Es war ein beeindruckender Start, den der 17-jährige Deutsche hinlegte. Justin Engel servierte gleich mal zwei Asse hintereinander und befand sich mit dem klar favorisierten Kanadier auf Augenhöhe. Ein hart umkämpftes Aufschlagspiel beim Stand von 2:2 verlor der Nürnberger zwar, holte jedoch sofort das Rebreak. Letztlich musste der Tiebreak über den ersten Satz entscheiden - und in dem hatte Felix Auger-Aliassime schnell die Nase vorne. Nur drei Punkte von Engel ließ er zu.
Der jüngste Viertelfinalist bei einem ATP-Rasenturnier seit Boris Becker 1985 in Wimbledon ließ sich aber weiter nicht beirren und hielt auch den zweiten Durchgang lange offen. Dass Auger-Aliassime einen Sahnetag beim Service erwischte, machte die Aufgabe allerdings fast unlösbar - 70 Prozent betrug die Quote beim ersten Aufschlag, 42 von 60 Punkten gingen dabei an den Favoriten.
Beim Stand von 4:3 schaffte der Kanadier dann das eine Break, das ihm letztlich reichte. Mit dem 18. Ass (Engel gelangen sieben) beendete der an Nummer vier gesetzte Auger-Aliassime das Match nach 1:38 Stunden. In der Runde der letzten vier trifft der an vier gesetzte Kanadier entweder auf Marton Fucsovics (Ungarn) oder Taylor Fritz (USA/Nr. 2).
Engel nimmt die US Open ins Visier
Wildcard-Teilnehmer Engel wurde mit großem Applaus aus Stuttgart verabschiedet, auf dem Weg ins Viertelfinale hatte er den australischen Qualifikanten James Duckworth und anschließend den amerikanischen Weltranglisten-35. Alex Michelsen aus dem Turnier geworfen.
Seinem Ziel ist der Schützling des ehemaligen Top-20-Spielers Philipp Kohlschreiber durch das Abschneiden auf dem Weissenhof näher gekommen: Engel, im offiziellen ATP-Ranking auf 281 eingeordnet, will unter die Top 200 - und die US-Open-Quali angreifen. Dafür müsste er wohl unter den besten 220 landen. Mit der Leistung in Stuttgart steht er laut ATP-Liveranking noch knapp dahinter.
Am Nachmittag trifft der topgesetzte Alexander Zverev, der sich in Stuttgart und Halle/Westfalen auf Wimbledon (ab 30. Juni) vorbereitet und im ersten Spiel etwas Mühe mit dem Franzosen Corentin Moutet hatte, auf Brandon Nakashima (USA/Nr. 6). Er ist der letzte verbliebene Deutsche beim Rasenturnier auf dem Weissenhof.