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Alarm bei den Chiefs - und warum die Bengals keinen Quarterback holen sollten

kicker

FIRST DOWN: Fehlstart der Chiefs - welche 0-2-Teams dürfen noch hoffen?

Jahr für Jahr ist Woche 2 der erste Zeitpunkt in der Saison, an dem über Playoff-Chancen gesprochen wird. Weniger mit Blick auf den weiteren Schedule oder die Konkurrenz in der Division und der Conference, sondern bezogen auf die Fehlstart-Thematik: Teams, die mit zwei Niederlagen in eine Saison starten, haben historisch betrachtet eine sehr geringe Chance auf die Postseason.

Seit die Liga 2020 das Playoff-Teilnehmerfeld erweitert hat, haben 42 Teams einen 0-2-Start hingelegt. Von diesen 42 Teams haben nur fünf am Ende noch den Sprung in die Postseason geschafft. Drei davon kamen aus der vergangenen Saison: die Broncos, Ravens und Rams.

Und natürlich ist Kontext hier wichtig. Viele Teams, die 0-2 starten, sind schlichtweg nicht gut und galten auch vor Saisonstart nicht als Playoff-Kandidat. Diese Teams verpassen die Playoffs nicht, weil sie 0-2 starten, sondern sie starten 0-2, weil sie schlecht sind und deshalb verpassen sie auch die Playoffs.

Die Parallele für die Chiefs aus dem letzten Jahr sind am ehesten die Rams. Denn Los Angeles startete ebenfalls mit einer Vielzahl an Verletzungen in die Saison und musste die ersten Wochen irgendwie überbrücken, ehe das Team gesünder wurde und dann einen Run hinlegte.

Das halte ich auch dieses Jahr für ein realistisches Szenario in Kansas City.

Chiefs: Keine Panik trotz 0-2-Start?

Die Chiefs sind zum ersten Mal in der Mahomes-Ära mit zwei Niederlagen gestartet. Doch nicht nur, dass Kansas City dabei mit den Chargers und den Eagles ein schwieriges Auftaktprogramm hatte - die Ausfälle von Rashee Rice und Xavier Worthy legen eine ohnehin wacklige Offense zusätzlich lahm.

Und das führt auch direkt zum Kern dieses Themas. Kansas City ist aktuell offensiv extrem limitiert. Wenn ich diese Aussage auf zwei Punkte herunterbrechen müsste, dann wären es diese:

Die Chiefs haben keine Fixpunkte im Passing Game. Das, was einst Tyreek Hill und Travis Kelce in ihrer Prime waren, und später dann Kelce immer noch als dominierender Pass-Catcher, ist aktuell in dieser Offense: niemand. Rice kann das vielleicht werden, das letzte Mal stand Rice vor fast exakt einem Jahr auf dem Platz.

Es gibt derzeit keinen Spieler, an dem die Chiefs ihre Offense ausrichten können. Kein Spieler, der Coverages diktiert. Kelce ist das nicht mehr. Bestenfalls hat Kansas City aktuell Role Player, und eine Offense rein mit Role Playern braucht zwei Dinge: Ein ausgeklügeltes Scheme - und Balance.

Das führt zum zweiten Punkt. Den Chiefs fehlen die Fixpunkte und ihnen fehlt die Balance. Kansas City hatte unter Andy Reid noch nie ein prägendes Run Game. Sie hatten mal ein rudimentäres Run Game, welches das Passing Game effizient ersetzte, mehr aber nicht. Und jetzt, wo das Run Game mehr Teile der Last schultern müsste, fällt umso mehr auf, wie dünn Kansas City in diesem Bereich ist.

Das betrifft das Scheme, welches klar Pass-first denkt und vergleichsweise wenig entwickelt ist, was das Run Game angeht. Es betrifft aber auch die Qualität im Backfield: Pacheco hat die Explosivität, aber nicht die Vision und Kareem Hunt ist der konstantere Runner, allerdings an dem Punkt seiner Karriere gänzlich ohne Big-Play-Qualitäten.

