in Gefahr.
Dabei war alles so gut losgegangen
"Wir haben uns jetzt mit diesen beiden Spielen unsere relativ gute Ausgangsposition wieder kaputtgemacht", analysierte Pekeler treffend. Bei 34:14-Zählern steht der fünftplatzierte THW aktuell. Gummersbach lauert mit 33:13-Punkten dahinter. Weil die Oberbergischen zudem ein Spiel weniger ausgetragen haben, können sie aus eigener Kraft auch noch an Kiel vorbeiziehen.
Die große Frage lautet: Warum? Der THW hatte doch eigentlich das berühmte Momentum auf seiner Seite. Die Norddeutschen waren überragend aus der EM-Pause gekommen. Nach einem hart erkämpften Auswärtssieg bei den Rhein-Neckar Löwen fügte man dem SC Magdeburg in einem spektakulären Topspiel Mitte Februar die erste Saison-Niederlage zu.
Der Jubel war zurecht groß. Was für ein Statement, und nicht wenige dachten sich: Der große THW ist wieder da! Bis der vergangene Samstag kam. 26:34 hieß es am Ende gegen den aufstrebenden VfL Gummersbach. In eigener Halle, die man früher mal als Festung bezeichnet hatte. Eine Demütigung, dachten diesmal nicht wenige.
Finanzielle Konsequenzen ohne Champions League groß
Und nun die erste Niederlage überhaupt gegen die in der vergangenen Saison nur hauchdünn am Abstieg vorbei geschrammten Stuttgarter. Eine "brachiale Bruchlandung", wie die "Kieler Nachrichten" titelten. "Wir haben uns in der zweiten Halbzeit nicht gewehrt", sagte Trainer Filip Jicha.
Eine erschreckende Feststellung für eine Mannschaft, die zurück in die Königsklasse will. Oder muss? Der ehemalige Aufsichtsratschef Marc Weinstock hatte erst im vergangenen Sommer in den "Kieler Nachrichten" betont, wie wichtig allein aus finanziellen Gründen die Rückkehr in die Champions League ist.
"Wenn wir die Champions League verpassen, erwirtschaften wir automatisch ein Defizit", sagte Weinstock. Nach seinem Rückzug aus dem Aufsichtsgremium legte Weinstock im vergangenen Dezember nach und sprach davon, dass das Verpassen der Königsklasse den THW pro Saison rund eine Million Euro koste.
Noch kann der THW seine Ziele erreichen
Kein Pokalsieg oder Erfolg in der zweitklassigen EHF European League kann das aufwiegen. Was für die Kieler zählt, ist der Liga-Alltag. Noch haben sie Zeit, die Kurve zu kriegen, die individuelle Klasse sowieso. Die Füchse Berlin (38:10) auf Rang zwei sind zumindest noch in Reichweite. Aber dafür müssen Mannschaft und Trainerteam schnell Lösungen finden.
In HBL und European League stehen nun ausgerechnet zwei Nordderbys gegen die SG Flensburg-Handewitt an. Bessere Gelegenheiten kann es nicht geben, um die Stimmung zu drehen. Zwei Siege allein würden aber nicht reichen. Was der THW braucht, ist eine nachhaltige Entwicklung. Sportlich und finanziell. Beides funktioniert nur mit der Qualifikation für die Champions League.
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