Eine Kolumne von Daniel DuhrEs gibt Dinge, die ändern sich nie im Handball: Der Ball klebt, Andi Wolff hält mit dem Fuß einen Ball über Kopfhöhe und am Ende der Saison fahren die Spieler in den Urlaub. Oder sagen wir besser: fuhren. Denn laut HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann gilt jetzt offenbar ein neues Credo: Wer Urlaub macht, ist selbst schuld.Was war passiert? Das Wiederholungsspiel zwischen TuSEM Essen und dem Dessau-Roßlauer HV in der 2. Liga muss bis zum 30. Juni über die Bühne gehen. Blöd nur: Einige Spieler sind gerade bei der U21-WM in Polen, andere schon im einzigen Familienurlaub des Jahres. Die Reaktion der Liga: Pech gehabt.
Wann soll man denn sonst Urlaub machen?
Das irritiert ein wenig, um es vorsichtig auszudrücken. Schließlich wählen die Spieler ja nicht ohne Grund diesen Zeitraum für ein paar wohlverdiente Sonnentage. Im Handball, wo der Kalender ungefähr so eng gestrickt ist, wie manch ein Kreisläufer-Trikot, muss man sich wirklich fragen: Wann, wenn nicht jetzt, sollen Handballer denn dann mal durchschnaufen?
Oder sollen sich die Spieler ihre Zwei-Minuten-Strafen aus der Saison auf ihre Urlaubszeit anrechnen lassen, reichen diese vielleicht zum Durchschnaufen und Auftanken?
Auf Abruf auf der Couch?
Zwischen letzter Partie und Vorbereitungsbeginn liegen oft keine vier Wochen. Sollen die Profis - wir erinnern uns an die mit der Regelmäßigkeit der Gezeiten wiederkehrende Diskussion zu Belastung, Überlastung und Regenerationszeiten - jetzt auch noch abrufbereit auf der Couch oder am besten gleich in der Halle sitzen bleiben, falls ein Spiel wiederholt werden muss? Wohl kaum.
Bleibt nur ein Profi-Tipp zum Schluss: Alle, die jetzt Angst haben, nach dem vermuteten Saisonende in ihrer Sommerpause zu verreisen, sollten es einfach machen wie die Rhein-Neckar Löwen - und den Mallorca-Trip vor Saisonende einbauen. Clever. Mit der Kritik, die dann kommt, kann man wenigstens planen. Und da würde ein "Selbst schuld!" auch nur so seichte Wellen schlagen, wie das Mittelmeer an der Playa de Palma im Juni.
In Zweite Welle schreibt Bestseller-Autor Daniel Duhr regelmäßig über aktuelle Handballthemen auf und neben der Platte. Und lädt Euch damit zur Diskussion ein. Welchen Standpunkt vertretet Ihr? Wir freuen uns auf Eure Meinungen!