Kroatien gehört seit jeher zu den Konstanten des europäischen Handballs: Seit der Premiere des Turniers haben die "Kauboji" keine einzige Europameisterschaft verpasst. Trotz insgesamt sechs Medaillen - drei in Silber und drei in Bronze - liegen die jüngsten EM-Ergebnisse jedoch hinter den glorreichen Zeiten zurück. Platz acht 2022 und Rang elf 2024 machten deutlich, dass ein Umbruch notwendig war.
Trainer Sigurdsson - ein Novum
Dieser begann im Februar 2024 mit einer historischen Entscheidung: Erstmals übernahm ein ausländischer Cheftrainer die kroatische Nationalmannschaft. Mit Dagur Sigurdsson setzte der Verband auf einen international erfahrenen Fachmann - und wurde prompt belohnt. Bei der WM 2025 führte Sigurdsson das Team zu Silber, der ersten kroatischen WM-Medaille seit 2013. Der Erfolg löste im Land neue Euphorie aus.
Gleichzeitig war das Turnier ein Abschied: Die langjährigen Führungsspieler Domagoj Duvnjak, Ivan Pešic und Igor Karacic beendeten ihre Nationalmannschaftskarrieren. Doch die nächste Generation rückte nahtlos nach und prägt zunehmend die Identität eines Teams im Neuaufbau, das laut Sigurdsson "gemeinsam wächst" und jede neue Aufgabe als Chance sieht.
Gebremste Euphorie
Mit Selbstvertrauen und einer gut ausbalancierten Mannschaft blickt Kroatien nun auf die EM 2026. Dennoch mahnt Sigurdsson im Interview mit Eurohandball.com nun zur Ruhe: "Es gibt keinen Grund, übermäßig euphorisch zu werden. Wir wissen, wie eng die Konkurrenz ist." In der Vorrunde trifft Kroatien auf Georgien, Gastgeber Schweden und die Niederlande - drei sehr unterschiedliche Gegner, für die höchste Konzentration nötig sein wird.
Für den Europameister-Trainer von 2016 ist das Projekt Kroatien auch persönlich eine besondere Aufgabe: Er fühlt sich mit der Kultur verbunden und sieht viele Parallelen zwischen kroatischem Charakter und seiner eigenen Mentalität. Und auch wenn er sich nicht auf einen "größten EM-Spieler aller Zeiten" festlegen möchte, kennt er den Wert der vielen Persönlichkeiten, die diesen Wettbewerb geprägt haben.
Mit frischem Schwung, wachsender Generation und einem Trainer, der bereits einen EM-Titel gewonnen hat, geht Kroatien in die nächste Europameisterschaft - entschlossen, ein neues Kapitel in seiner Handballgeschichte zu schreiben.