Chiefs: Der Druck ist jetzt da

Frustrierend ist, dass wir genau diese Gespräche bereits letztes Jahr hatten. Das Thema, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte Chiefs-Saison zog, lautete: Kansas City gewinnt zwar viele enge Spiele - doch selten spielt das Team wirklich mal überzeugend und insbesondere der Offense fehlt es an Explosivität, an Flexibilität und definitiv an Dominanz.

Diese Themen setzen sich jetzt fort, beziehungsweise, sie haben sich eher noch vergrößert. Dadurch, dass neben Rice jetzt auch Worthy fehlt und Travis Kelce in den ersten beiden Spielen eine ausgesprochen unglückliche Figur gemacht hat, ist umso auffälliger, wie sehr die Fixpunkte in der Offense außerhalb von Mahomes fehlen.

In den beiden Spielen gegen die Chargers und die Eagles konnte man auch deutlich sehen, wie Mahomes versucht, das zu kompensieren. Mahomes hat bereits 13 Runs für 123 Yards auf dem Konto. Ligaweit - nicht nur unter Quarterbacks - ist er in der Top 20 in Rushing-Yards. Natürlich will und sollte die Chiefs-Offense so nicht funktionieren. Sie muss es aktuell.

Doch mit all diesen Defiziten haben Zentimeter gefehlt, um dieses Spiel gegen die Eagles womöglich zu gewinnen. Wenn Kelce den Ball an der Goal Line fängt, statt ihn Richtung Safety Andrew Mukuba abzufälschen, wäre Kansas City 17:13 in Führung gegangen. Stattdessen lagen sie wenig später 10:20 hinten, es war die Vorentscheidung. Dazu ein verschossenes Field Goal von Harrison Butker sowie mehrere Downfield-Misses von Mahomes taten ihr Übriges.

Will sagen: Mit all den Defiziten und der berechtigten Kritik an der Offense lieferten die Chiefs dem amtierenden Champion ein sehr enges Spiel und hatten eine realistische Chance, die Partie zu gewinnen. Die Defense war sehr viel präsenter als noch gegen die Chargers. Das in Kombination mit Mahomes’ Playmaking-Qualitäten wird Kansas City auch wieder Siege in One-Score-Games bescheren, welche die Chiefs über die letzten beiden Jahre fast auf Knopfdruck eingefahren haben.

Die Erfolgsformel aus der vergangenen Saison kann dann schnell auch wieder greifen. Weitere Ausrutscher sind jetzt selbstredend verboten, und Kansas City hat in den kommenden vier Wochen die Ravens und die Lions vor der Brust. Ich muss von Kansas City aber erst sehen, dass sie nicht nur enge Spiele verlieren, sondern über einen längeren Zeitraum abgehängt wirken. Dass die Offense wackelt, selbst wenn das Waffenarsenal wieder komplett ist.

Klar ist: Es ist der erste echte Fehlstart der Mahomes-Ära. Der Druck ist jetzt da. Für ein Team wie Kansas City sollte das aber kein Problem darstellen. Man sollte es aber als Warnschuss sehen, um die schematische Einseitigkeit sowie die Defizite im offensiven Roster Building der letzten Jahre zu hinterfragen.

Die weiteren 0-2-Teams

Die "Das war so nicht geplant"-Kategorie

Die Teams: Chiefs, Bears, Texans, Dolphins

Die Houston Texans sind neben den Chiefs das eine Team, das als klarer Preseason-Division-Favorit mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet ist. Und ebenfalls ähnlich wie bei den Chiefs sind auch in Houston die Themen frustrierend nah dran an der vergangenen Saison.

Die Texans haben in der Offseason viele Schritte unternommen, um ihre Offensive Line und ihr offensives Scheme zu reparieren. Offensive-Line-Coach und Offensive Coordinator wurden ausgetauscht, in der Line wählte man radikale Schritte. Inklusive der kuriosen Entscheidung, sich von Left Tackle Laremy Tunsil zu trennen.

Die ersten Resultate sind ernüchternd. Bereits in Woche 1 gegen die Rams hatte zunächst die Interior Line altbekannte Probleme, angefangen mit dem Aufnehmen von Stunts. Und während Houston sich hier etwas stabilisierte, hatten beide Tackles ein desolates Spiel.

