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Die Schweizer Dominanz beginnt zu bröckeln

kicker

Marco Odermatts Start in diesen Weltcup-Winter war einmal mehr famos. Der Dominator der letzten Jahre nahm in dieser Saison bislang an sechs Weltcup-Rennen teil - vier davon gewann er. Nie zuvor startete der 28-Jährige mit so vielen Siegen in eine Saison.

Hinter Odermatt sieht die Schweizer Bilanz hingegen ernüchternd aus: Kein weiterer Schweizer konnte bislang das Podest erklimmen. Loïc Meillard, der in der vergangenen Saison im Gesamtweltcup den starken dritten Rang belegte, kommt bislang überhaupt nicht in Fahrt. Beim vergangenen Riesenslalom in Beaver Creek erreichte der amtierende Slalom-Weltmeister mit Rang neun sein bislang bestes Saisonresultat; ansonsten steht kein Top-Ten-Ergebnis zu Buche. Die für Meillard eher durchzogenen Ergebnisse sind jedoch gut erklärbar. Der Neuenburger reduzierte in der Saisonvorbereitung den Trainingsumfang auf den Ski, um seinen Rücken zu schonen.

Noch vor Saisonbeginn galt Meillard als grosser Konkurrent von Marco Odermatt im Gesamtweltcup. Nach einigen Rennen dieser Saison ist davon kaum noch etwas zu sehen.

Auch das in den vergangenen Jahren so starke Schweizer Speed-Team konnte in den bisherigen drei Rennen nicht nahtlos an die Leistungen der letzten Saison anknüpfen. Das war allerdings kaum zu erwarten, schliesslich gab es in der Vorsaison nicht weniger als sechs Doppelsiege in der Abfahrt. Dennoch blieben die Schweizer etwas hinter den Erwartungen zurück. Das bislang beste Ergebnis eines Schweizers - Marco Odermatt ausgenommen - erreichte der Shootingstar der vergangenen Saison, Franjo von Allmen, mit dem vierten Rang in der Abfahrt von Beaver Creek.

Der Rücktritt von Marcel Hirscher ist bei Ski Austria endgültig verdaut

Läuft es bei uns Schweizern in dieser Saison noch nicht wie gewünscht, ist der grösste Konkurrent, Österreich, stark in die neue Saison gestartet. Das Männer-Team von Rot-Weiss-Rot litt lange unter dem Rücktritt Marcel Hirscher. Seit dessen Abschied im September 2019 konnten die Österreicher nur einmal den Nationen-Cup für sich entscheiden.

Marcel Hirscher war in den 2010er-Jahren, was Odermatt heute für die Schweiz aktuell ist. Die enorme Lücke, die sein Rücktritt hinterliess, konnten die Österreicher lange kaum schliessen. Im Riesenslalom war der Rücktritt des achtfachen Gesamtweltcupsiegers am meisten zu spüren. Zwischen seinem Abschied und der diesjährigen Saison holten die Österreicher lediglich 16 Podestplätze, davon war nur ein Sieg darunter.

In dieser Saison scheint sich jedoch etwas geändert zu haben: Stefan Brennsteiner gewann mit 34 Jahren in Copper Mountain seinen ersten Riesenslalom, Marco Schwarz arbeitet nach einer schwerwiegenden Verletzung daran, im Riesenslalom wieder an die Weltspitze zurückzukehren, und mit Raphael Haaser verfügen die Österreicher über den amtierenden Weltmeister in dieser Disziplin. So kommt es, dass das österreichische Männer-Team trotz der zwei Siege von Odermatt im Riesenslalom mehr Punkte gesammelt hat als die Schweiz.

ÖSV-Speed-Team überzeugt

In den Speed-Disziplinen sind die Österreicher aktuell stark unterwegs. Allen voran scheint Vincent Kriechmayr zu seiner alten Stärke zurückgefunden zu haben. Der 34-Jährige legte nach eher schwierigen Jahren einen starken Saisonstart hin und führt die Disziplinenwertung im Super-G mit einem Sieg und einem zweiten Platz überlegen an.

Auch Raphael Haaser und Stefan Babinsky wussten in dieser Saison bereits zu überzeugen. So kommt es, dass das österreichische Männer-Team in dieser Saison bereits 279 Punkte mehr auf dem Konto hat als die Mannschaft um Cheftrainer Tom Stauffer - und das trotz der Tatsache, dass Marco Odermatt mit vier Siegen einen äusserst starken Start erwischt hat. Dies dürfte dem Männer-Team zu denken geben.

Gut-Behramis Ausfall wird kaum kompensiert werden können

Im Nationen-Cup der Frauen liegen die Österreicherinnen ebenfalls vorne. Der Rückstand ist vor allem durch den Ausfall von Lara Gut-Behrami zu erklären. Die Tessinerin war in den vergangenen Saisons die mit Abstand konstanteste Punktesammlerin der Schweiz. Kaum eine Saison verging, in der die amtierende Super-G-Olympiasiegerin unter 1'000 Punkten im Weltcup blieb. Diese Punkte fehlen nun aufgrund ihres Kreuzbandrisses.

Im Riesenslalom versucht Camille Rast, in die Bresche zu springen - dies gelingt ihr bereits mit drei Top-Fünf-Ergebnissen. Hinter Rast klafft jedoch eine deutliche Lücke: Keine der Schweizerinnen ausserhalb von Rast und Gut-Behrami konnte in dieser Saison bislang ein Top-15-Resultat in dieser Disziplin erzielen. Anders sieht es aktuell bei unseren Nachbarn aus: Mit Julia Scheib verfügen die Österreicherinnen über eine Athletin, die in drei von vier Riesenslaloms bereits auf dem Podest stand. Sie könnte zum entscheidenden Trumpf des ÖSV-Frauenteams werden, zumal der Riesenslalom im vergangenen Jahr noch ein Schwachpunkt war.

Auch auf der Speed-Seite wird der Ausfall von Lara Gut-Behrami deutlich spürbar sein. Hinzu kommt, dass Corinne Suter in den kommenden sechs Wochen aufgrund eines Trainingssturzes pausieren muss. Die bevorstehenden Heim-Rennen in St. Moritz könnten daher zur grossen Enttäuschung für das Schweizer Team werden: In der vergangenen Saison schaffte es keine der in St. Moritz an den Start gehenden Schweizerinnen im Super-G oder in der Abfahrt in den Top 15 der Disziplinenwertung.

Insgesamt zeigt sich, dass Österreich in dieser Saison in nahezu allen Disziplinen die Nase vorn hat. Während bei der Schweiz bislang nur Odermatt und Rast wirklich überzeugen konnte, verfügt das Ski-Austria-Team über eine breite Spitze, die sowohl in Speed als auch in Technik konstant Punkte sammelt. Für die Schweiz dürfte es daher in dieser Saison schwierig werden, den Nationen-Cup erneut für sich zu entscheiden.