Aus Barcelona berichtet Markus Löser
Parallel zu den Premier Padel Finals der Top-Stars gab in Barcelona auch der (deutsche) Nachwuchs seine Visitenkarte ab. Das sogenannte Gamechangers-Programm macht sich für die Förderung der "nächsten Padel-Generation" stark. Nach einer nationalen Vorauswahl im September ließ Milla Blaschke auch in der katalanischen Metropole ihr Können aufblitzen.
„Ich habe das Gefühl, dass ich mich in Barcelona weiter verbessert habe.“ (Milla Blaschke, Nummer 4 der deutschen Rangliste)
Verdienter Lohn für die 18-Jährige aus dem ostwestfälischen Lübbecke, die im Sommer ihr Abitur erfolgreich gebaut hat: ein Fahrzeug aus der Flotte der spanischen Automarke Cupra für ein Jahr, wichtiger für die weitere Karriere ist jedoch ein Stipendium über 10.000 Euro. Damit werden Kosten für Reisen zu internationalen Turnieren, Unterkunft und die Teilnahme an hochqualifizierten Maßnahmen mit vorzugsweise spanischen Top-Trainern in der MM Academy in Madrid finanziert. Und: Zwei Wildcards für FIP-Turniere gibt es obendrauf.
"Ich freue mich riesig", strahlt Blaschke über das ganze Gesicht. Und: "Ich habe das Gefühl, dass ich mich in den vier Tagen in Barcelona weiter verbessert habe." Allein am vergangenen Freitag stand sie insgesamt sieben Stunden im Court: 180 Minuten Training, der Rest waren Wettkampfspiele mit verschiedenen, internationalen Partnerinnen. "Hinterher war ich so fertig, dass ich sogar eine Banane gegessen habe" - obwohl sie diese Frucht so sehr verabscheut wie erfolgreiche Breakbälle ihrer Gegnerinnen.
Doch weniger die nackten Ergebnisse auf dem Court, vielmehr die Einschätzung einer mehrköpfigen Jury bescherten Blaschke unter der Auswahlformel "2 aus 14" das Stipendium. Einhelliges Urteil, nachdem Blaschke das komplette Padel-ABC zum Besten gegeben hatte: außerordentliches Talent gepaart mit starker Technik, große Willensstärke, herausragendes Potenzial. All dies hat sie aktuell auf Platz 4 der deutschen Rangliste geführt. "Mein Ziel ist, die Nummer 1 zu werden - und irgendwann mal in die Top 100 der Welt vorzustoßen", formuliert Blaschke ihre Zukunftspläne selbstbewusst.
Um die Chancen zum Gelingen beider Vorhaben zu erhöhen, wird sie ab Januar ihren Wohnsitz nach Mallorca verlegen. Zusammen mit Bundestrainer Ari Moya und ihrer Partnerin Celina Ermann (24/Padelcity Fürth), Neunte im deutschen Ranking, wird die Fit Point Academy in der Nähe von Palma de Mallorca ihr neuer Lebens- und Trainingsmittelpunkt. Nachdem Blaschke/Ermann bei einem FIP-Bronze-Turnier in Belgien ihre ersten fünf Weltranglistenpunkte einheimsen konnten, steht kurz nach dem Jahreswechsel ein Wettkampf derselben Kategorie auf Mallorca an.
„Für den deutschen Padel-Sport ist das ein echtes Ausrufezeichen.“ (Steffi Steible, Geschäftsführerin Deutscher Padel Verband)
"Dass Milla sich bei den Gamechangers eines der Cupra-Stipendien erspielt hat, ist einfach stark", freut sich auch Steffi Steible, Geschäftsführerin des Deutschen Padel Verband. "Sie hat es verdient, ist beständig ihren Weg gegangen mit Mut und Leidenschaft auf dem Platz. Für sie ist das ein riesiger Schritt, für den deutschen Padel-Sport ein echtes Ausrufezeichen - wir werden ihren Weg weiter begleiten."
Auch Ermann war in Barcelona bei den Gamechangers, fiel allerdings durch. Jedoch nicht wegen schlechter Leistungen, im Gegenteil: Die Jury hatte auch sie auf für einen Platz weiter oben dem Zettel. Handicap: "Leider bin ich halt schon etwas älter", nahm es die Nationalspieler mit Humor, die letztlich unter der Rubrik "außer Konkurrenz" ihr Können zeigen durfte. "Die tolle Erfahrung, hier dabei gewesen zu sein, kann mir aber keiner nehmen." Gleiches gilt für Jan Janzer.
Der 17-Jährige vom TC Barrier aus Syke war einer von 16 Junioren, schaffte es aber nicht bis unter die Top 4. Kein Beinbruch, schließlich haben jetzt auch die Spanier weitere Eindrücke gewonnen, dass es aus Padel-Deutschland in Sachen Nachwuchsförderung sehr viele positive Signale gibt. Die internationalen Beobachter machten sich entsprechend viele Notizen mit der Zusage, intensiv Kontakt zu halten.
Weihnachten bei den Eltern, Spanisch büffeln am Handy
Blaschke ihrerseits wird jetzt noch Weihnachten bei ihren Eltern verbringen, parallel fleißig Spanisch büffeln - mit einer App auf ihrem Handy. "Nur mit Englisch komme ich nicht weiter. Spanisch ist eben nun mal die einzige Padelsprache", sagt sie mit einem Lächeln. Neben ihrem Aufenthalt auf Mallorca stehen regelmäßig auch Heimatbesuche in ihrem Terminkalender. Gegen mögliches Heimweh, und "um an einigen nationalen Turnieren in den Kategorien 750 bis 1500 teilzunehmen". Ein Weg, von dem auch andere deutsche Talente profitieren könnten.