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Belgischer Senkrechtstarter über die Nachteile der Teamkombination, seinen Schweizer Sponsor und die spezielle Anreise nach Wengen

kicker

Wie verlief deine Anreise nach Wengen?

Armand Marchant: Gut. Es ist immer etwas Besonderes, hier nach Wengen zu kommen - mit dem Zug, mit den Zuschauern und allem drum und dran. Vor allem auch, das ganze Material hier nach oben zu bringen. Aber das gehört zum Spektakel von Wengen dazu. Das hat man einmal im Jahr, deshalb ist das okay. Wenn es bei allen Rennen so wäre, wäre es etwas komplizierter, aber hier ging es gut.

Hat dich jemand im Zug erkannt oder schauen die Leute eher wegen des vielen Materials?

Ich bin etwas früher als mein Team angereist, deshalb hatte ich nicht das ganze Material dabei. Niemand ist direkt auf mich zugekommen, aber viele haben gesagt, dass sie gemerkt haben, dass ich aus Belgien komme. Das ist typisch für die Schweiz: Die Leute sind sehr respektvoll und stören die Athleten nicht wirklich. Das ist eher am Renntag so, da wollen die Leute Fotos machen und so weiter. Ich war zivil angezogen, vielleicht falle ich da weniger auf als in voller Skiausrüstung.

Trotzdem kennt man dich jetzt schon etwas besser, vor allem nach deinem grossen Erfolg in Gurgl.

Ganz klar: Früher war ich niemand, wirklich niemand. Jetzt bin ich keine grosse Starfigur, aber man erkennt mich deutlich öfter. In Adelboden wollten viele Leute Fotos mit mir machen, genauso auch im Training in Arolla - Fotos, Autogramme. Das waren Dinge, die ich früher kaum erlebt habe. Die Saison ist in einer sehr guten Dynamik, und ich glaube, die Leute erkennen meine Leistungen. Das ist schön, es macht Freude zu sehen, dass sich die Arbeit auszahlt und anerkannt wird.

Ein Teil des Erfolgs sind die Menschen, die Aufmerksamkeit - ein anderer Teil sind die Emotionen. Das hat man besonders im Interview nach dem Slalom in Gurgl gesehen. Wie hast du diese Emotionen erlebt und wie hast du sie danach verarbeitet?

Ja, das war extrem intensiv. Ich hatte einige Verletzungen, und man arbeitet jeden Tag für das Podium, im Training, in den Sommerlagern. Auf ein Weltcup-Podium zu fahren - und dann noch das erste Podium überhaupt für Belgien - das war etwas ganz Besonderes. Ich war im Fernsehen sehr emotional, weil mein Weg ganz anders ist als der eines Schweizers oder vieler anderer Fahrer. Ich komme aus Belgien, meine Eltern haben mich auf die Ski gestellt, wir sind viel mit dem Wohnmobil unterwegs gewesen. Wenn ich daran denke, was meine Eltern alles für mich gemacht haben, dann kommen diese starken Emotionen. Aber sehr schnell habe ich mir gesagt: Der Winter ist noch lang. Es war erst das zweite Rennen der Saison. Wenn ich die Saison wirklich geniessen will, muss ich schnell wieder an die Arbeit zurück. Feiern werde ich am Ende der Saison. Dann lasse ich den Emotionen mehr Raum - im Moment gibt es noch viel zu tun.

Du hast es schon gesagt: Du kommst aus Belgien. Das ist keine klassische Skination. Bist du jetzt ein Star in Belgien?

Nein, aber ich werde immer bekannter, weil diese Resultate Geschichte für mein Land schreiben. Mit Platz fünf habe ich das beste Weltcup-Ergebnis eines Belgiers egalisiert. Jetzt bin ich der erste Belgier mit einem Weltcup-Podium und auch der erste, der in einer Disziplin in die Top 15 der Welt kommt - alles in derselben Saison. Die Medien berichten viel, vor allem in einer olympischen Saison. Wintersportler gibt es bei uns nicht viele, das schafft eine gute Dynamik. Ich bekomme viele Nachrichten und deutlich mehr Medienanfragen. Das ist schön, und ich denke, meine Geschichte ist für viele Menschen auch inspirierend.