Gegen die Bucs setzten sich die Probleme fort. Das führt nicht nur zu Protection-Problemen, auch das Run Game ist kaum existent, was wiederum zu mehr klaren Passing-Situationen und damit mehr echten Protection-Dropbacks für die Line führt. Und Stroud selbst ist in dieser schwierigen Rolle inkonstant.

Die Texans haben eine tolle Defense und haben unter DeMeco Ryans erhebliche Schritte nach vorne gemacht. Doch sollte die Offense im zweiten Jahr in Folge im Liga-Keller stagnieren, müssen bald sehr ernsthafte Fragen gestellt werden.

Bei den Bears war der Hype vor der Saison groß - wieder einmal. Nachdem letztes Jahr der Quarterback und das Waffenarsenal mit Vorfreude erwartet wurden, waren es jetzt diese beiden Aspekte in Kombination mit Ben Johnson als neuer Head Coach und Play-Caller. Er soll all das, was man sich in Chicago letztes Jahr schon erhofft hatte, tatsächlich zusammenführen.

Um das gleich zu sagen: All das kann immer noch passieren. Zwei Spiele gegen eine exzellente Vikings-Defense sowie eine nach wie vor stark besetzte Lions-Defense, das war kein leichtes Auftaktprogramm. Mit den Cowboys, Raiders, Commanders und Saints warten jetzt vier deutlich machbarere Aufgaben.

Dennoch bin ich mir sicher, dass Bears-Fans nach der Niederlage gegen Detroit umso mehr frustriert auf die vermeidbare Pleite gegen die Vikings blicken werden.

Dieses Spiel hätte Chicago gewonnen, hätte die Offense zwischen dem ersten und dem letzten Drive mehr Lebenszeichen von sich gegeben. Das Run Game war noch gar kein Faktor, aber auch das Passing Game wirkte viel hektischer und unrunder als erhofft.

Das setzte sich gegen die Lions fort, wenn auch in einem Spiel, in dem man angesichts der anderen Seite des Balls so oder so wohl chancenlos war. Denn auch die Bears-Defense ist bisher nicht das, was man sich hier erhofft hat, auch wenn Verletzungen in der Secondary bereits eine Rolle spielen.

Die klarste offensive Erkenntnis ist diese: Solange die Bears kein vernünftiges Run Game haben, fehlt der Offense der Rhythmus. Verlässlich lange Down-and-Distance-Situationen zu überbrücken, das fehlt bislang komplett.

Ich denke nicht, dass Chicago gleich dieses Jahr ein Team sein wird, das schon die Playoffs aufmischt. Aber ich gehe davon aus, dass wir über die nächsten Wochen schrittweise rundere Auftritte der Offense sehen werden. Und wenn sich das über die weitere Saison fortsetzt und Caleb Williams sich dementsprechend entwickelt, ist das für dieses Jahr sogar mehr wert als ein Wildcard-Ticket.

Nach einem desolaten, blutleeren Auftritt gegen die Colts zum Auftakt setzte es für Miami in Woche 2 eine sehr viel eher vermeidbare Pleite gegen die Patriots. Es war ein positives Lebenszeichen der Offense, doch Miamis Saison ist nach diesen beiden Spielen schon jetzt an einem Punkt angekommen, an dem sie einen eigenen Themenpart. Mehr dazu gleich.

Die "Vielleicht besser als gedacht?"-Kategorie

Die Teams: Jets, Saints

Die Jets waren gegen die Steelers eine der großen Positiv-Überraschungen aus Woche 1. Die Offensive Line auch ohne Alijah Vera-Tucker scheint auf bestem Wege, eine der stärkeren Units in der NFL zu werden. Und der neue Offensive Coordinator Tanner Engstrand schickte seine Offense mit einem klaren Plan in die Saison.

Ein um den Quarterback herum aufgebautes Run Game und ein auf Big Plays ausgelegtes Passing Game, welches von Fields wenige Touch-Pässe über die Mitte und wenig konstantes Ballverteilen verlangt. Das führte gegen eine vermeintlich starke Steelers-Defense gleich zum Auftakt zu einem unerwartet explosiven offensiven Auftritt.

