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Düstere Aussichten nach Gut-Behramis Rücktritt

kicker

Beim Saisonauftakt in Sölden beweist Lara Gut-Behrami mit dem dritten Rang einmal mehr, dass mit ihr zu rechnen ist. Zwölf Jahre nach ihrem ersten Weltcupsieg an gleicher Stelle fährt sie weiterhin in der Weltspitze mit. Der Abschied von Lara Gut-Behrami markiert das Ende einer Ära im Schweizer Ski-Riesenslalom. Trotz ambitionierter Ziele von Camille Rast bleibt die Frage offen, wer in in die Fussstapfen der Tessinerin treten wird.

Ihr Weltcupdebüt gab Gut-Behrami im Riesenslalom 2007 in Lienz. Seither bestritt sie 124 Riesenslalomrennen, stand 29-mal auf dem Podest und gewann zehn davon. In der Disziplinenwertung belegte sie 2016 Rang 3 und wurde 2023 zweitbeste Riesenslalomfahrerin der Welt. Ein Jahr später, 2024, krönte sie sich mit der kleinen Kristallkugel.

Sie ist die beste Schweizer Riesenslalomfahrerin der vergangenen Jahre

In insgesamt 18 Weltcupjahren war Gut-Behrami zwölfmal die beste Schweizer Riesenslalomfahrerin - gemessen an den Weltcuppunkten. Nur in den ersten Saisons holten Sonja Nef und Fabienne Suter mehr Punkte. Später konnten sich vereinzelt Dominique Gisin, Andrea Ellenberger, Mélanie Meillard und Michelle Gisin in einer Saison vor ihr klassieren. Wendy Holdener war dreimal beste Schweizerin im Riesenslalom und damit die einzige Teamkollegin, die Gut-Behrami mehrfach übertreffen konnte.

Der angekündigte Rücktritt der 34-Jährigen hinterlässt im Schweizer Riesenslalomteam eine grosse Lücke. Nach ihrem angekündigten Abgang dürfte es für die Schweizerinnen schwieriger werden, sich konstant in den Top 10 der Welt zu halten. Ein vergleichbares Ausnahmetalent ist derzeit nicht in Sicht.

Eine Zukunft ohne Gut-Behrami

Mélanie Meillard konzentriert sich wegen anhaltender Knieprobleme künftig auf den Slalom und verzichtet auf Starts im Riesenslalom. Michelle Gisin erklärte im Gespräch mit uns, dass es sich für sie aufgrund ihrer schlechten Startnummer derzeit kaum lohne, Riesenslalomrennen zu bestreiten, sie sich die Option aber offenhalte.

„Im Kopf habe ich das Ziel, wieder am Start zu stehen. Aber dafür muss sich meine Startposition verbessern. Darum sind diese Rennen aktuell kein Thema.“ (Michelle Gisin)

Wendy Holdener absolvierte in Sölden ihr 300. Weltcuprennen und belegte dabei Rang 30 - weit entfernt von ihrem dritten Podestplatz in dieser Disziplin. Insgesamt stand die Schwyzerin 54-mal auf dem Weltcup-Podest und feierte sieben Siege. Für die laufende Saison hat sie sich klare Ziele gesetzt: Holdener will wieder Rennen gewinnen, nachdem sie im vergangenen Winter mehrfach knapp am Sieg vorbeifuhr. Drei zweite Plätze stehen in ihrer Bilanz von letzter Saison - allerdings nicht im Riesenslalom, sondern in ihrer Paradedisziplin im Slalom.

Talentsuche in vollem Gange

Camille Rast gehört zu den ambitionierten Fahrerinnen im Riesenslalom. Die Westschweizerin kämpfte im vergangenen Winter bis zuletzt um die kleine Kristallkugel im Slalom und will sich nun auch im Riesenslalom als Topfahrerin etablieren. Die 26-Jährige strebt regelmässige Top-10-Resultate an und hat ihre Vorbereitung entsprechend angepasst. Zuerst muss sie jedoch ihre Hüftverletzung vollständig auskurieren - ihr Sölden-Resultat war mit Rang 15 daher solide.

Der Blick richtet sich zunehmend auf den Nachwuchs. Der internationale Druck ist hoch, und Swiss-Ski arbeitet daran, junge Riesenslalom-Talente aufzubauen. Diese brauchen jedoch Zeit, um sich im Weltcup zu etablieren. Im Aufgebot für Sölden standen auch Vanessa Kasper, die sich für den zweiten Durchgang qualifizierte, sowie Sue Piller, Stefanie Grob, Jasmina Suter und Shaienne Zehnder, die alle die Top 30 verpassten.

Für Zehnder, die 19-jährige Aargauerin, war es das Weltcupdebüt im Riesenslalom. Vielleicht könnte sie dereinst in die Fussstapfen von Gut-Behrami treten - schliesslich schied auch Gut-Behrami 2007 in Lienz bei ihrem ersten Weltcuprennen aus, ebenso wie Holdener und Rast bei ihren Debüts in Sölden. Warum also nicht eines Tages die Geschichte wiederholen - und im nächsten Jahr den ersten Weltcupsieg in Sölden wie Gut-Behrami feiern? Derzeit sieht es aber leider eher so aus, als würden sich die Schweizer Riesenslalom-Fans an eine kleine Dürrephase bei den Frauen gewöhnen müssen, sobald Lara Gut-Behrami ihre Skier in den Keller gelegt hat.