Aus Barcelona berichtet Markus Löser
Sie haben ihren Ruf als Angstgegnerinnen bestätigt - und wie! Die an Nummer drei gesetzten Claudia Fernandez/Beatriz Gonzalez (Spanien) bezwangen im Finale der Premier Padel Finals in Barcelona erneut die als Topfavoriten gehandelten Gemma Triay (Spanien) und Delfina Brea (Argentinien). Nach 2:10 Stunden hieß es im erneut mit über 15.000 Zuschauern ausverkauften Palau Sant Jordi 6:4, 0:6, 6:3.
Für Fernandez/Gonzalez war der Erfolg, versüßt mit jeweils 52.500 Euro, gleichbedeutend mit einem Hattrick gegen die Weltranglistenersten. Bereits bei den vergangenen beiden Turnieren in Dubai und in Acapulco gaben sie ihren Kontrahentinnen laut Aussage der Geschlagenen "nicht ganz so überraschend" das Nachsehen. In beiden Fällen sogar in nur zwei Sätzen. So nahezu ausgeglichen der Auftakt verlief, so klar übernahmen Triay/Brea das Zepter im zweiten Durchgang, für den sie lediglich 30 Minuten benötigten.
Plötzlich steigt der Druck ins Unermessliche
Vor dem entscheidenden Satz beantragte Gonzalez eine verletzungsbedingte Auszeit. "Ich war völlig fertig, total gestresst nach einer intensiven Woche; auch aufgrund des Todes meines Großvaters", räumte sie ein. Anmerken ließ sie sich ihre Probleme in der Folge nicht weiter. "Ein paar Tränen haben den Druck von mir genommen." Spätestens beim Stand von 2:2 war klar: Sie und ihre Partnerin lassen sich von nichts aus der Bahn werfen.
Break zum 3:2 - von dem sich ihre Rivalinnen nicht mehr erholen sollten. Ein Schicksal, das im Halbfinale schon den an zwei gesetzten Paula Josemaria/Ari Sanchez beim 6:4, 6:2 widerfahren war. Gonzalez/Fernandez könnten sich nach ihrem Hattrick jetzt als heimliche Nummer 1 am Jahresende fühlen, oder? Lautes Lachen - und ein verlegen wirkendes: "Nein!"
Barca-Stars sehen wahren Padel-Krimi
Als hätte es nicht schon genug Drama bei den Frauen gegeben - Agustin Tapia (ARG)/Arturo Coello (ESP/1) setzen im Duell mit Alejandro Galan (ESP)/Federico Chingotto (ARG/2) sogar noch einen obendrauf. Auch die Fußball-Profis des FC Barcelona kamen aus dem Staunen nicht heraus. Die vormaligen Bundesligaspieler Robert Lewandowski (BVB, FC Bayern), Dani Olmo (Leipzig), ihre Kollegen Pedri, Ferran Torres und Eric Garcia sowie die Vereinsikonen Andres Iniesta und Carles Puyol bekamen Padel-Sport der Extraklasse geboten.
Unfassbare Schmetterbälle, gefühlvolle Stopps, abgewehrte Breakbälle, (beinahe fahrlässig) liegengelassene Matchpoints - und ein beachtenswertes Fair Play der Spieler, die den Stuhlschiedsrichter mehrmals zugunsten ihrer Gegner korrigierten. Letztlich hätte dieses 6:7 (4), 6:3, 7:6 (4) aus Sicht von Tapia/Coello keinen Sieger verdient gehabt. Doch Unentschieden gibt es - anders als im Fußball - eben nicht, wenn man den 20x10 Meter großen Court verlässt. Innerhalb der 2:53 Stunden sah man so viele Highlights wie wohl nicht einmal in einer kompletten Champions-League-Saison der Fußballer.
Schlusswort Coello nach vier Tagen Premier Padel Finals in Barcelona: "Eigentlich hat es keiner von uns vier heute im Finale verdient, als Verlierer vom Platz zu gehen. Wir haben alle einen unglaublichen Job abgeliefert."