Unglaublich, aber wahr: Trotz vier Siegen aus sechs Rennen und damit 445 von möglichen 600 Punkten hat Marco Odermatt nicht seinen besten Saisonstart seiner Karriere hingelegt. Ganz im Gegenteil - der Nidwaldner startete bereits dreimal mit mehr Punkten in den Weltcup als in dieser Saison. Ob Odermatt seinen selbst aufgestellten Rekord von 2'076 Punkten in einer Saison wieder knackt, bleibt daher abzuwarten. Auch wenn ihm das nicht gelingen sollte, kann er in dieser Saison dennoch weiter seinen Heldenstatus festigen und in der ewigen Ski-Rangliste weiter aufsteigen.
Weltcup-Rekorde: Nur Stenmark scheint unerreichbar
Am vergangenen Wochenende in Beaver Creek feierte Marco Odermatt seinen 48. und 49. Weltcupsieg. Obwohl für die Zuschauer Siege des 28-Jährigen längst "Business as usual" sind, hatten die beiden Erfolge für ihn selbst dennoch eine besondere Bedeutung: Bisher hatte Odermatt auf der Birds of Prey weder im Riesenslalom noch in der Abfahrt gewinnen können. Deshalb betonte er auch nach dem Rennen gegenüber SRF, wie viel ihm diese Siege bedeuten.
Der Nidwaldner kann mit diesem Erfolg im Rücken bereits am kommenden Wochenende seinen 50. Weltcupsieg feiern. Damit würde er zu keinem Geringeren als zur Legende Alberto Tomba aufschliessen. An der Spitze der ewigen Bestenliste steht jedoch weiterhin Ingemar Stenmark. Die vom Schweden aufgestellte Marke von 86 Weltcupsiegen dürfte selbst für Odermatt schwierig zu erreichen sein. Der amtierende Super-G-Weltmeister müsste auch in den kommenden fünf Saisons jeweils acht Siege einfahren, um den als "ewig" geltenden Rekord zu brechen. Ob das realistisch ist, bleibt abzuwarten.
Auch in der Liste der meisten Siege im Riesenslalom liegt ihm der Schwede aktuell noch voran. In seiner Paradedisziplin kommt Marco Odermatt bisher auf 28 Siege. Marcel Hirscher, der Dominator der 2010er-Jahre, liegt mit 31 Erfolgen auf Rang zwei der ewigen Bestenliste. Diese Marke könnte Odermatt bereits in dieser Saison übertreffen. Auch bei den meisten Podestplätzen im Herren-Weltcup hat der 28-Jährige die Spitzenplätze im Visier. Der ehemalige SRF-Kommentator Marc Girardelli liegt aktuell mit 100 Podestplätzen an dritter Stelle. Odermatt fehlen auf diese Marke nur noch acht Podestplätze - eine Marke, die in der aktuellen Form des Nidwaldners in dieser Saison erreichbar scheint.
Es scheint derzeit, dass die Frage, ob Odermatt auf der ewigen Liste der erfolgreichsten Skifahrer weiter vorrückt, stark davon abhängt, wie sehr er Lust auf Rekorde hat. Schon vor der Saison machte er deutlich, dass er sich nicht ausschliesslich von Bestmarken und Zahlen treiben lassen möchte. Vielmehr steht für ihn die Freude am Skifahren im Vordergrund.
In dieser Saison winkt die Vervollständigung des Palmarès
Das Palmarès von Marco Odermatt weist aktuell vor allem in der Abfahrt noch kleine Lücken auf, die er in dieser Saison gezielt schliessen kann. In den Speed-Disziplinen hat er die Chance, seinen Trophäenschrank weiter zu komplettieren. Die Olympischen Spiele im Februar bilden dabei das grosse Saisonhighlight. In Peking 2022 konnte Odermatt lediglich im Riesenslalom Gold gewinnen, in der Abfahrt und im Super-G blieb ihm der Podestplatz verwehrt.
Gleichzeitig dürfte Odermatts Fokus in dieser Saison auch auf den Rennen in Kitzbühel liegen. In der Vorsaison gewann er dort den Super-G, der Sieg in der legendären Abfahrt auf der Streif fehlt ihm jedoch noch. Wenn es ihm gelingt, in dieser Saison sowohl in Kitzbühel als auch bei den Olympischen Spielen Gold zu holen - sei es im Abfahrts- oder Super-G-Rennen - würde er bereits vor seinem 30. Geburtstag sein Ski-Palmarès komplettieren.