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Knapp gescheitert bis historisch schlecht: Die DSV-Bilanz seit Hannawalds Tournee-Sieg

kicker

Sven Hannawald gelang einst Unglaubliches. Alle vier Stationen der 50. Vierschanzentournee gewann "Hanni" in seinem silbernen Anzug und holte sich als erster Springer mit vier Einzelerfolgen den Gesamtsieg. Seitdem wartet der DSV auf einen weiteren Erfolg.

Ganz nah dran war Hannawald selbst im Dezember 2002. Der damals 28-Jährige gewann in Oberstdorf nämlich auch sein fünftes Tournee-Springen in Folge, blieb dann aber beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen mit einem zwölften Platz weit hinter den Erwartungen zurück und verlor 20,5 Punkte auf den späteren Gesamtsieger Janne Ahonen. Ein vierter Platz in Innsbruck und ein zweiter (nur 0,7 Punkte hinter Tagessieger Björn Einar Romören) in Bischofshofen konnten das Auslassen nicht mehr wettmachen, Hannawald wurde aber immerhin noch Zweiter - mit nahezu dem Rückstand, den er sich in Garmisch eingebrockt hatte (23,6).

2008: Neumayer profitiert und überrascht

In den folgenden Jahren war ein Podestplatz für DSV-Springer in der Gesamtwertung meist außer Reichweite, die einzigen Lichtblicke waren zwei dritte Plätze von Georg Späth in Garmisch-Partenkirchen (2004, 2005). Erst 2007/08 sollte Michael Neumayer wieder für ein Erfolgserlebnis sorgen. Der gebürtige Bad Reichenhaller ließ dabei nach einem siebten Platz beim Auftaktspringen mit einem dritten beim Neujahrsspringen bereits aufhorchen. Weil in Innsbruck am Bergisel zu viel Wind herrschte, fanden die Einzelwettbewerbe drei und vier jeweils in Bischofshofen statt.

Nach einem siebten Rang im ersten Wettkampf landete Neumayer beim zweiten nur auf Platz zehn. Weil das Springen auf der Paul-Außerleitner-Schanze allerdings trotz schlechter Witterungsbedingungen im ersten Durchgang von der Jury weitergeführt wurde, fielen mehrere gut platzierte Athleten (wie Gregor Schlierenzauer, Simon Ammann oder Tom Hilde) weit zurück und machten den Weg auf den dritten Gesamtrang für Neumayer frei. Der Abstand auf Ahonen, der mit seinem fünften Tournee-Sieg seitdem alleiniger Rekordsieger (vor Jens Weißflog, vier Erfolge) ist, betrug aber schon 90,9 Punkte.

Die nächste Durststrecke dauert bis 2015

Nach dem durchaus überraschenden Erfolg Neumayers konnten die DSV-Adler aber erneut nicht an die guten Leistungen anknüpfen. Zwar gelangen Martin Schmitt (2009 in Innsbruck) sowie Severin Freund (2012 in Oberstdorf) dritte Plätze, Richard Freitag gewann 2015 sogar am Bergisel in Innsbruck, doch in den Kampf um den Tournee-Sieg konnte kein deutscher Springer ernsthaft eingreifen. Das sollte sich erst im Dezember 2015 ändern.

Freunds Zweikampf mit Prevc - Freitag im Pech

Zu Beginn der 64. Vierschanzentournee setzte Freund mit seinem Auftaktsieg in Oberstdorf gleich mal ein Ausrufezeichen. Peter Prevc, der als Führender des Gesamtweltcups angereist war und hinter dem Deutschen auf Rang drei einkam, schlug aber postwendend zurück. Der Slowene gewann die folgenden drei Springen, Freund wurde Dritter (Garmisch-Partenkirchen) und zweimal Zweiter (Innsbruck und Bischofshofen). Am Ende landete er auf dem zweiten Gesamtrang und sorgte damit für das beste DSV-Abschneiden seit Hannawald 2003.

Die folgende Tournee verlief für Freund und das gesamte Team enttäuschend. 2017/18 sprang dann mit Freitag ein deutscher DSV-Adler beim Auftakt- und beim Neujahrsspringen hinter dem jeweils siegreichen Kamil Stoch auf den zweiten Tagesrang. Am Bergisel, wo Freitag zuvor bereits gewonnen hatte (2015), stürzte der Erlabrunner aber im ersten Durchgang, die Tournee war für ihn beendet. Teamkollege Wellinger übernahm (zwei dritte Plätze in Innsbruck und Bischofshofen) und kam in der Endabrechnung hinter Gesamtsieger Stoch, der wie Hannawald alle Springen gewann, auf den zweiten Rang.

Doppel-Podest 2019

Auch bei der nächsten Tournee spielten die deutschen Springer wieder eine gute Rolle. Markus Eisenbichler ließ nach zwei zweiten Plätzen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen eine bessere Gesamtplatzierung mit einem 13. Rang in Innsbruck liegen. Trotzdem wurde der Siegsdorfer in der Endabrechnung Zweiter, Stephan Leyhe erreichte einen starken dritten Platz. Nicht zu schlagen war Ryoyu Kobayashi, der den Hannawald machte und wie im Jahr zuvor Stoch mit vier Einzelsiegen dominierte.

