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Jerry Jones tradet Parsons: Die Reaktion eines kleinen Kindes

kicker

Wenn Egoismen Entscheidungen prägen, ist das fast immer eine sichere Formel für eine schlechtere Entscheidung. Denn Emotionen und persönliche Befindlichkeiten nehmen dann die entscheidende Rolle ein und lassen konstruktive, sinnvolle Lösungen häufig nicht mehr zu.

Das gilt für fast alle Bereiche des Lebens. Selten aber ist es so prominent sichtbar, wie wenn der Besitzer der wertvollsten Sport-Franchise der Welt diesen Fehler begeht. Und nicht nur das, sondern wenn er mit jeder Aussage unterstreicht, wie sehr er aus der Zeit gefallen ist. Und wie er reagiert, wenn die Dinge nicht auf seine Art gemacht werden.

Jerry Jones hat mit dem Trade von Micah Parsons eines klargemacht: Sein Ego ist die Nummer-1-Priorität bei allen gewichtigen Entscheidungen rund um die Cowboys.

Jones hat sich über die letzten Monate mehrfach auf direkte Gespräche mit Parsons berufen. Gespräche, bei denen man einen "Handshake Deal" ausgearbeitet habe, die für ihn die Grundlage waren, weshalb er auch gar nicht in größere Gespräche mit einem Berater starten wollte.

Aus Parsons’ Perspektive waren es generelle Unterhaltungen zwischen einem Teambesitzer und seinem Superstar, die Jones gezielt in die Richtung einer Konversation über Parsons neuen Vertrag schob. Ohne dass Parsons Berater am Tisch gesessen hätte.

Wenn man das Jones neutral auslegen will, könnte man sagen, dass er damit völlig aus der Zeit gefallen ist. So etwas mag vor 30 Jahren funktioniert haben, dass ein Superstar wie Parsons in der Prime seiner Karriere seinen großen Vertrag ohne einen Berater aushandeln würde, ist ein absurder Gedanke. Ganz zu schweigen davon, dass der angebotene Vertrag ganz offensichtlich klar unter Marktwert war. Jones wollte es auf "seine Art" machen und ist damit gnadenlos gescheitert.

Cowboys geben Parsons harsche Absage

Denn definitiv negativ muss man Jones alles danach auslegen. Es war schnell klar, dass Parsons diese Art der Vertragsgespräche nicht weiterführen wird. Jones wich von seinem Weg nicht ab. Mehr noch, er wählte kontinuierlich neue Eskalationsstufen mit seinen Aussagen in der Öffentlichkeit.

Im April etwa hatte Jones behauptet, er kenne Parsons Berater nicht. Parsons Berater ist David Mulugheta, der vielleicht mächtigste und einflussreichste Spielerberater in der NFL. Einer seiner Klienten ist übrigens George Pickens, den die Cowboys in dieser Offseason via Trade geholt haben.

Als Parsons noch in dieser Woche, nachdem die Trade-Gerüchte lauter wurden, mit seinem Berater die Cowboys nochmals kontaktierte und offen über einen neuen Vertrag sprechen wollte, lautete die Antwort: "Spiel auf der Fifth Year Option, oder geh." So hat es Parsons gegenüber Jane Slater vom NFL Network erzählt.

Das ist weder die Verhandlungstaktik noch die Reaktion eines cleveren Verhandlungsstrategen. Das ist die Reaktion eines kleinen Kindes, das an der Kasse keine Süßigkeit bekommen hat.

Jones macht klar: Sein Ego ist Priorität Nummer 1

Dieses Bild lässt sich weitermalen, wenn man Jones’ Aussagen von der Pressekonferenz nach dem Trade betrachtet. Jones sprach darüber, dass er es respektiert habe, dass Parsons den Vertrag nicht auf die Art und Weise angehen wollte, wie er es wollte. Ein "kann ich ja nichts dafür" schwingt hier überdeutlich mit.

Dabei hätte Jones jederzeit selbst die Dinge ändern können. Noch diese Woche wäre es möglich gewesen. Dafür aber hätte man über seinen Schatten springen müssen, und das, das hat diese ganze Situation gezeigt, kommt für Jerry Jones nicht in Frage.

„Das ist entweder blanker Hohn, oder aber eine weitere Bestätigung dafür, wie sehr Jones eigentlich jeglichen Bezug zur sportlichen Realität verloren hat.“ (Adrian Franke)

Sein Ego ist ihm wichtiger als der sportliche Erfolg der Cowboys.

Dass er sich dann auch noch am Donnerstag vor die versammelte Presse stellte und sagte, dass das "ein Move ist, der uns in den Playoffs erfolgreich machen wird", ist entweder blanker Hohn, oder aber eine weitere Bestätigung dafür, wie sehr Jones eigentlich jeglichen Bezug zur sportlichen Realität verloren hat.

Seine Argumentation in der 46-minütigen Pressekonferenz ging in etwa so: Parsons ist ein toller Pass-Rusher, aber Dallas konnte über die letzten Jahre den Run nicht stoppen. Deswegen wollten sie Defensive Tackle Kenny Clark im Zuge dieses Trades haben. Das sei ein "gezielter Move, ein gut durchdachter Move gewesen, um das alles in die Wege zu leiten".

Das halte ich, mit Verlaub, für blanken Unsinn.

Es stimmt, dass die Cowboys in den letzten Jahren Probleme in der Run-Defense hatten. Aber die Idee, einen Elite-Pass-Rusher abzugeben, um einen Run-Stopper für die Mitte zu finden, ist in etwa so, als würde man den heimischen Herd verkaufen, um sich eine Bratpfanne leisten zu können. Schön, dass man jetzt eine Pfanne hat, aber im Gesamtkontext der Situation auch irgendwie sinnlos. Und ganz nebenbei: Kenny Clark ist fast 30 Jahre alt und kommt aus seiner schwächsten Saison seit Jahren.

"Wir haben entschieden, was im besten Interesse unseres Teams ist", fuhr Jones fort. "Und in unseren Augen können wir jetzt eher gewinnen, als wenn wir den anderen Weg gewählt und ihn bezahlt hätten."

Spätestens an diesem Punkt muss jedem klar sein, dass Jones nicht versteht, wie erfolgreiches Roster Building in der NFL funktioniert. Einen Top-3-Spieler mitten in seiner Prime auf einer Premium-Position tradet man nicht weg. Und kein Team wird dadurch besser. Auch nicht mit einem Defensive Tackle und zwei - mutmaßlich späten - Erstrunden-Picks.

Als Jones am Donnerstag infolge des Trades auf seine weitere Beziehung zu David Mulugheta angesprochen wurde, sagte er etwas, das jemand Jones dringend als den perfekten Spiegel vorhalten müsste.

"Soweit ich es gehört habe, ist er nicht fragil", führte Jones aus. Und weiter: "Lassen Sie mich Ihnen etwas sagen: Man kann das hier, dieses Business, nicht machen, und fragil sein. Ich bin es nicht. Das heißt nicht, dass man nicht wütend werden kann, aber ich würde denken, dass er sehr professionell ist und es versteht, den Fokus zu bewahren. Und sich nicht in den anderen Dingen zu verlieren, wie den Emotionen oder all den anderen Sachen."

Vielleicht gilt das für David Mulugheta. Für Jerry Jones gilt es nicht.