Der Vertrag von Jamal Naji beim Bergischen HC endet rückwirkend zum 30. Juni 2024. Das berichtet das Solinger Tageblatt. In der letzten Instanz vor dem Bundesarbeitsgericht konnten sich beide Partien auf einen Vergleich einigen. Weitere Informationen, auch zu den finanziellen Details, nannten beide Seiten nicht. "Es ist gut für den BHC, dass das Kapitel endgültig abgeschlossen ist", betonte BHC-Geschäftsführer Jörg Föste gegenüber der Zeitung.
Durch den Vergleich kam es am Bundesarbeitsgericht zu keinem Urteil. Dieses hätte womöglich auch weitreichende Folgen für den Sport gehabt. Denn Jamal Najis Anwalt, Jan Ricken, verglich das Urteil der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht in Solingen noch mit dem berühmten Bosman-Urteil aus dem Fußball.
1995 wurde damit entschieden, dass Profi-Fußballer in der EU nach Vertragsende ablösefrei wechseln dürfen. Vorher konnten die Klubs trotzdem noch Ablösesummen fordern. Bosman stellte die gesamte Sportwelt auf den Kopf.
Drei Aspekte wurden diskutiert
Vor dem Bundesarbeitsgericht wurden vor allem drei Aspekte diskutiert. War die fragliche Vertragsklausel in der notwendigen Schriftform und auch transparent genug formuliert und gibt es einen Grund, die Tätigkeit an die Liga zu koppeln?
Dabei deutete sich nun an, dass beide Seiten durchaus ihre Argumente im Rechtsstreit hätten. Auch deshalb scheint der Vergleich am Ende für alle Parteien die sinnvollste Lösung gewesen zu sein. Die wichtigen Fragen bleiben damit aber auch vorerst unbeantwortet und somit Vereine und Trainer im Ungewissen.
Die Chronologie des Rechtsstreits
Am 17.04.2024, also vor genau zwei Jahren, trennte sich der Bergische HC nach einer Serie von 12 Niederlagen in Folge von Chefcoach Jamal Naji. Rund 19 Monate schwelte der Rechtsstreit, der BHC stieg zwischenzeitlich aus der Daikin Handball-Bundesliga ab und als Zweitligameister wieder auf. Und ausgerechnet an diesem Wochenende kämpfen die Bergischen Löwen auch nach zehn Jahren wieder beim Final4 um den DHB-Pokal um den Titel.
Im November 2023 verlängerte der Bergische HC den Vertrag mit Cheftrainer Jamal Naji bis 2028. Jamal Naji klagte nach der Entlassung beim Arbeitsgericht Solingen gegen seinen Ex-Verein. Dabei ging es um die Frage, ob das Arbeitsverhältnis zwischen Naji und dem BHC, das eigentlich bis 2028 angelegt war, durch den Abstieg und eine entsprechende Klausel beendet wurde.
Naji hatte in den ersten Instanzen Erfolg. Das Arbeitsgericht Solingen ließ im Oktober 2024 durchblicken, dass die "Ligaklausel" vom BHC nicht präzise genug formuliert wurde. "Ihr ist nicht zu entnehmen, zu welchem Enddatum der Arbeitsvertrag "bei Abstieg" gelten soll und der "Bereich der 1. Handball-Bundesliga" verlassen wird", hieß es.
Weiter ging es vor dem Landesarbeitsgericht in Düsseldorf, das im April 2025 zunächst die Entscheidung vertagte. Die Kammer ließ aber durchblicken, dass sie voraussichtlich dem erstinstanzlichen Urteil nicht widersprechen würde.
Im Mai 2025 entschied die Instanz erinmal mehr für Jamal Naji. Dabei führte die Kammer die Schriftform ins Feld. Den Vertrag mit Jamal Naji hatte nur einer von zwei BHC-Geschäftsführer unterschrieben, obwohl es zwei Unterschriftsfelder auf dem Papier gab. Seit Juni 2025 steht fest, dass der Fall vor das Bundesarbeitsgericht gehen sollte.
Seit November 2025 ist Jamal Naji wieder als Cheftrainer tätig. Er übernahm als Nachfolger von Jörn-Uwe Lommel den Drittligisten ASV Hamm-Westfalen. Der Ex-Erstligist kämpft aktuell um einen Platz in der Aufstiegsrunde - vier Spieltage vor Schluss besitzt man in der Tabelle der 3. Liga Nord-West drei Punkte Vorsprung auf den Dritten TuS Vinnhorst.