Geigers erste Durchgänge in Innsbruck kosten bessere Platzierungen

Bei der 68. Vierschanzentournee hätte es dann fast für den ersten deutschen Erfolg seit 2002 gereicht, wäre da nicht der erste Durchgang am Bergisel gewesen. Geiger hatte sich mit zwei zweiten Plätzen (hinter Kobayashi und Marius Lindvik) in Stellung gebracht, kam dann im ersten Versuch in Innsbruck allerdings nicht über 117,5 Meter hinaus. Zwar gelang ihm in Durchgang zwei eine Steigerung, Geiger verlor aber auf den Tageszweiten Dawid Kubacki (hinter Lindvik) 15,5 Punkte. Im abschließenden Wettkampf in Bischofshofen sprang Geiger auf Rang zwei, hinter Kubacki, der sich am Ende den Tournee-Sieg holte. Geiger wurde mit 23,2 Punkten Rückstand auf Kubacki hinter Lindvik Dritter.

In der nächsten Saison griff Geiger gleich wieder an und gewann sein Heimspringen in Oberstdorf. Nach einem fünften Rang beim Neujahrsspringen war es dann erneut die Bergiselschanze, die eine bessere Platzierung verhinderte. Geiger verpatzte wieder den ersten Durchgang und verlor satte 27,4 Punkte auf Tagessieger Stoch. Durch einen abschließenden dritten Rang in Bischofshofen schob sich Geiger aber immerhin noch auf den zweiten Gesamtplatz (1062,5). Hinter Stoch (1110,6), der seinen dritten Tournee-Sieg bejubelte.

Geiger scheitert erneut - Historisch schlecht

Im Dezember 2021 reiste Geiger als Gesamtführender zur Tournee. Die 70. Austragung verlief dann aber durchwachsen. Ein fünfter, ein siebter, ein vierter und ein dritter Rang bedeuteten in der Endabrechnung nur Platz vier - vor Eisenbichler, der sich in Garmisch-Partenkirchen dem späteren Gesamtsieger Kobayashi nur um 0,2 Punkte hatte geschlagen geben müssen.

Ein Jahr später wurde es sogar historisch schlecht. Beim Gesamtsieg von Halvor Egner Granerud enttäuschten die deutschen Springer, Wellinger (Rang elf) war noch der beste. Das schlechteste Abschneiden seit 1994/95.

Wellinger und Paschke brechen ein

In den vergangenen beiden Jahren standen die Vorzeichen vor der 72. und der 73. Vierschanzentournee für die DSV-Adler hervorragend. Wellinger reiste im Dezember 2023 als Gesamtweltcupzweiter nach Oberstdorf, gewann das Auftaktspringen und wurde Dritter in Garmisch. Dann wurde Innsbruck mal wieder zum Schicksalsberg, denn dort verlor Wellinger als Fünfter die Gesamtführung an Kobayashi. Der Japaner verteidigte als Zweiter in Bischofshofen seinen Vorsprung und holte seine dritte Tournee - ohne ein Einzelspringen gewonnen zu haben. Für Wellinger reichte es nach einem weiteren fünften Rang in der Endabrechnung aber immerhin noch für den zweiten Platz.

Gar als Gesamtführender startete Pius Paschke ein Jahr später in die Tournee. Fünf Weltcupsiege im November und Dezember hatten die Hoffnungen auf den ersten Tournee-Sieg seit Hannawald wachsen lassen, bei der Generalprobe in Engelberg schwächelte der damals 34-Jährige aber mit einem zehnten und einem 18. Platz bereits. Die Form war verloren, die Springen wurden wieder einmal von Österreichern dominiert. Den Gesamtsieg holte sich Daniel Tschofenig, vor Jan Hörl und Stefan Kraft - Paschke wurde Sechster.

Hoffnungen ruhen auf Raimund

Vor der 74. Austragung sind die DSV-Adler diesmal nicht so nah an der Weltspitze. Ausgerechnet die Top-Springer Wellinger und Geiger hadern mit der Form, Philipp Raimund ist als Gesamtweltcup-Vierter mit insgesamt vier Podestplätzen in dieser Saison immerhin ein Hoffnungsträger und auch Felix Hoffmann (Sechster) landete schon dreimal auf dem Stockerl - zuletzt zweimal bei der Generalprobe in Engelberg. Beide sind aber noch ohne Weltcup-Sieg.

Allerdings zeigt die Tournee immer wieder, dass sie ihre eigenen Gesetze hat und auch die ein oder andere Überraschung bringen kann. Man denke nur an den Erfolg von Thomas Diethart 2014 zurück. Der Überraschungssieger aus Österreich gewann in seiner Karriere genau zwei Weltcup-Springen, diese allerdings in Garmisch-Partenkirchen und Bischofshofen auf der Tournee.