Tadej Pogacar kann seinem ohnehin schon gut gefüllten Trophäenschrank einen weiteren Siegerpokal hinzufügen: Gleich bei seiner ersten Teilnahme am Criterium du Dauphiné steht der 26-jährige Slowene ganz oben auf dem Siegertreppchen. Mit drei Tagessiegen, unter anderem bei der Königsetappe am Samstag, ließ Pogacar dabei seinen Dauerrivalen Jonas Vingegaard erneut hinter sich, 59 Sekunden betrug am Ende der Vorsprung im Gesamtklassement auf den zweitplatzierten Dänen. Von einer "atemberaubenden Woche", sprach der Slowene, sei er "sehr glücklich und stolz".
Bei der finale Etappe ab Val-d'Arc hinauf zum Plateau du Mont-Cenis, zugleich der letzte Karrierestart von Lokalmatador Romain Bardet, durfte jedoch ein anderer jubeln: Der Franzose Lenny Martinez setzte sich als Ausreißer durch. Dahinter kam es nochmals zum Duell der beiden Kontrahenten Pogacar und Vingegaard, die sich die letzten fünf Siege bei der Tour de France untereinander aufgeteilt hatten.
Aus der Favoritengruppe heraus hatte das Duo gut sieben Kilometer vor dem Ziel das Tempo angezogen, um Martinez zu stellen reichte es jedoch nicht mehr. Am Ende schob sich Vingegaard als Tageszweiter knapp vor Pogacar über den Zielstrich, 34 Sekunden Rückstand hatten sie auf den Tagessieger.
Lipowitz vom Wackelkandidaten zur Tour-Hoffnung
Für eine starken Eindruck bei der achttägigen Rundfahrt sorgte auch die deutsche Nachwuchshoffnung Florian Lipowitz. Der 24-Jährige vom Team Red Bull-Bora-hansgrohe behauptete sich die gesamte Dauphiné unter den besten Fahrern, stürmte bei der Königsetappe hinter Pogacar und Vingegaard auf Platz drei und ließ in der Gesamtwertung unter anderem Tour-Mitfavorit Remco Evenepoel hinter sich.
Rang drei im Gesamtklassement sowie das Weiße Trikot für den besten Nachwuchsfahrer machen aus Lipowitz aus einem Wackelkandidat für die Tour eine Podest-Hoffnung seiner deutschen Equipe. "Als ich hierhergekommen bin, hätte ich niemals damit gerechnet, dass ich so weit vorn mitfahren kann", sagte Lipowitz, "neben Fahrern wie Tadej und Jonas zu stehen, ist schon etwas Besonderes". Sein Sportchef Rolf Aldag lobte bereits am Samstag: "Riesig. Er hat noch einmal einen Schritt gemacht - er ist stabiler, ist solide, macht keine Fehler. Er bewahrt immer die Ruhe, das ist erst einmal das A und O."
Im Fokus steht aber erneut Pogacar. Der Slowene ist erst der dritte Profi nach den Franzosen Louison Bobet (1955) und Bernard Hinault (1981), der als Weltmeister bei der Dauphiné triumphiert. Der 26-Jährige untermauert damit auch seinen Status als Top-Favorit bei der anstehenden Tour de France (5. bis 27. Juli). Mit seinem Team UAE will Pogacar bei der Frankreich-Rundfahrt den Titel aus dem Vorjahr verteidigen und seinen insgesamt vierten Gesamtsieg einfahren.
8. Etappe Val-d'Arc - Plateau du Mont-Cenis(133,8 km)
1. Lenny Martinez (Frankreich) - Bahrain Victorious 3:34:18 Std.; 2. Jonas Vingegaard Rasmussen (Dänemark) - Team Visma + 34 Sek.; 3. Tadej Pogacar (Slowenien) - UAE Team Emirates - XRG; 4. Matteo Jorgenson (USA) - Team Visma + 40; 5. Remco Evenepoel (Belgien) - Soudal Quick-Step; 6. Enric Mas Nicolau (Spanien) - Movistar Team + 45; 7. Florian Lipowitz (Seefeld/Österreich) - Red Bull-Bora-hansgrohe + 47; 8. Tobias Halland Johannessen (Norwegen) - Uno-X Mobility; 9. Ben Healy (Irland) - EF Education-EasyPost + 1:01 Min.; 10. Sepp Kuss (USA) - Team Visma
Gesamtwertung Einzel, Endstand nach der 8. Etappe:
1. Tadej Pogacar (Slowenien) - UAE Team Emirates - XRG 29:19:46 Std.; 2. Jonas Vingegaard Rasmussen (Dänemark) - Team Visma + 59 Sek.; 3. Florian Lipowitz (Seefeld/Österreich) - Red Bull-Bora-hansgrohe + 2:38 Min.; 4. Remco Evenepoel (Belgien) - Soudal Quick-Step + 4:21; 5. Tobias Halland Johannessen (Norwegen) - Uno-X Mobility + 6:12; 6. Matteo Jorgenson (USA) - Team Visma + 7:28; 7. Enric Mas Nicolau (Spanien) - Movistar Team + 7:57; 8. Paul Seixas (Frankreich) - AG2R La Mondiale + 8:25; 9. Carlos Rodriguez Cano (Spanien) - Ineos Grenadiers + 8:57; 10. Guillaume Martin (Frankreich) - Groupama-FDJ + 10:01; 11. Emanuel Buchmann (Lochau/Österreich) - Cofidis + 10:34; ... 36. Ben Zwiehoff (Essen) - Red Bull?Bora?hansgrohe + 46:09; 43. Hannes Wilksch (Cottbus) - Tudor Pro Cycling Team + 52:41; 55. Nils Politt (Hürth) - UAE Team Emirates - XRG + 1:03:03 Std.; 63. Maximilian Schachmann (Andorra la Vella/Andorra) - Soudal Quick-Step + 1:08:28; 77. Michel Hessmann (Unna) - Movistar Team + 1:16:00