„Letzte Saison habe ich alle Prämien direkt wieder in meine Saison investiert - ich habe effektiv nichts verdient. Aber wenn man Podestplätze erreichen will, muss man investieren.“ (Armand Marchant)

Bist du nur in der Wallonie bekannt oder auch in Flandern?

In beiden Landesteilen. Es ist sehr selten, dass ein belgischer Sportler sowohl in der Wallonie als auch in Flandern sichtbar ist. Nach meinem Podium war ich bei Sporza in Flandern und danach bei 100 % Sport in der Wallonie. Das ist extrem wichtig und wirklich schön.

Die Olympischen Spiele stehen an. Für dich ist es sicher auch eine grosse Chance, diesen Erfolg schon vor den Spielen zu haben. Sind Sponsoren jetzt nicht interessierter?

Ich bin definitiv in einer guten Phase vor den Spielen, aber bei den Sponsoren hätte ich mir ehrlich gesagt mehr Begeisterung erwartet. Im Moment ist es noch eher ruhig. Vielleicht warten sie darauf, dass ich die Ergebnisse weiter bestätige. Dabei war ich Sechster in Madonna, nur wenige Hundertstel vom Podium entfernt, und auch in Adelboden war ich nah dran. Finanziell ist es sehr schwierig. Der Verband unterstützt mich ein wenig, aber den Grossteil muss ich selbst aufbringen. Letzte Saison habe ich alle Prämien direkt wieder in meine Saison investiert - ich habe effektiv nichts verdient. Aber wenn man Podestplätze erreichen will, muss man investieren. Was den Druck angeht: Nein, der ist nicht negativ. Wenn man dir eine Medaille zutraut, ist das ein positiver Druck. Es macht dich legitimer.

Und die Teamkombination bei den Olympischen Spielen - ist das eine Option?

Ich glaube nicht. Wir haben keine echten Speed-Fahrer. Für kleine Nationen ist das schade, weil die Athleten in der Teamkombination die Strecke schon vor dem Slalom fahren konnten, was ein echter Vorteil ist. Man könnte das auf einer anderen Strecke organisieren oder sogar Nationen kombinieren, aber im Moment ist das für uns nicht möglich.

Kommen wir zu Wengen. Du kommst von einem Sieg im Europacup in Crans-Montana. Warum dieser Umweg vor Wengen?

Weil dort nächstes Jahr die Weltmeisterschaften stattfinden. Es war die einzige Gelegenheit im Winter, die Strecke kennenzulernen. Der Sieg war grossartig, aber das Hauptziel war wirklich, die Strecke zu verstehen: das Gelände, die Steilheit, den Start, die Infrastruktur. So muss man sich bei der WM darüber keine Gedanken mehr machen.

Am Donnerstag sagten Beat Feuz und Livio Hiltbrand bei The Snow Lodge Daily live aus Wengen, dass es viel Energie kostet, einen Ort nicht zu kennen.

Genau. Zu wissen, wie lange man zum Start braucht, wo man physisch trainieren kann, sich im Ort auszukennen - das ist ein riesiger Vorteil.

Was erwartest du also von Wengen?

Das hängt von den Bedingungen ab. Es ist relativ warm. Es ist eine der schönsten Slalomstrecken: viel Steilheit, viele Geländeübergänge.

Mit dem kleinen Chalet in der Mitte.

Genau. Es ist eine Strecke, auf der man von oben bis unten angreifen muss, aber auch klug fahren sollte. Ich möchte die aktuelle Dynamik mitnehmen, und dann sehen wir am Sonntag, wo ich stehe.

Warum hast du Anzère (Walliser Feriendorf) auf deinem Helm?

Das hängt mit meinem Sponsor Anzère zusammen. Nach meiner Verletzung wollten sie eine neue Kundschaft ansprechen, insbesondere aus Belgien. Historisch gesehen waren viele der ersten Investoren in Anzère Belgier. Für sie ist das Verhältnis von Sichtbarkeit zu Investition sehr gut - vor allem mit den Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, an denen ich fast immer teilnehme. Ich bin sehr stolz darauf, ein Skigebiet als Sponsor zu haben. Das repräsentiert unseren Sport am besten.