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"Zwei Spielerinnen zum Preis von einer": Die Doppelfunktion von Anais Konrad

kicker

Ein schneller Trikotwechsel in der Wechselzone: Mehr Zeit hat Anais Konrad nicht, um sich zwischen ihren beiden Positionen umzustellen. Denn die junge (Hallen-)Torhüterin des TSV Ismaning steht bei der U17-Weltmeisterschaft in Tunesien längst nicht nur zwischen den Pfosten - die meiste Spielzeit sammelte sie bisher im Feld.

Nationaltrainer Frowin Fasold setzt Konrad in der Abwehrmitte ein. "Ich spiele seit einem Jahr ungefähr in der Abwehr, ich habe das einfach mal ausprobiert", sagt Konrad locker und flachst: "Das ist viel Beinarbeit, ich musste viel trainieren, aber es macht auch sehr viel Spaß und ich bin sehr flexibel."

Genau diese Flexibilität ist das entscheidende Argument für die Doppelfunktion: Anders als bei Europameisterschaften, wo aus einem zwölfköpfigen Kader pro Spiel zehn Akteure ausgewählt werden dürfen, werden Weltmeisterschaften im Beachhandball generell nur zu zehnt gespielt.

Welche taktische Variante wählt man?

Für die Trainer bedeutet das eine schwierige Entscheidung: Geht man ins Risiko und nimmt nur einen Torhüter mit, um eine Option mehr und damit mehr Entlastung für die Feldspieler zu haben - auch auf die Gefahr hin, dass bei Verletzung oder einem Leistungstief keine Wechseloption besteht? So handhabten es Marten Franke (Männer) und Alexander Novakovic (Frauen) im vergangenen Jahr; es zahlte sich aus.

Oder nimmt man lieber zwei Torhüter mit, um auf dieser wichtigen Position Sicherheit zu haben und einen neuen Impuls bringen zu können? Dafür entschied sich das Trainerteam der männlichen Jugend-Nationalmannschaft, die in Bjarne Rollmann und Paul Biermann mit zwei reinen Keepern nach Tunesien reiste. Bei der letztjährigen EM fiel Stammkeeper Rollmann im Halbfinale aus; das Team verlor - diese Erfahrung dürfte nachwirken.

Es gibt jedoch eben die dritte Möglichkeit: Der (mit-)spielende Keeper. Bansa griff früher ebenfalls schon einmal darauf zurück, als er vor sieben Jahren mit dem Jahrgangs seines heutigen Co-Trainers Felix Molsner U18-Europameister wurde. Und nun entschied sich auch Fasold für diese Variante. Auch aus dem Verein kennt Konrad die Position; beim Gewinn der Deutschen Vize-Meisterschaft 2024 wurde sie als beste Abwehrspielerin des Finalturniers ausgezeichnet.

Auch im Nationaltrikot überzeugt die Ismaningerin. "Anais macht das großartig. Sie hat riesige Fortschritte gemacht und bringt eine tolle Qualität mit", lobte der Nationaltrainer seinen Schützling bereits nach dem Ende der Vorrunde und scherzte gut gelaunt: "Das ist wirklich eine tolle Kombination, ich kriege zwei Spielerinnen zum Preis von einer."

"Es war ein gutes Spiel."

Beim Hauptrundenauftakt gegen Brasilien (2:0) stand Konrad zunächst in der Abwehrmitte, bevor sie in der Schlussphase des ersten Satzes das blaue Trikot überstreifte und zwischen die Pfosten wechselte. In der zweiten Halbzeit ging es dann wieder ins Feld - auch, weil Gespannpartnerin Marlene Wagner eine starke Leistung zeigte.

"Im ersten Satz haben wir stark gespielt, viele Punkte gemacht und auch in der Defensive standen wir gut", fasste Konrad nach dem Abpfiff zusammen. "Im zweiten Satz haben wir ein bisschen nachgelassen in der Mitte, aber uns wieder stark herangekämpft. Das war ein gutes Spiel, es hat sehr viel Spaß gemacht."

Der souveräne Erfolg in zwei Sätzen gibt neuen Auftrieb für die beiden letzten Hauptrundenspiele gegen Frankreich (Freitag, 12:10 Uhr MESZ) und Thailand (Freitag, 17:50 Uhr). "Natürlich gibt das noch einmal viel Selbstbewusstsein, denn es war nicht nur das erste südamerikanische Team, dem wir begegnet sind, sondern eben der Südamerikameister", sagt Konrad. "Es ist schön, sie zu schlagen."

Das Ziel? Finale!

Gegen Vize-Europameister Frankreich und Vize-Asienmeister Thailand geht es um eine möglichst optimale Ausgangsposition für das Viertelfinale, das am Samstagvormittag ausgetragen wird. Aktuell liegt Deutschland mit vier Punkten hinter den ungeschlagenen Teams aus Frankreich und Niederlanden auf dem 3. Platz. "Frankreich kennen wir sehr gut, wir sind befreundet mit den Spielerinnen, das wird ein spannendes Spiel", freut sich Konrad auf die Begegnung.

Anders als bei der letztjährigen Europameisterschaft, wo eine Niederlage im Viertelfinale das Aus bedeutete, soll es am Strand von Hammamet weitergehen. "Wir wollen alle das Finale erreichen", sagt Konrad selbstbewusst und ergänzt: "Das wollen wir aber Schritt für Schritt, wir wollen nichts überstürzen. Wir fokussieren uns jetzt erst einmal auf die beiden Hauptrundenspiele und dann werden wir weitersehen."

Ein Finaleinzug bei der Weltmeisterschaft wäre mit Blick auf eine Qualifikation für die Olympischen Jugend-Spiele 2026 im Senegal ein immenser Schritt. "Mit der Aussicht auf diese Qualifikation wollen wir natürlich alles geben", betont Konrad. "Es bedeutet uns sehr viel, diese Weltmeisterschaft zu spielen, das ist für uns und das Team natürlich etwas ganz Großes."