Stell dir vor, du stehst in einer ausverkauften Handball-Arena, Mikrofon in der Hand. Um dich herum tosendes Publikum, dieses besondere Kribbeln, das nur große Turniere erzeugen können. Der Countdown zum Sendungsstart läuft - der Experte neben dir, bereit Live zu gehen. Aber: Du bist gar nicht in der Arena - um dich herum siehst du nur Grün.
Zwei Couches, ein kleines Tischlein, mehr ist da nicht. Statt in volle Ränge schaust du in große Kameras und zahlreiche Monitore, die ein weitläufiges EM-Studio zeigen: mit großen Dyn-Buchstaben im Hintergrund, mehreren Screens, einem nostalgischen Handballfeld aus Parkett als Boden. Herzlich Willkommen in unserem Green-Screen-Studio!
So geht’s mir: Bevor die erste Sendungsminute läuft, wird fleißig getestet. Ein Gefühl für das Studio bekommen. Denn wenn ich wo hinschaue, gucke ich ins Grüne - wenn ich wo hinzeige, ihr könnt es erahnen, dann ins Grüne. Aber: In der Live-Sendung sieht das später ganz selbstverständlich aus, wie in einer echten Umgebung halt.
Die ersten Versuche fühlen sich eher wie Schattentheater oder Pantomime an. "Lea, zeig mal nach links oben", kommt die Ansage aus der Regie, als ich das erste Mal vor dem virtuellen Analyse-Screen stehe. Ich drehe mich ein, zeige - immerhin nach oben, allerdings eher rechts. Ups.
Orientierung haben, Abstände einschätzen, und vor allem Atmosphäre und Handball-Euphorie erzeugen - das alles bekommt im virtuellen Studio noch einmal eine ganz andere Bedeutung als bei einer Moderation direkt in der Halle. Wenn Finn-Ole Martins als Dyn-Reporter live aus Herning zugeschaltet wird: Wo taucht er im Studio auf? Wenn unser Social-Host Jari Brüggmann Inhalte aus dem Netz präsentiert, schwebt neben ihm ein virtuelles Smartphone, das sich sogar drehen kann. Und plötzlich steht Bundestrainer Alfred Gislason virtuell vor unserer Couch. Das virtuelle Studio ist eine Spielwiese für die Sendungsgestaltung - nicht, weil es grün ist, sondern weil es so viele Möglichkeiten gibt, Handball erlebbar zu machen.
Alles, was im Studio passiert, also die Live-Sendung, sehe ich über mehrere Bildschirme an Kameras oder am Rand des Sets. Direktes Feedback also: Zeige ich richtig? Sehen wir schon das Warm-Up des DHB-Teams live aus der Jyske Bank Boxen in unserem Hintergrund? Wenn ich vor meiner erst Green-Screen-Sendung stehe, ist der Adrenalinspiegel garantiert hoch.
Bei 65 Partien an 16 Spieltagen schlägt aber auch unser zweites Herzstück im EM-Betrieb besonders kräftig: der Dyn-Sender. Hier wird in den nächsten zweieinhalb Wochen pure Handball-Fachkenntnis gebündelt, wenn unsere Expertinnen und Experten, die zusammen auf über 1.400 Länderspiele kommen, ein- und ausgehen.
Damit diese auf eure Bildschirme zuhause transportiert werden kann, wurde ordentlich angepackt: Tische geschleppt, Technik installiert, Beamer und Leinwand aufgebaut - kurzerhand eine ganze Etage umgeräumt. Im neuen EM-Redaktionsbüro werden die Fäden gezogen: die Live-Sendungen geplant, die Verzahnung mit Social Media koordiniert.
Um die Ecke ist ein kleineres Studio, in dem unter anderem die Harzblut-Crew zwei Spiele in einem zusätzlichen Stream Co-kommentiert: am 19. Januar das Vorrundenspiel Deutschland gegen Spanien und 28. Januar ein Hauptrundenspiel. Eine View Area lädt zum gemeinsamen Schauen und Austausch ein. Den Gang hinunter produziert Hannah Nitsche in einem eigenen Social-Studio Formate für unsere Community bei @dynhandball.
Hier herrscht Hochbetrieb: Tägliche Redaktionssitzungen am Morgen, Ablaufbesprechungen am Nachmittag, Sendungstage bis 23 Uhr oder darüber hinaus. Zweieinhalb Wochen Ausnahmezustand, in denen der Wochentag schnell vergessen wird, in denen einfach nur die Leidenschaft für Handball gelebt wird. Wir sind Dyn: Zuhause des Handballs, auch bei der EM
Über die Autorin
Die bisherigen Kolumnen von Lea Rostek und Hannah Nitsche bei handball-world:» Lea Rostek und Hannah Nitsche aus dem Off» Showtime in München: Supercup mehr als nur ein Titel?» Individuelle Power: Die Glanzlichter der Auftaktrunde» Personalbeben vor Gigantenduell - Sendeplan adé» Bühne frei für Inklusion - per Handy live dabei!» Drei Stimmen im Ohr - eine Live on Air» Zwischen den Spielen - Redaktionsalltag bei Dyn» Mehr Druck, mehr Drama - Wie viel Fußball verträgt die Handball-Seele?» Handball auf Social Media? Da geht mehr!» Zwischen Nähe und Nachhaken - warum kritische Fragen wichtig sind» Dyn Move Your Sport - Jugendarbeit fördern war noch nie so attraktiv wie jetzt» Ausnahmesituation im Spiel - wenn Sport zweitrangig wird» Hands up for more - ab heute für immer» Neue Fans in alten Hallen - Die Entscheidung für den Verein» Berliner Stars als Mentoren