Marco Odermatt war längst im Ziel, als Jan Zabystran mit Startnummer 29 die legendäre Saslong-Piste hinunter und plötzlich zur Bestzeit raste. Der Tscheche wirkte zunächst selbst etwas ungläubig. Er grinste, breitete die Arme aus, ließ sich von den begeisterten Zuschauern feiern und klopfte einmal auf die Werbebande.
"Es ist so wunderschön", sagte Zabystran dem ZDF. Er ist der erste männliche tschechische Skirennfahrer, der ein Weltcup-Rennen gewonnen hat. Bei den Frauen hatten bereits Sarka Zahrobska und Ester Ledecka triumphiert.
Zabystran trainiert mit den Deutschen
Zabystran fährt schon seit fast neun Jahren im Weltcup, war seitdem aber auch häufig im zweitklassigen European Cup unterwegs. Sein bislang bestes Ergebnis war der achte Platz im Super G von Kvitfjell im vergangenen März.
Der 27 Jahre alte Allrounder trainiert mit dem deutschen Team. "Ohne uns hätte er seine Karriere schon beendet oder wäre zum Skicross gegangen, glaube ich", sagte Simon Jocher. Daher freue er sich über Zabystrans Überraschungs-Coup mit.
Die Deutschen blieben wieder hinter den Erwartungen. Romed Baumann und Jocher belegten die Plätze 17 und 29 - und schafften es in die Punkte. Luis Vogt landete auf Rang 44, während Maximilian Schwarz schon beim ersten Sprung ausschied. Sieben Wochen vor der Eröffnung der Winterspiele in Italien hat noch kein deutscher Speed-Fahrer die nationale Olympia-Norm geknackt.
Der "Gröden-Effekt"
Odermatt fehlten letztlich 0,22 Sekunden zum sechsten Sieg beim neunten Weltcup-Start in dieser Saison. Im ORF erklärte er den "Gröden-Effekt": "Um dreiviertel 12 fährt man komplett im Dunkeln und eine halbe Stunde später komplett im Licht. Jeder, der diese Chance nutzt, hat es irgendwo verdient. Gratulation an Jan, aber klar fuchst es einen."
Odermatts Form - auch mit Blick auf Olympia im Februar - stimmt aber. Die erste Abfahrt in Gröden am Donnerstag hatte der viermalige Gesamtweltcupsieger und Dominator der vergangenen Jahre gewonnen, auch in der zweiten am Samstag (11.45 Uhr) ist er favorisiert.
Emotionaler Podest-Debütant
Das Super-G-Podest vom Freitag komplettierte Giovanni Franzoni (+0,37). Der 24-jährige Italiener widmete seinen ersten Podestplatz seinem im Training in Chile tödlich verunglückten Teamkollegen Matteo Franzoso. "Wir gingen als Team durch harte Zeiten. Ich weiß, er wäre stolz auf mich", sagte er mit Tränen in den Augen.
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