Daran konnte New York gegen die Bills so gar nicht anknüpfen. Buffalo gelang es, die Early-Down-Runs der Jets zu stoppen, und das legte schonungslos offen, wie wacklig das Dropback Passing Game für dieses Team sein wird. Das relativierte den ermutigenden Auftritt in Woche 1 und war ein Realitätscheck dahingehend, wie Spiele für die Jets in dieser Saison eben auch laufen können.

Denn das wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Wenn Defenses mehr Tape haben und anfangen, Justin Fields den Plan A weg zu nehmen, dann bleibe ich skeptisch, dass die Jets mit Fields viele Möglichkeiten haben, um offensiv auf alternativem Wege zu punkten. Und gleichzeitig ist Fields eben auch, so hart das klingt, "nur" die auch klar als solche definierte Übergangslösung. Zu wissen, was man im Play-Caller und der Offensive Line hat, ist im Zweifelsfall mehr wert für die mittel- und langfristige Zukunft der Jets.

Das kann man direkt so als Überleitung zu den Saints verwenden. Auch die Saints waren im ersten Spiel überraschend kompetitiv. Als ein Team, das vielerorts als sicherer Kandidat für einen Top-3-Pick gehandelt wurde, und das die vielleicht schwierigste Quarterback-Situation in der NFL hat, zeigte die Defense im ersten Spiel unter Brandon Staley mehr als nur ein Lebenszeichen. Ganz besonders die Altstars Cam Jordan und Demario Davis beeindruckten.

Und die Offense: Ich erwarte nicht, dass Spencer Rattler die langfristige Quarterback-Antwort ist. Aber zu sehen, dass er ein funktionaler Ballverteiler sein kann, zu sehen, dass die Offensive Line zum Floor der Offense beitragen kann, das sind zumindest Bausteine, die die Saints kompetitiv machen. Ich gehe trotzdem davon aus, dass der Starting-Quarterback für 2026 aktuell noch nicht im Kader ist.

Die "Es gibt immer den nächsten Draft"-Kategorie

Die Teams: Titans, Browns, Panthers, Giants

Es gibt jedes Jahr die Teams, bei denen schon vor dem ersten Saisonspiel zumindest ein halbes Auge der Fanbase auf die nächste Offseason schielt. Doch die Art und Weise, wie man an diesen Punkt kommt, da kann es sehr unterschiedliche Wege geben - und sehr unterschiedliche Vibes, die diese Wege begleiten.

Denn es gibt Teams wie die Browns, die in einen klar koordinierten Rebuild gehen. Mal wieder, mag der eine oder andere an diesem Punkt völlig zurecht anmerken. Aber zumindest war hier schon mit der Draft-Strategie klar, dass die Browns sich eher mittel- und langfristig orientieren.

Umso positiver ist es dann, wenn sich ein solches Team besser präsentiert als gedacht. Und Cleveland hat hier natürlich ein klares Limit nach oben, insbesondere mit dieser Offense. Aber die Rookies machen durch die Bank weg Spaß, angefangen mit Harold Fannin und Dylan Sampson, sowie Carson Schwesinger in der Defense. Und defensiv kann Cleveland noch immer für Überraschungen sorgen, das hat insbesondere Woche 1 gegen die Bengals und zumindest die Run-Defense in Woche 2 gegen die Ravens gezeigt.

Das Gegenbeispiel ist vielleicht ein Team wie Carolina. Nicht, dass die Panthers mit realistischen Playoff-Ambitionen in diese Saison gegangen wären. Aber nach einer positiven zweiten Saisonhälfte war schon die Hoffnung rund um dieses Team, dass man daran anknüpfen kann, dass Bryce Young den nächsten Schritt macht und dass sich die Investitionen in die Defense bemerkbar machen.

Sowohl gegen die Jaguars, als auch gegen Arizona war noch sehr viel Sand in diesem Getriebe. Gegen die Cardinals hätte eine Leistungssteigerung der Offense noch fast zu einem spektakulären Comeback geführt, aber die ersten Eindrücke der Offense in neutralen Spielsituationen lassen doch einiges zu wünschen übrig.

