Der Favorit hat sich durchgesetzt - und das mit großem Vorsprung: Leo Neugebauer wurde am Sonntagabend in Baden-Baden als Deutschlands Sportler des Jahres 2025 ausgezeichnet. Der 25-Jährige erhielt bei der Wahl unter etwa 3000 Sportjournalisten mit 2343 Punkten eine deutliche Mehrheit und damit 966 Zähler mehr als der Zweitplatzierte.
Leichtathlet Neugebauer, der bereits bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris die Silbermedaille gewonnen hatte, krönte sich im September in Tokio zum Weltmeister im Zehnkampf. Neugebauer ist nach Niklas Kaul (2019) und Torsten Voss, der 1987 in Rom Gold für die DDR gewann, erst der dritte Deutsche, der sich bei einer WM zum "König der Leichtathleten" krönte.
Schon 2024 hatte der in den USA lebende und für den VfB Stuttgart startende Mehrkämpfer den deutschen Uralt-Rekord im Zehnkampf von Jürgen Hingsen auf 8961 Punkte verbessert. Zum Abschluss des aktuellen Jahres folgte nun die Auszeichnung als Sportler des Jahres, die zum 79. Mal vergeben wurde. "Das Ding wird heute richtig gefeiert, es wird noch ein richtig geiler Abend sein", freute sich Neugebauer, der die Trophäe von seinem Vater und eine Grußbotschaft von Sprint-Legende Usain Bolt erhielt. Er folgt auf Ruderer Oliver Zeidler, der im vergangenen Jahr nur mit knappem Vorsprung die Auszeichnung erhalten hatte.
Auf Platz 2 landete der mehrfache Schwimm-Weltmeister Florian Wellbrock mit 1377 Punkten. Der 28-Jährige hatte bei der WM in Singapur im Sommer dieses Jahres vier Goldmedaillen gewonnen. Rang 3 belegte Rad-Profi Florian Lipowitz, der bei der Tour de France hinter Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard auf das Treppchen fuhr.
Die Wahl fand zum dritten Mal im neuen Verfahren statt: Athletinnen und Athleten des DOSB sowie des Deutschen Behindertensportverbandes hatten jeweils 15 Vorschläge nominiert, danach waren rund 3000 Mitglieder des Verbands Deutscher Sportjournalisten stimmberechtigt und vergaben einen bis fünf Punkte für ihre Favoriten.
Sportler des Jahres: Die Top 10 der Männer im Überblick
1. Leo Neugebauer (Zehnkampf) - 2343 Punkte2. Florian Wellbrock (Schwimmen) - 1377 Punkte3. Florian Lipowitz (Radsport) - 1140 Punkte4. Lukas Märtens (Schwimmen) - 786 Punkte 5. Vinzenz Geiger (Nordische Kombination) - 669 Punkte6. Amanal Petros (Marathon) - 537 Punkte7. Oliver Zeidler (Rudern) - 302 Punkte8. Taliso Engel (Para-Schwimmen) - 247 Punkte 9. Niko Kappel (Para-Kugelstoßen) - 234 Punkte 10. Nils Dunkel (Turnen) - 219 Punkte
Preuß: Weltmeisterin, Gesamtweltcupsiegerin, Sportlerin des Jahres
Kurz nach dem Sportler des Jahres wurde auch die Sportlerin des Jahres ausgezeichnet: Franziska Preuß. Bei den Sportlerinnen fiel die Wahl aber deutlich knapper aus, die 31-jährige Biathletin landete am Ende nur mit 48 Punkten mehr als Vorjahressiegerin Darja Varfolomeev auf Platz 1. Dritte wurde Schwimmerin Anna Elendt (880 Punkte).
Preuß hatte im März erstmals in ihrer Karriere nach einem echten Krimi im finalen Massenstart knapp vor Lou Jeanmonnot (Frankreich) den Gesamtweltcup im Biathlon gewonnen - als sechste Deutsche der Geschichte. Bei der Weltmeisterschaft in Lenzerheide holte Preuß zudem Gold in der Verfolgung, eine Silber- (Sprint) und zwei Bronzemedaillen (Mixed- und Single-Mixed-Staffel). "Es lief von vorn bis hinten alles perfekt", sagte Preuß nach ihrer Ehrung.
