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Hächler ist als "Odermatt-Kopie" das beste Beispiel, wie man Junge heranführt

kicker

Ein 22-jähriges Talent, ein Alleskönner, zuletzt aber vor allem ein Pechvogel. Begonnen hat alles mit einer Knochenhautentzündung am Schienbein. Diese Verletzung verunmöglicht es ihm heute, im Slalom, der Disziplin, in der er 2024 Junioren-Weltmeister geworden ist, zu starten.

Hächler hat ja aber noch drei weitere Disziplinen. Im Super-G holte er beispielsweise 2023 die Silbermedaille bei der Junioren-WM, in der Abfahrt verpasste er das Podest 2024 als Vierter nur ganz knapp. Im Riesenslalom konnte er auf angesprochener Stufe am wenigsten reüssieren, holte sich dann aber als Sieger der Riesenslalom-Wertung im Europacup in beeindruckender Manier einen Fixstartplatz für diese Weltcup-Saison.

Der Weg schien also frei für den Durchbruch auf höchstem Niveau. Die Saisonvorbereitung verlief dann aber alles andere als optimal. Zwei gebrochene Rippen, Lungenprellungen, eine Gehirnerschütterung und eine kleine Hirnblutung waren die Folgen eines Mountainbike-Sturzes im Juni. Kaum genesen, zog er sich eine Teilruptur der äusseren Bänder des rechten Fussgelenks zu, musste das Südamerika-Trainingslager in Südamerika auslassen.

Den Umständen zuerst erfolglos getrotzt

In Sölden stand der 22-Jährige aber dann trotzdem am Start, mit grossen Hoffnungen. Viermal trat er vor dieser Weltcup-Saison bereits in der Disziplin Riesenslalom an, konnte jedoch nie punkten. Dies gelang ihm dann auch in Sölden nicht, auch in Copper Mountain ging er leer aus.

Nur rund eine halbe Autostunde östlich von Copper Mountain sah die Welt in Beaver Creek dann schon viel friedlicher aus. Hächler zeigte einen starken ersten Lauf und war nach diesem als 21. klassiert. Im zweiten Lauf hatte er dann einen Fehler, der ihm den Sprung in die Top 10 verwehrte.

Trotz des etwas verpatzten zweiten Laufs - der ihn trotzdem noch auf den 19. Rang brachte - überzeugte er mit seiner Leistung Silvan Zurbriggen, Experte von "The Snow Lodge".

„Er ist für mich die Odi-Kopie 2. Rein schon, weil er das gleiche Material fährt. Für mich war sehr beeindruckend, wie ähnlich er fährt.“ (Silvan Zurbriggen über Lenz Hächler)

Zurbriggen erhofft sich von diesem ersten zählbaren Resultat auch eine gewisse Ruhe, die einkehrt. Zum Materialwechsel und den zwei Verletzungen im Sommer kamen bei Hächler auch noch Rückenprobleme hinzu. Man müsse den Ball etwas flach halten, denn nach den tollen Jahren im Junioren-Bereich waren die Erwartungen auch in den Medien riesig.

Kommt die Konstanz auch auf höchster Stufe?

Begeistert von der Fahrt von Hächler war auch Nadja Jnglin-Kamer, die teilweise richtig "beschleunigende" Schwünge gesehen hat. Sie erklärt sich den Verzicht auf Risiko im zweiten Lauf auch damit, dass Hächler endlich Punkte holen wollte. Sie betont allerdings auch die Riesen-Wertung im Europacup der letzten Saison, die er mit 156 Punkten Vorsprung gewonnen hat. "Er hat also eigentlich eine Konstanz."

Die Experten sind sich also einig, das Potenzial von Hächler ist gross, die technischen Fähigkeiten ebenfalls. Es sei halt einfach verunsichernd, wenn man keine Punkte holt, so sieht man es derzeit auch bei Loïc Meillard, meint Jnglin-Kamer, fügt aber an: "Ich habe auch das Gefühl, der kann jetzt auf dem so aufbauen, dass er innert Kürze in die ersten 30 reinkommen wird und dort einen grossen Schritt machen wird."

Die Lobeshymnen in den vergangenen Wochen und Monaten waren ja allgemein riesengross und so langsam scheint, als könnte der Zuger denen auch langsam gerecht werden. Macht er so weiter, so liegt am Ende der Saison gar eine Trophäe drin. In der Wertung "Longines Rising Ski Star" ist Hächler zurzeit Fünfter, dürfte aber noch einen Sprung nach vorne machen. Diese Wertung zeichnet den besten Fahrer unter 23 Jahren aus. Preisträger sind unter anderem Henrik Kristoffersen oder Lucas Pinheiro Braathen.

Der teaminterne Weg nach oben ist nicht weit

Wie oben erwähnt, ist Lenz Hächler eigentlich ein Allrounder, der mittlerweile auf den Slalom verzichten muss. Aus Schweizer Sicht muss man sagen, dass seine Qualitäten im Speed-Bereich gerne gesehen werden, allerdings bei weitem nicht so wichtig sind, wie jene im Riesenslalom, wo in den letzten Jahren nur ein Trio brillieren konnte.

Im Riesenslalom klafft hinter Marco Odermatt, Loïc Meillard und Thomas Tumler eine grosse Lücke, die zuletzt Luca Aerni zumindest annähernd schliessen konnte. Aerni läuft es bisher in dieser Saison allerdings nicht nach Wunsch, und so ist es durch die aktuellen Entwicklungen nicht ausgeschlossen, dass wir Hächler bald als Nummer 4 des Teams sehen.

Egal ob Platz 4 oder Platz 5, dürfte der 22-Jährige übrigens bei den Olympischen Spielen starten. Durch die Goldmedaille von Marco Odermatt in Peking 2022, dürfen neben dem Gesamtweltcupsieger vier weitere Schweizer Athleten bei Olympia an den Riesenslalom-Start gehen. Allerdings sind die Kontingentplätze beschränkt, wodurch die Leistungen schon auch stimmen müssen.

Ein "Götti" ist von grosser Wichtigkeit

Wie gelingt es allerdings Swiss-Ski, einen jungen Fahrer wie Mächler an die Elite heranzuführen? Im technischen Bereich müsse man zwingend zusammen trainieren, meint Silvan Zurbriggen. Beim Zuger spezifisch sei auch der Servicemann ein grosses Thema, da dieser ja der gleiche wie bei Odermatt ist. Der Nidwaldner sei ohnehin eine offene Person, die seinen potenziellen Nachfolger auch mitziehen wird.

So einen "Götti" zu haben, sei vor allem im Speed-Bereich sehr wichtig. Dies habe man auch bei Odermatt gesehen, der diesen stets in Beat Feuz sah. Zurbriggen selbst war sehr häufig mit Didier Cuche auf der Besichtigung und konnte davon profitieren. Besondere Bedeutung habe dieses gemeinsame Besichtigen auf Abfahrten, die die jungen Fahrer noch gar nicht kennen.

Jnglin-Kamer hebt auch die Bedeutung der Trainer heraus. Diese müssen zusammenarbeiten, anders als noch in ihrer Aktivzeit, als die verschiedenen Weltcup-Gruppen Trainer hatten, die miteinander nicht so gut zurechtgekommen sind. Dies habe dann teilweise auch ganze Teams gesplittet. Es sei wichtig, dass die erfahreneren Trainer ihre Erfahrungen mit den jüngeren Trainern, die teilweise auch mit den jüngeren Athleten unterwegs sind, teilen.