Auf er positiven Seite steht Rookie-Receiver Tetairoa McMillan, der bislang einen guten Eindruck hinterlässt. Aber das erste Team-Zwischenfazit ist ernüchternd. Denn das geht eher in die Richtung, dass die Panthers doch noch mehrere Offseasons davon entfernt sind, sich Richtung Playoffs zu orientieren.

Die Giants stehen im Verhältnis "Preseason-Erwartung gegen Realität" irgendwo zwischen den Browns und den Panthers. Hier war klar, dass das eine schwierige Saison werden würde. Gleichzeitig ist entschieden zu viel Qualität in diesem Team, um generell ein Übergangsjahr einzuläuten. Und mit einem Erstrunden-Quarterback in der Hinterhand war klar, dass es mindestens eine kritische Weichenstellung in dieser Saison geben würde.

Der spektakuläre Auftritt der Offense gegen die Cowboys hat diesen Moment, über den nach Woche 1 bereits intensiv diskutiert wurde, wieder etwas nach hinten geschoben. Das ist gut für New York, und auch für Jaxson Dart. Denn ehe die Giants nicht deutlich mehr Stabilität in die Offensive Line bekommen - angefangen mit der sehnlich erwarteten Rückkehr von Andrew Thomas - würde ich Dart nicht rein werfen.

Der positivste Punkt bei den Titans ist ganz offensichtlich: Cam Ward. Ward hat in seinen ersten beiden NFL-Spielen eine positive Duftmarke hinterlassen. Auch wenn die Stat-Lines das nicht unbedingt so widerspiegeln. Er ist aggressiv, er will Plays machen, er ist roh, aber er geht nicht unter.

Das Problem ist alles um Ward herum. Die Line ist über die ersten beiden Spiele nicht der Stabilisator, den man sich in Nashville erhofft hat. Head Coach Brian Callahan macht weiter keine gute Figur. Die Receiver lassen Bälle fallen.

Die Titans könnten mit vier Siegen am Ende aus dieser Saison gehen, und die Stimmung ist sehr viel besser als bei anderen 4- und 5-Siege-Teams - wegen Cam Ward. Dass das aber dann noch mit Callahan passieren wird, da bin ich skeptisch.

SECOND DOWN: Miamis Saison ist schon jetzt ein Scherbenhaufen

Als GM Chris Grier kurz vor Saisonstart auf die Timeline und die Erwartungen an seine Dolphins angesprochen wurde, war er zumindest zu einem Eingeständnis bereit. "Jedes Jahr ist anders", erklärte Grier Ende August und führte weiter aus: "Wenn man so aggressive Moves macht, wie wir sie über mehrere Jahre gemacht haben, muss man resetten und neu anfangen."

Grier fügte hinzu, dass er damit den finanziellen Aspekt und die Roster-Building-Strategie meine, aber dass natürlich der sportliche Erfolg trotzdem das Ziel sei: "Natürlich werden wir versuchen, diese Saison zu gewinnen. Letztlich geht es nur darum, 2025 Spiele zu gewinnen."

Ein GM muss Ende August sagen, dass sie Spiele gewinnen wollen, will er nicht der Fan-Base - und im schlimmsten Fall auch dem Locker Room - signalisieren, dass eine verlorene Saison bevorsteht. Das gilt für jeden GM, im Fall der Dolphins aber ist zusätzlicher Druck auf der Situation.

Miami hat über die letzten Jahre versucht, ein Titelfenster zu öffnen. Teure Trades für Tyreek Hill und Bradley Chubb wurden durchgeführt, Miami pickte über mehrere Jahre nur sehr limitiert im Draft. Einen Playoff-Sieg gab es dafür nicht; 2022 und 2023 war man One-and-Done in der Postseason, letztes Jahr verpasste Miami die Playoffs.

Die Dolphins und ein unmöglicher Spagat

Selbst mit der Verletzung von Quarterback Tua Tagovailoa war das so unterhalb der Erwartungshaltung, dass Teambesitzer Stephen Ross es für notwendig hielt, ein Statement zu veröffentlichen, in dem er öffentlich erklärte, dass Grier und Head Coach Mike McDaniel im Amt bleiben. Mit dem Zusatz: "Allerdings sollte man Kontinuität in den Führungspositionen nicht damit verwechseln, dass man den Status Quo als gut genug akzeptiert."

