Aus Köln berichtet Merle Klingenberg
Es war früh ein herber Rückschlag für die Füchse Berlin: Schon nach neun Minuten kassierte Mathias Gidsel im Halbfinale des Truckscout24 EHF Final4 die rote Karte. Der dänische Rückraumstar war in der Abwehr auf Linksaußen bei der Seitwärtsbewegung sichtlich auf dem Boden der Kölner Lanxess-Arena ausgerutscht und fiel somit in den von rechtsaußen zum Torwurf ansetzenden Kauldi Odriozola.
"Da musste ich schon einen Moment schlucken", sagte Stefan Kretzschmar nach der Partie. Für den Hauptstadtklub war es eine ungewohnte Situation, ohne die Nummer 19 zu spielen. Niemand weiß ja, wie wir spielen, wenn wir ohne Gidsel spielen, weil wir in den letzten Wochen und Monaten nie ohne Gidsel spielen mussten", betonte der Vorstand Sport.
Der frisch gebackene Deutsche Meister konnte in den folgenden 50 Minuten beweisen, dass auch die verbleibenden Spieler ein Topniveau besitzen. "Das gibt uns noch mehr Selbstvertrauen. Wir sind nicht nur Mathias Gidsel", so Kretzschmar. Das haben die Füchse eindrucksvoll beweisen: Zum Zeitpunkt des Gidsel-Aus führten die Berliner mit 6:3. Bis zur Pause erhöhten die Hauptstädter schon auf 18:12, am Ende stand ein souveränes 34:24 auf der Anzeigetafel.
"Mannschaft funktioniert ganz gut"
Alle Spieler waren zur Stelle: Max Darj und Mijajlo Marsenic haben im Innenblock gearbeitet, Dejan Milosavljev parierte, wenn er gebraucht wurde. Fabian Wiede, Nils Lichtlein, Lasse Andersson und Matthes Langhoff haben vorne Verantwortung übernommen. "Diese Mannschaft funktioniert ganz gut", findet Kretzschmar.
Den Spielern gingen im Moment des Gidsel-Rots unterschiedliche Gedanken durch den Kopf. Nils Lichtlein war sofort bewusst, "dass ich jetzt mehr Verantwortung und seinen Part mit dem Eins-gegen-Eins übernehmen muss. Aber ich habe mich auch ein bisschen darauf gefreut". Bei Lukas Herburger war die Freude umso größer: "Geile Chance für uns! Jetzt können wir zeigen, dass es auch ohne Mathias funktioniert, auf einer richtig geilen Bühne."
"Ich muss sagen, ich habe bei keinem von uns auf der Platte gemerkt, dass er nervös geworden ist. Wir haben einfach unseren Stiefel weiter heruntergespielt: Das, was wir können - und das hat überragend geklappt", betonte Tim Freihöfer und Jaron Siewert war einfach nur stolz: "Auch mit Mathias hätten wir nicht erwartet, mit zehn Toren ein Halbfinale in der Champions League zu gewinnen. Was die Mannschaft geleistet hat, war überragend."
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