Sein langjähriger Trainer Helmut Krug macht gegenüber Blick deutlich: "Marco befindet sich in der besten Zeit einer Rennfahrer-Karriere, er ist in einer bombastischen Form."
Odermatt hat sich hohe Ziele gesteckt. Nicht nur will er in dieser Saison die grosse Kristallkugel für den Gesamtweltcup gewinnen, sondern auch in allen Disziplinen die kleinen Kugeln holen. "Weil er auch in diesem Olympia-Winter in all seinen Disziplinen die Kristallkugel gewinnen will, wird er voraussichtlich kein Rennen auslassen", sagt Krug. Doch sein voller Terminkalender wirft Fragen auf.
Die Ski-Legende Beat Feuz, der selbst zahlreiche Erfolge auf der Piste gefeiert hat, äusserte sich kritisch zu Odermatts Strategie. "Vielleicht hat Marco durch den Erfolg im Super-G die Abfahrt verloren", mutmasste Feuz gegenüber Blick. Dieser Kommentar bezieht sich auf das vergangene Jahr, als Odermatt einen Tag nach seinem Super-G-Sieg in Kitzbühel den ersehnten ersten Triumph auf der legendären Hahnenkamm-Abfahrt verpasste. Der "Kugelblitz" selbst erinnerte sich an eine ähnliche Erfahrung aus seinem Karrierehöhepunkt im Jahr 2017: Nach einem anstrengenden Medientag schied er am folgenden Tag aus.
Auch Bernhard Russi, einer der bekanntesten Skiexperten der Schweiz, rät Odermatt dazu, auf die Bremse zu treten. "Das gigantische Programm, das Marco absolviert, ist nicht nur mit enormen körperlichen-, sondern auch mit sehr hohen mentalen Belastungen verknüpft", sagte Russi im Podcast "Après-Ski" von Blick. Er schlägt vor, vor den Olympischen Spielen in Bormio eine Pause einzulegen - etwa bei der Abfahrt in Crans-Montana oder dem Super-G in Kitzbühel.
Erfahrung helfe Odermatt
Doch nicht alle sind überzeugt, dass eine Pause nötig ist. Krug hebt hervor, dass Odermatt durch seine Erfahrung inzwischen weniger Energie aufwenden müsse als in den Anfängen seiner Karriere. Zudem könnte ein Verzicht auf ein Rennen den Kampf um die kleinen Kugeln erschweren. "In der Abfahrt führt Marco derzeit mit 100, im Super-G mit 94 und im Riesenslalom mit 95 Punkten. Somit könnte es für ihn richtig eng werden, wenn er ein Rennen auslassen würde", erklärt der Trainer.
Die kommenden Wochen werden für den Nidwaldner eine Herausforderung. Allein bis zum Weltcup-Finale im März in Lillehammer stehen noch fünf Abfahrten, vier Super-G und drei Riesenslaloms auf dem Programm. Dazu kommen die Olympischen Winterspiele in Bormio im Februar, wo Odermatt in mehreren Disziplinen antritt. Als Nächstes stehen die prestigeträchtigen Rennen von Kitzbühel auf dem Programm.