Das war der Startschuss für eine vor diesem Hintergrund fast schon erwartbar inkonstante Dolphins-Offseason. Denn während man Spieler wie Jevon Holland, Jalen Ramsey und Jonnu Smith gehen ließ, zusätzlich zum Rücktritt von Left Tackle Terron Armstead, suchte Miami zwar einerseits günstige, kurzfristige Lösungen für ein Übergangsjahr. Gleichzeitig wurde aber auch Minkah Fitzpatrick etwa zurückgeholt. Miami holte Tight End Darren Waller via Trade. Die Dolphins tradeten im Draft aggressiv hoch für Guard Jonah Savaiinaea. Und der zu Beginn der Offseason noch offen kolportierte Trade von Tyreek Hill wurde nie konkreter.

Es ist also kein klarer Rebuild, es ist aber auch kein klarer Win-Now-Ansatz. Es ist irgendwo dazwischen, und das ist das Problem, wenn die Timeline des Teams nicht mit der Timeline der handelnden Personen übereinstimmt. Der Owner will Ergebnisse sehen, Playoffs sind der Anspruch, während der Kader einen Neustart braucht und weit weg davon ist, in der AFC oben angreifen zu können.

Offense zeigt Reaktion - aber wie geht es weiter?

Diese Voraussetzung ist schwierig, selbst für ein Team, das in seinen Führungspersönlichkeiten gefestigt ist. Bei den Dolphins hat man diesen Eindruck schon lange nicht mehr. Und natürlich wissen wir nicht, was hinter verschlossenen Türen passiert, doch zumindest McDaniels Auftreten nach außen hin war auch nach dem Auftritt gegen die Colts eher unglücklich, während die Spieler nach nur einem Spiel bereits ein Players-only-Meeting organisierten.

Was ich Miami positiv anrechne: Die Dolphins zeigten zumindest offensiv gegen die Patriots eine Reaktion. Tagovailoa hatte kein gutes Spiel, doch Miami hatte zumindest Ideen. Die Offense war sehr horizontal im Passing Game ausgelegt, so kamen die Dolphins zu Yards nach dem Catch und konnten die Defense in die Breite ziehen, was mit dem Run Game nicht mehr klappt.

Der Punkt, auf den ich aber mit den Dolphins immer wieder zurückkomme, ist dieser: Wie würde es überhaupt aussehen, diese Saison zu "retten"? Playoffs sind kein realistisches Ziel angesichts des Zustands der Offensive Line, der Secondary und angesichts der Art und Weise, wie Tua bislang spielt.

Und das führt zum Knackpunkt: Braucht McDaniel ein Playoff-Ticket, um seinen Job zu retten? Dann ist diese Saison tatsächlich schon ein Scherbenhaufen, und es wird nur bis zum Neustart noch verwaltet. Oder gibt es intern einen langfristigen Plan, auch für McDaniel und Grier?

Das würde dieser Saison eine andere Perspektive geben. Doch mit Blick auf die Offseason habe ich daran erhebliche Zweifel.

THIRD DOWN: Diese Steelers-Defense ist ein Problem

Mit den Verpflichtungen von Aaron Rodgers, Darius Slay und Jalen Ramsey hatte diese Steelers schon vor Saisonstart einen gewissen "Last Dance"-Vibe. Rodgers hat kein Geheimnis darum gemacht, dass das wohl seine letzte NFL-Saison sein wird, und eine langjährig Steelers-Säule wie Cam Heyward ist im Herbst der Karriere angekommen. Auch T.J. Watt wird in ein paar Wochen 31 Jahre alt.

Die Idee für den Best Case: Eine in die Jahre gekommene Defense hat, auch wenn sie zuletzt schon abgebaut hatte, noch einen letzten Run in sich. Und wenn Rodgers in den Playoffs noch ein letztes Mal heiß läuft, kann man sich vielleicht endlich mal wieder mehr als nur die Teilnahmeurkunde für die Wildcard-Runde abholen.

Um das klar zu sagen: Dieses Szenario ist nach wie vor nicht ausgeschlossen. Doch die ersten beiden Wochen waren ein Dämpfer für Steelers-Fans, die auf den ersten Playoff-Sieg seit bald zehn Jahren hoffen.

