Highlight: Das ESAF in Mollis
Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest im Glarnerland war ein voller Erfolg. Die Rahmenbedingungen passten, der Sport war packend und das Zuschaueraufkommen immens. Die Organisatoren haben eine herausragende Arbeit geleistet, die am Ende auch mit einem positiven Geschäftsergebnis belohnt worden ist.
Sportlich gesehen hat uns das ESAF zahlreiche herausragende Kämpfe geliefert. Das Duell um den Titel des Schwingerkönigs war in diesem Jahr sogar ein Triell. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde ein König gekrönt, der nicht einmal im Schlussgang stand. Armon Orlik sicherte sich den Königstitel mit einem Sieg über Pirmin Reichmuth im letzten Gang und profitierte dabei von einem Gestellten zwischen Werner Schlegel und Samuel Giger.
Highlight: 17 neue Eidgenossen
Während bei den Nordostschweizern vor allem die Spitzenschwinger überzeugten, konnte der Verband nur zwei neue Eidgenossen stellen. Dafür konnten sich zahlreiche junge Schwinger aus der restlichen Schweiz den Status als Eidgenosse sichern. Besonders angewachsen ist die Zahl der Eidgenossen bei den Innerschweizern. Mit Lukas Bissig, Sven Lang, Marc Lustenberger, Marco Reichmuth, Dominik Zangger und Silvan Appert haben sich gleich sechs Schwinger aus dem ISV zum ersten Mal eidgenössisches Eichenlaub sichern können.
Highlight: Moser erfährt unter der Dusche von seinem Sieg
Nach 14 Minuten endet der Schlussgang am Nordostschweizer Schwingfest zwischen Werner Schlegel und Armon Orlik gestellt. Damit gewinnt Schlegel das Fest zusammen mit Damian Ott und Michael Moser. Der Berner Gast hatte gar nicht mehr damit gerechnet, das Schwingfest noch gewinnen zu können. Unter der Dusche erfährt Moser von seinem Festsieg.
Es ist ein Highlight-Moment, der exemplarisch für die Saison des jungen Berners steht. Der 20-Jährige hat den Sprung unter die besten Schwinger des Landes geschafft. Unter anderem stand Moser beim Schwarzsee-Schwinget im Schlussgang und triumphierte sogar beim Berner Kantonalen. Am Eidgenössischen wurde dem Berner zum Auftakt König Joel Wicki vorgesetzt. Zwar verlor Moser den Gang, steigerte sich im Verlauf des Festes aber deutlich und schloss es auf dem hervorragenden dritten Rang ab. Damit zählt auch Moser zu den neuen Eidgenossen.
Highlight: Mentales Duell zwischen Schlegel und Lüscher
Ebenfalls am Nordostschweizer Schwingfest kam es vor dem Kampf zwischen Werner Schlegel und Sinisha Lüscher zu einem ungewöhnlichen Stand-off. Beide Schwinger wollten den Ring nicht als Erstes betreten. Später hat Lüscher im Interview mit uns darüber gesprochen: "Ich wäre nicht in den Ring gelaufen. Es ging mir nicht viel durch den Kopf. Ich wollte unbedingt gewinnen. Ich war geladen, er aber auch. Wir begannen sofort zu fighten. Es war zwar ein kurzer Kampf, aber ein total intensiver." Am Ende hat das Duell Werner Schlegel für sich entscheiden können, für Sinisha Lüscher ging es immerhin mit einem Kranz nach Hause.
Highlight: Junge Nordwestschweizer überzeugen
Jahrelang standen die Nordwestschweizer im Schatten der anderen grossen Verbände. In den nächsten Jahren könnte sich das Blatt wenden, denn im letzten Jahr hat die vielversprechende junge Garde des NWSV den nächsten Schritt machen können. Sinisha Lüscher und Marius Frank konnten mit ihren Leistungen besonders beeindrucken und am Aargauer Kantonalschwingfest gemeinsam ihren ersten Kranzfestsieg feiern.
Es überraschte daher in Mollis niemanden, dass sich Lüscher und Frank einen Kranz am ESAF sicherten. Dazu haben die Nordwestschweizer mit dem 21-jährigen Tim Roth noch ein weiteres Talent in den eigenen Reihen. In Zukunft ist dieser Verband also in der Spitze deutlich breiter aufgestellt.
Highlight: Stucki kehrt noch einmal ins Sägemehl zurück
Zum Abschluss der Karriere von Florian Gnägi ist König Christian Stucki noch einmal ins Sägemehl zurückgekehrt. Am Kemmeriboden-Schwinget trat Stucki im weissen Turner-Tenue an, um seinen langjährigen Weggefährten zu ehren. Am Ende des Tages sicherte sich Fritz Ramseier den Sieg. Auch er bestritt sein letztes Fest, eine Woche zuvor war er am ESAF der Überraschungsmann. Nach vier Siegen am ersten Tag konnte Ramseier am Sonntag seinen ersten eidgenössischen Kranz gewinnen.
„Hätte ich viermal verloren, wäre es mir auch egal gewesen.“ (Christian Stucki über sein Mini-Comeback)
Bei seinem Comeback stellte sich Christian Stucki noch immer gut an. Mit drei Siegen, zwei Gestellten und einer Niederlage konnte Stucki die Heimreise wieder antreten, doch das Resultat stand ohnehin nicht im Vordergrund: "Im Vorfeld habe ich nicht trainiert, ich wusste, gegen die ganz Grossen habe ich keine Chance mehr. Das Resultat ist trotzdem zufriedenstellend, aber der Rang und die Leistung waren nebensächlich. Hätte ich viermal verloren, wäre es mir auch egal gewesen." Am Ende sei er froh gewesen, wieder gesund die Heimreise antreten zu können.
Lowlight: Viele Diskussionen um Fehlentscheide
Schon während der Kranzfestsaison gaben einige Entscheidungen Anlass zu Diskussionen. Am Sonntag des Eidgenössischen gipfelte die Diskussion rund um die Kampfrichter jedoch. Es wurde ein klares Resultat für Joel Wicki nicht gegeben, dazu hatte Curdin Orlik beim Sieg gegen Werner Schlegel keinen Griff. Zudem wurde später Fabian Staudenmann die Maximalnote gegen Domenic Schneider verwehrt. Das sind allesamt Entscheidungen, die den Ausgang des Festes hätten verändern können. Am Ende ist es schade, dass viel über solche Themen diskutiert werden musste und nicht nur die königliche Leistung von Armon Orlik im Vordergrund stand.
Lowlight: Viele Verletzungen rund um das Eidgenössische
Bei einem Kampfsport ist das Verletzungsrisiko naturgemäss hoch, trotzdem ist es immer wieder bitter, wenn sich Athleten schwer verletzen. Rund um das ESAF in Mollis hatte es gleich einige Schwinger erwischt. So musste sich Samir Leuppi jüngst zum zweiten Mal an der Schulter operieren lassen und auch der junge Berner Fabian Stucki hat beim Saisonhighlight aufgeben müssen. Auf dem Weg zu seinem ersten eidgenössischen Kranz zog er sich einen Kreuzband- und Meniskusriss zu.
Positiv ging die Geschichte mit einer Verletzung am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest für Pirmin Reichmuth aus. Er zog sich zwar am ersten Tag eine Knieverletzung zu, dachte ans Aufgeben, kämpfte sich jedoch durch den zweiten Tag. Am Ende konnte der Innerschweizer von seinem letzten Schwingfest mit einem eidgenössischen Kranz nach Hause reisen.