Diese Serie von Unfällen hat laut der ehemaligen Skifahrerin und heutigen ORF-Expertin Nicole Hosp spürbare Auswirkungen auf Holdeners Leistungen. "Bei Wendy sieht alles noch etwas grob aus. Es geht ihr noch nicht leicht von der Hand. Die Leichtigkeit fehlt", analysiert die ehemalige Weltmeisterin im Gespräch mit Blick. Hosp vermutet, dass neben den Verletzungen auch die Materialabstimmung und die aggressive Schneebeschaffenheit eine Rolle spielen könnten. Ausserdem könnten die bisherigen Ausfälle im Schweizer Frauenteam an ihr nagen. "Jener von Gisin, mit der sie fast ihre ganze Karriere bestritt, nagt sicher an ihr."
Trotz der Rückschläge zeigt Holdener bemerkenswerte Willenskraft. In Courchevel absolvierte sie trotz Schmerzen in Nacken, Schultern und Knie den zweiten Lauf und verbesserte sich sogar um einen Rang auf Platz 7. "Das ist schon grandios", lobt Hosp das Durchhaltevermögen der Schwyzerin.
Die Slalom-Kristallkugel scheint für Holdener in dieser Saison bereits ausser Reichweite. Nach vier von zehn Slaloms liegt sie 232 Punkte hinter der dominierenden Mikaela Shiffrin aus den USA. Dennoch bleibt Hosp für die Olympischen Spiele in Cortina im Februar optimistisch: "Wendy hat an Grossanlässen schon so viele Medaillen gewonnen - das kann nur gut gehen. Ich traue ihr alles zu."
Hosp, die früher selbst gegen Holdener antrat, erinnert sich an deren Anfänge: "Sie wusste schon in jungen Jahren genau, was sie will. Wendy hat sich an den Besten orientiert, aber trotzdem ihr eigenes Ding durchgezogen. Ich war und bin beeindruckt, mit wie viel Freude und Begeisterung sie bis heute dabei ist."
Der nächste Slalom am Semmering kurz vor Silvester könnte für Holdener eine Chance zur Wende bieten. Hosp bleibt zuversichtlich: "Wendy ist eine tolle Fahrerin. Ich traue es ihr absolut zu, dass sie dann wieder vorne reinfährt."