Im selben Rennen der Damen zeigte auch Camille Rast eine beeindruckende Leistung und verpasste nur knapp den ersten Platz. Mit lediglich neun Hundertstelsekunden Rückstand auf die US-amerikanische Skirennfahrerin Mikaela Shiffrin blieb der Walliserin Platz zwei. "Im ersten Moment war ich enttäuscht", gestand Rast gegenüber dem Blick, fügte jedoch hinzu, dass sie dem Druck standgehalten habe und keinerlei Nervosität verspürte. Ihre Teamkollegin Eliane Christen lobte sie: "Sie ist einfach eine coole Socke. Sie ist mega lässig, locker, cool und relaxt. Und sie bringt auch manchmal einen lustigen Spruch."
Christen selbst zeigte sich in Semmering in aufsteigender Form. Nach einem schwierigen Saisonstart, bei dem sie sich durch Ungeduld ausgebremst fühlte, fand die Sportlerin ihren Rhythmus. Besonders beeindruckend war ihre Leistung im ersten Durchgang, in dem sie mit der Startnummer 25 über eine schwierige und zerfurchte Strecke tanzte. "Ich habe versucht, in den Löchern stabil zu bleiben. Im letzten Winter im Europacup in Les Diablerets war die Piste noch schwieriger, im Weltcup habe ich so etwas aber noch nie erlebt", erklärte Christen ihre Herangehensweise. Im zweiten Lauf konnte sie die verbesserten Bedingungen optimal nutzen und sich deutlich steigern.
Die Frage, ob sie sich bald das Olympia-Ticket sichern kann, beantwortete die Athletin selbstbewusst: "Offenbar brauche ich einige Rennen, bis ich in Form komme. Das war schon letztes Jahr so. Aber ich bin nicht verzweifelt und wusste: Wenn es heute nicht klappt, dann morgen."
Christen hat damit bereits die halbe Olympia-Qualifikation erreicht. Da derzeit nur Camille Rast und Wendy Holdener die Swiss-Ski-Kriterien - einmal Top 7 oder zweimal Top 15 - vollständig erfüllen, stehen die Chancen gut, dass sie in den kommenden Rennen die Kriterien erfüllt. Besonders die steileren Strecken, die ihr entgegenkommen, könnten dafür ausschlaggebend sein. "Eigentlich schon", antwortete sie lachend auf die Frage, ob solche Strecken ihren Stärken entsprechen. "Aber in den letzten Rennen war es seltsamerweise immer umgekehrt. Da war ich im Flachen schneller." Man darf sehr gespannt auf ihren nächsten Auftritt beim Slalom in Kranjska Gora (4. Januar 2026) sein.