Als die letzte Sekunde im Topspiel gegen Spanien von der Uhr getickt war und der Sieg feststand, brachen nicht nur bei bei den deutschen Spielern alle Dämme. Auch für Konrad Bansa, Felix Molsner und Michael Scholz war der Erfolg gegen die Iberer, die ihrer Mannschaft den Gruppensieg in der Hauptrunde bescherte, ein ganz besonderer Triumph.
Deutschland gegen Spanien: Das Duell hat für das Trainertrio eine gewisse Historie. "Es ist über viele Jahre und Jahrgänge hinweg immer ein spannendes Duell, das insgesamt leider zu oft gegen uns ausgefallen ist", fasste Molsner kurz und bündig zusammen.
Die 'Rivalität' begann 2016, als Deutschland erstmals eine männliche Jugend-Nationalmannschaft zu einer Europameisterschaft schickte. Ein Spieler im damaligen Kader des Trainerduos Bansa/Scholz war ihr heutiger Trainerkollege Molsner. Im Viertelfinale verlor die Auswahl damals gegen Spanien und verpasste damit nicht nur die Qualifikation für die erste Jugend-Weltmeisterschaft, sondern auch die Chance auf eine Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen.
Ein Jahr später war für das deutsche Team bei der nächsten EM im Halbfinale Schluss - gegen Spanien. Nur 2018, im Jahr des größten Triumphs, war Spanien im Halbfinale gegen den späteren Europameister Deutschland chancenlos. Die Goldmedaille war der krönende Abschluss für die gemeinsame Zeit, die vier Jahre später auf einer anderen Ebene weiterging.
Zur U16-Europameisterschaft 2022 holten Bansa und Scholz ihren früheren Schützling Molsner ins Trainerteam. "Konrad ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich mir das vorstellen kann", beschrieb Molsner damals. "Ich wusste sofort, dass ich Lust darauf habe." Mit einer Bronzemedaille gab es direkt beim ersten Turnier Edelmetall.
Das große Ziel war damals bereits im Hinterkopf: Die Olympischen Jugend-Spiele 2026 in Dakar (Senegal). "Michael, Felix und ich haben 2016 den ersten Anlauf genommen - damals war es neu und wir haben es leider nicht geschafft", fasste Bansa den gemeinsamen Traum des Trainertrios in Worte. "Wir arbeiten jetzt seit zehn Jahren daran, einmal dorthin zu kommen."
"Das eine Spiel, was das Turnier entscheidet."
Seit zwei Jahren arbeiten Bansa, Scholz und Molsner mit dem aktuellen Jahrgang, um das Ziel zu erreichen. Mit fünf Siegen aus sechs Spielen und dem Gruppensieg in der Hauptrunde liegt die deutsche Auswahl auf Kurs. "Ein großes Lob an die Mannschaft, die gezeigt hat, wie sie Beachhandball spielen kann", lobte Molsner nach dem Sieg zum Hauptrundenabschluss gegen Spanien.
Ein wichtiger Faktor aus Sicht des 24-Jährigen: Die Einstellung. "Grundsätzlich waren wir taktisch gut eingestellt, aber wir waren auch emotional und motivational voll da", lobt er. "Wir hatten einfach Bock und das hat man gemerkt. Wenn wir locker spielen, wenn wir frei aufspielen, haben wir Spaß auf der Platte und so haben wir uns die beste Ausgangslage geschaffen, die es gibt."
Im Viertelfinale (13:00 Uhr) wartet nun Südamerika-Vertreter Argentinien. "Das Viertelfinale ist nach vielen Spielen in Vor- und Hauptrunde das erste K.O.-Spiel. Es ist das Spiel, was das ganze Turnier entscheidet", beschreibt Molsner. Er ist optimistisch: "Wir haben alle großen Namen schon geschlagen und wenn wir das auf die Platte bringen, was wir können und fokussiert aufspielen, können wir jeden schlagen."
Von den drei Europameisterschaften, die Molsner selbst als Spieler erlebt hat, kennt er das Gefühl, im Viertelfinale zu stehen; die Vorfreude auf so ein besonderes Spiel, aber auch den großen Druck. Seine eigene Erfahrung will er nun an die Jungs weitergeben und der nächsten Generation damit helfen, den nächsten Schritt zu gehen.
Dass er selbst noch aktiv spielt - beim Deutschen Meister 12 Monkeys Köln - ist ein Vorteil. "Ich bin nah dran an den Jungs, das ist sehr schön", beschreibt er und fügt an: "Unser Trainerteam ergänzt sich." Bansa und Scholz haben Molsner die jahrelange Erfahrung an der Seitenlinie voraus. "Ich lerne viel von den beiden und es hilft mir enorm, mit ihnen zusammenzuarbeiten", hält er fest.
Eine Weltmeisterschaft durfte er anders als seine Schützlinge nie spielen - umso größer waren sowohl Aufregung („ein bisschen“) als auch Vorfreude („riesig“), dass er dieses Erlebnis nun als Trainer machen darf. Und auch die Hoffnung auf die Olympischen Jugend-Spiele lebt. "Wir wollen die bestmögliche Platzierung und dabei nach Möglichkeit das beste europäische Team werden, damit wir eine nahezu 100-Prozent-Chance auf die Teilnahme haben", so Molsner. Anders als bei der Qualifikation zur WM reicht kein bestimmter Platz; es gibt weitere, teils sportpolitische Faktoren, die in das Teilnehmerfeld hineinspielen.
Doch so weit voraus will der 24-Jährige aktuell nicht blicken. Nach der Weltmeisterschaft geht es mit den Jungs direkt zur Europameisterschaft in die Türkei, anschließend will Molsner als Spieler mit den 12 Monkeys bei den German Beach Open, der deutschen Turnierserie, auflaufen und hoffentlich zur Deutschen Meisterschaft nach Cuxhaven fahren.
"Wir brauchen noch ein paar Punkte, um uns zu qualifizieren", erklärt Molsner mit Blick auf das Finalturnier. Das ist das unbedingte Ziel des Titelverteidigers. "Wir sind ambitioniert und setzen uns die dritte Banane auf dem Trikot als Ziel", lacht Molsner - statt den üblichen Meisterschaftssternen tragen die 'Affen' für jeden Titel eine Banane über ihrem Vereinslogo.
Und dann wartet - unabhängig davon, ob die Qualifikation für Dakar gelingt - auch schon die nächste Aufgabe, denn der aktuelle Jahrgang soll nicht der letzte gewesen sein, den Molsner für den Deutschen Handballbund begleitet. "Ich habe aktuell an meiner Rolle viel Spaß und ich werde, wenn ich darf, noch mehrere Jahre dabei bleiben", sagt er. "Nächstes Jahr beginnt die Arbeit mit einem neuen Jahrgang, den wir dieses Jahr schon gesichtet haben. Es bleibt also spannend." Und wer weiß? Vielleicht gelingt es sogar, die Bilanz gegen den 'Erzrivalen' Spanien zu drehen, denn die gestrige Begegnung dürfte nicht die letzte gewesen sein …