In der laufenden Saison musste die Biathletin krankheitsbedingt einige Wochen pausieren, am Sonntag - wenige Stunden vor der Gala in Baden-Baden - fuhr sie im Massenstart in Annecy mit Platz 6 ihr bestes Saisonergebnis und gleichzeitig die Olympia-Norm ein. Preuß wurde in diesem Jahr auch schon vom Deutschen Skiverband zur Skisportlerin des Jahres gekürt.
Sportlerin des Jahres: Die Top 10 der Frauen im Überblick
1. Franziska Preuß (Biathlon) - 1749 Punkte2. Darja Varfolomeev (Rhythmische Sportgymnastik) - 1701 Punkte 3. Anna Elendt (Schwimmen) - 880 Punkte4. Nathalie Armbruster (Nordische Kombination) - 861 Punkte 5. Julia Taubitz (Rennrodeln) - 728 Punkte6. Malaika Mihambo (Weitsprung) - 705 Punkte 7. Laura Philipp (Triathlon) - 375 Punkte 8. Ricarda Funk (Kanuslalom) - 344 Punkte 9. Karina Schönmaier (Turnen) - 316 Punkte10. Lisa Tertsch (Triathlon) - 312 Punkte
Erstmals wurden bei der Sportler-des-Jahres-Wahl auch Special-Olympics-Athleten geehrt. "Es ist höchste Zeit, dass Athletinnen und Athleten von Special Olympics selbstverständlich auf dieser Bühne stehen", freute sich Felix Neureuther, Botschafter von Special Olympics Deutschland. Die Premierensiegerin ist Eisschnellläuferin Sophie Dziadek. Die 18-jährige Shorttrackerin gewann bei den Special Olympics World Winter Games 2025 in Turin sowohl eine Gold- als auch eine Silbermedaille. Die Wahl soll die sportlichen Leistungen von Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung würdigen und mehr Sichtbarkeit schaffen.
DBB-Team ist Mannschaft des Jahres
Keine Überraschung gab es bei der Wahl der Mannschaft des Jahres: Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft wiederholte ihren Triumph von 2023. Damals hatte sich das DBB-Team um Nationalmannschaftskapitän und NBA-Profi Dennis Schröder kurz vor der Auszeichnung sensationell zum Weltmeister gekrönt - zwei Jahre später gewann Deutschland auch die Europameisterschaft.
Beim Finale in Riga rangen die deutschen Basketballer die Türkei nieder (88:83) und holten sich zum zweiten Mal nach 1993 den EM-Titel. Schröder, der im Finale 18 Sekunden vor dem Ende den entscheidenden Wurf verwandelte, wurde auch als wertvollster Spieler des Turniers (MVP) ausgezeichnet. Doch nicht nur Schröder, sondern eben das gesamte Team mit Topscorer Franz Wagner, dem starken Verteidiger Isaac Bonga oder Scharfschütze Andi Obst überragte.
Das DBB-Team holte bei der Abstimmung zur Mannschaft des Jahres fast doppelt so viele Punkte (2638) wie die Hockey-Nationalmannschaft der Herren auf Platz 2 (1367). Die Hockey-Herren wurden im Sommer 2025 ebenfalls Europameister im Feldhockey - und Weltmeister in der Halle.
Auf Rang 3 landete die 4x100 Meter Staffel der Frauen um Sina Mayer, Rebekka Haase, Sophia Junk und Gina Lückenkemper, die bei der Leichtathletik-WM Bronze gewann - genau wie im Vorjahr bei den Olympischen Spielen in Paris. 2024 landete die Staffel bei der Mannschaft des Jahres noch auf Platz 6, damals gewannen die 3x3-Basketballerinnen, die bei Olympia 2024 völlig überraschend Gold gewonnen hatten. Damit hat nun zum dritten Mal in Folge ein Basketball-Team die Auszeichnung erhalten.
Mannschaft des Jahres: Die Top 10 im Überblick
1. Basketball-Nationalmannschaft der Männer - 2638 Punkte 2. Hockey-Nationalmannschaft der Herren - 1367 Punkte 3. 4x100 Meter Staffel der Frauen - 1051 Punkte4. Team Nordische Kombination - 800 Punkte5. Fußball-Nationalmannschaft der Frauen - 517 Punkte 6. Team Rhythmische Sportgymnastik - 383 Punkte7. Team Hase/Volodin (Eiskunstlauf) - 368 Punkte8. Mixed-Staffel Freiwasser - 318 Punkte 9. Bob-Team Lochner - 275 Punkte 10. Mixed-Team Turnen - 194 Punkte