Lenz Hächler - angekommen auf der Birds of Prey
Beaver Creek gilt als eine der härtesten Bühnen im Weltcup-Zirkus. Umso mehr wert ist Rang 19 im Riesenslalom für Lenz Hächler. Auf der legendären Birds-of-Prey-Piste blieb der junge Schweizer ruhig, zog sein Ding durch - und wurde mit den ersten Punkten belohnt. Ein Resultat, das zeigt: Er kann auf diesem Niveau mithalten.
Der 22-Jährige gilt als grosse Schweizer Zukunftshoffnung, traut ihm doch so mancher Experte eine starke Karriere zu. Silvan Zurbriggen, Ex-Ski-Crack und Experte bei The Snow Lodge, sagte in der jüngsten Sendung gar: "Er ist für mich die Odi-Kopie 2. Rein schon, weil er das gleiche Material fährt. Für mich war sehr beeindruckend, wie ähnlich er fährt."
Trotzdem müsse man bei ihm den Ball noch etwas flach halten, schliesslich kämpfte Hächler zuletzt mit Verletzungs- und Rückenproblemen und es sei immer extrem schwierig, die Leistungen im Juniorenbereich auch bei den Grossen im Weltcup bestätigen zu können.
Die ersten Weltcuppunkte waren letztlich nur ein erster Schritt, nun gehe es für ihn darum, auch Konstanz in seine Leistungen zu kriegen. Im Europacup habe er diese im letzten Winter bereits unter Beweis gestellt, wie The-Snow-Lodge-Expertin Nadja Jnglin-Kamer richtig festgestellt hat. Die technischen Fähigkeiten von Hächler seien auf jeden Fall riesig. "Ich habe auch das Gefühl, der kann jetzt auf dem so aufbauen, dass er innert Kürze in die ersten 30 reinkommen wird und dort einen grossen Schritt machen wird." Bleibt zu hoffen, dass ihre Prognose genau so eintreffen wird.
Matthias Iten - gleich in die Top 10 gerast
Matthias Iten ist mit seinen 26 Jahren kein ganz Junger mehr und einer dieser Athleten, die man schon länger auf dem Radar hatte, aber im Weltcup noch nie richtig gesehen hat. In Val-d’Isère setzte er gleich ein Ausrufezeichen: Rang 10 im Slalom, erste Punkte, direkt ein Top-10-Ergebnis.
Was beeindruckt: Iten wirkt nie überfordert, egal wie eng die Torabstände sind. Sein Stil ist flüssig, präzise und von Selbstvertrauen geprägt. "Ich weiss, dass ich momentan gut in Form bin", wie er nach seiner Parforce-Leistung in Val d'Isère gegenüber dem SRF sagte.
Im zweiten Lauf stürmte der Slalom-Crack von Platz 30 bis auf Rang 10 nach vorne und zeigte damit eine Kostprobe seines Könnens. Dabei wusste er die optimalen Bedingungen zu nutzen. "Von sowas träumt man als kleiner Junge. Dass es so aufgegangen ist, ist wirklich cool", so Iten. Dank des zehnten Platzes ist ihm bereits die halbe Miete für eine Olympia-Teilnahme gelungen. Dafür sind zwei Top-15-Plätze oder ein Top-7-Rang die Voraussetzung.
Der Zuger deutete bereits im Europacup an, dass mit ihm in dieser Saison zu rechnen ist. Beim Europacup-Slalom von Levi eroberte er mit dem zweiten Rang seinen insgesamt vierten Podestplatz auf zweithöchster Stufe. Man darf nun sehr gespannt sein, ob Iten mit dem Rückenwind des zehnten Ranges nun auch im Weltcup so richtig durchstarten wird.
Anuk Brändli - nach der Premiere Lunte gerochen
Anuk Brändli, 22 Jahre alt, ist seit einigen Jahren auf der europäischen Rennszene unterwegs und gilt als vielversprechendes Slalom-Talent. In Gurgl gelang ihr der entscheidende Durchbruch: die erste Qualifikation für den zweiten Durchgang eines Weltcup-Slaloms, abgeschlossen mit Rang 21 und den ersten Weltcup-Punkten ihrer Karriere.
Für Brändli ist dieser Erfolg mehr als nur eine Platzierung: Er signalisiert, dass sie die Intensität und das Tempo auf höchstem Niveau über zwei Läufe halten kann - eine Hürde, an der viele junge Athletinnen zunächst scheitern. In den vergangenen Saisons zeigte sie bereits bei Europacuprennen solide Leistungen und mehrmals Top-10-Ergebnisse. Nun hat sie auch auf Weltcup-Ebene gezeigt, dass sie konkurrenzfähig ist. Brändlis Punkte sind ein Meilenstein, der ihr offenbar ganz viel Selbstvertrauen gegeben hat.
Schliesslich hat die junge Bündnerin seit ihren ersten Weltcuppunkten auch in den nachfolgenden beiden Slaloms punkten können. Während sie in Copper Mountain Platz 27 belegte, jubelte sie in Courchevel über ihr vorläufiges Karrierebestresultat im Weltcup. Dank Rang 14 hat sie sogar die halbe Olympia-Limite erfüllt und darf, wenn sie so weiterfährt, sogar von einer Olympia-Teilnahme träumen.
Sue Piller - solide Premiere und Potenzial für mehr
Sue Piller, gerade einmal 20 Jahre alt, hat sich bisher vor allem über nationale Erfolge empfohlen. In Mont-Tremblant schaffte sie erstmals den Sprung unter die besten 30 im Riesenslalom: Rang 20 bedeuteten ihre ersten Weltcup-Punkte. "In meinen Augen ist das die logische Konsequenz aus ihren Trainingsresultaten und ihrer ambitionierten Fahrweise", wie sie von SRF-Experte Didier Plaschy gelobt wurde.
„Wir haben viele Fahrerinnen mit Jahrgängen 1991, 1992 oder 1993, die in den nächsten zwei Jahren vielleicht aufhören. Piller wird uns in Zukunft viel Freude machen.“ (Didier Plaschy, SRF, 08.12.25)
Pillers Leistung war geprägt von einer stabilen, technisch sauberen Fahrt. Sie setzte auf Konstanz statt auf riskante Manöver, fuhr die Linie bedacht und sicherte sich damit einen soliden ersten Punkte-Eintrag im Weltcup. Für junge Athletinnen wie Piller sind solche Premieren entscheidend: Sie festigen die Position im Team, verbessern Startnummern und verschaffen die Möglichkeit, auf dem Weltcup-Level weiter Erfahrung zu sammeln.
Ihre bisherigen Resultate im Europacup deuteten schon länger auf Potenzial hin, und in Mont-Tremblant hat Piller gezeigt, dass sie den Schritt in den Weltcup erfolgreich umsetzen kann. Schliesslich doppelte sie im zweiten Riesenslalom an selber Stätte sogleich nach und fuhrt dank Platz 28 gleich ihre nächsten Weltcuppunkte ein. Es sind die ersten Meilensteine einer womöglich sehr vielversprechenden Karriere im Spitzensport.