Am Mittwoch musste Pogacar seinem vermeintlich größten Tour-Widersacher Jonas Vingegaard im Zeitfahren noch ziehen lassen und verlor auf 17 Kilometern satte 28 Sekunden auf seinen dänischen Rivalen.
Die Schlappe hat Pogacar aber gut verdaut. Denn am Freitag schlug der slowenische Dominator des letzten Jahres eindrucksvoll zurück. Auf den 126,7 Kilometern von Valserhone nach Combloux standen gleich fünf kategorisierte Anstiege auf dem Programm. Unter anderem der Schlussanstieg hinauf nach Combloux in 1190 Metern Höhe.
Und im Finale machte Pogacar Ernst. Nachdem die letzten Ausreißer gestellt waren, legte der Weltmeister wie schon so oft von einem auf den anderen Moment rund sieben Kilometer vor dem Ziel einen höheren Gang ein und riss schnell eine Lücke auf. Keiner konnte dem 26-Jährigen folgen - auch Vingegaard nicht, der Däne merkte schnell, dass er dem Tempo Pogacars nicht gewachsen war. Und auch der Gesamtführende Remco Evenepoel, der das Zeitfahren dominiert hatte, musste einsehen, dass er Pogacar nicht folgen konnte.
Am Ende kam der Slowene nach 2:59,46 Stunden ins Ziel, Vingegaard hatte als Zweiter schon 1:01 Minuten Rückstand. Mit seinem Sieg schlüpfte Pogacar auch wieder ins Gelbe Trikot des Gesamtführenden, sein Vorsprung dort auf Vingegaard beträgt nun 43 Sekunden.
Lipowitz verliert einen Platz, beweist sich aber unter den Besten der Welt
Hinter den beiden Tour-Favoriten etablierte sich erneut Florian Lipowitz als einer der stärksten Fahrer im Feld. Der 24-Jährige vom Team Red Bull-Bora-hansgrohe startete rund 45 Kilometer vor dem Ziel sogar eine eigene Attacke, wurde von der Gruppe der Favoriten aber wieder gestellt. Im Schlussanstieg stellte Lipowitz aber seine Kletterfähigkeiten unter Beweis und wurde mit einem Rückstand von 1:22 auf Pogacar Dritter. Damit büßte er im Gesamtklassement zwar einen Rang ein und ist nun mit 54 Sekunden Rückstand Dritter, deren elf fehlen auf den Zweiten Vingegaard.
Doch Lipowitz zeigte nicht nur, dass er der derzeit hoffnungsvollste deutsche Rundfahrer ist, sondern dass er mit den Besten im Peloton mithalten kann. Als Lohn trägt er das Weiße Trikot als bester Nachwuchsfahrer auf seinen Schultern.
Am Wochenende stehen noch einmal zwei schwere Bergetappen an. Am Samstag geht es über 131,6 Kilometer von Grand-Aigueblanche nach Valmeinier. Dabei müssen gleich drei Anstiege der "Hors Categorie" erklommen werden, unter anderem der Schlussanstieg. Am Sonntag folgen gleich fünf Anstiege, die Entscheidung könnte dabei erst am allerletzten Berg fallen - das diesjährige Ziel liegt auf 2097 Metern Höhe im Skiort Val Cenis.
7. Critérium du Dauphiné, 6. Etappe: Valserhone - Combloux (126,7 km)
1. Tadej Pogacar (Slowenien/UAE Emirates-XRG) 02:59:46 Stunden, 2. Jonas Vingegaard (Dänemark/Visma - Lease a Bike) 1:01 Minuten zurück, 3. Florian Lipowitz (Ulm/Red Bull-Bora-hansgrohe) 1:22, 4. Matteo Jorgenson (USA/Visma - Lease a Bike) 1:30, 5. Remco Evenepoel (Belgien/Soudal Quick-Step) 1:50, 6. Alex Baudin (Frankreich/EF Education-EasyPost) 1:56, ... 12. Emanuel Buchmann (Ravensburg/Cofidis) 2:26, ... 35. Ben Zwiehoff (Essen/Red Bull-Bora-hansgrohe) 9:57, ... 43. Hannes Wilksch (Strausberg/Tudor Pro Cycling Team) 11:42, ... 70. Nils Politt (Köln/UAE Emirates-XRG) 13:31, ... 75. Maximilian Schachmann (Berlin/Soudal Quick-Step) 14:16, ... 77. Michel Hessmann (Hamburg/Movistar) 14:23
Stand in der Gesamtwertung nach 6 von 8 Etappen
1. Pogacar 21:35:08 Stunden, 2. Vingegaard 0:43 Minuten zurück, 3. Lipowitz 0:54, 4. Evenepoel 1:22, 5. Jorgenson 1:41, 6. Edward Dunbar (Jayco AlUla) 2:28, ..., 14. Buchmann 4:06, ... 32. Zwiehoff 11:50, ... 47. Schachmann 15:48, ... 51. Wilksch 16:37, ... 60. Hessmann 20:50, ... 76. Politt 22:53