Nicht wegen Rodgers. Rodgers war solide in Woche 1, als er gegen die Jets in erster Linie einen sehr guten Game Plan umsetzte. Gegen Seattle kreierte er sogar noch mehr Plays individuell und hatte einige eindrucksvolle Würfe.

Nein, das Sorgenkind dieser neuen Steelers-Saison ist auf der offensiven Seite des Balls die Offensive Line. Und es ist die Defense, die eigentlich das Herzstück dieses Teams sein sollte.

Hier muss man fairerweise festhalten, dass mit Joey Porter, DeShon Elliott, Derrick Harmon und Alex Highsmith schon jetzt Verletzungen einen Tribut gefordert haben. Doch fast umso mehr rückt das die strukturellen Schwachstellen in den Vordergrund. Das war bereits gegen die Jets auffällig, als Pittsburgh sehr vorhersehbar in Single High Coverages Big Plays zuließ, weil die Jets gegen Eins-gegen-Eins-Coverage vertikal attackieren konnten. Die Steelers kassierten gegen die Jets und die Seahawks nahezu identische Touchdowns aus der gleichen Coverage.

Gegen den Run gibt es zu viele Räume, was zu Big Plays führt. Das war gegen die Jets und gegen die Seahawks der Fall; zwei Offenses, die in ihren jeweils anderen Spielen am Boden gar nichts ausrichten konnten.

Pittsburgh war schon letztes Jahr Down für Down nicht die dominante Unit vergangener Tage. Dieses Jahr wirkt diese Diskrepanz noch krasser. Denn auch gegen Seattle hatten sie die Big Plays in Form der Interceptions und zweier Sacks. Down für Down aber ist Pittsburgh über die ersten beiden Spiele eine der schwächeren Defenses Ligaweit: Nach Success Rate belegen sie derzeit Platz 27.

Besonders alarmierend ist, dass sich hier ein Trend aus dem letzten Jahr noch verstärkt. Und wenn die Steelers ein Team ohne Run Game und ohne verlässliche Defense sind, wird vielleicht selbst ein gut aufgelegter Aaron Rodgers die erste Saison für Mike Tomlin mit negativem Record nicht verhindern können.

FOURTH DOWN: Müssen die Bengals jetzt einen Quarterback holen?

Die Ironie ist schon fast grotesk. Zum ersten Mal in der Joe-Burrow-Ära starten die Bengals mit zwei Siegen in eine Saison - nur um im Zuge des zweiten Spiels Burrow selbst zu verlieren.

Den allgemeinen Prognosen zufolge wird sich Burrow einer Operation am Zeh unterziehen und drei Monate lang ausfallen. Vielleicht länger. Elf, vielleicht zwölf Spiele oder gar noch mehr wird er verpassen.

Selbstredend könnte die Saison der Bengals an dem Punkt schon gelaufen sein. Cincinnati spielt als nächstes in Minnesota, dann in Denver, gegen die Lions und in Green Bay. Vier Defenses, die dieser Offense selbst mit Burrow Probleme bereitet hätten.

Die automatische Reaktion auf eine solche Nachricht lautet: Sollten die Bengals sich jetzt nach alternativen Optionen umschauen? Könnte jemand wie Kirk Cousins die Notfalloption sein, um die Saison zu retten, bis Burrow potenziell zurückkommt? Vielleicht Jameis Winston, der in New York nur die Nummer 3 ist?

Kein Team gibt in Woche 3 die Saison auf, und erst recht keines, das noch kein Spiel verloren hat. Und es gibt Argumente dafür, warum die Bengals jetzt alles versuchen sollten, um die bestmögliche Quarterback-Option für die nächsten drei Monate zu finden.

Aber genauso gibt es eine nüchterne Betrachtungsweise. Die Bengals sind mit Burrow, Chase und Higgins immer in der Lage, Punkte aufs Board zu bringen. Auch wenn der Start in die Saison holprig war. Doch ist das ein Team mit vielen Fragezeichen und Baustellen um dieses Trio herum. Cincinnati hätte die ersten beiden Spiele genauso gut verlieren können.

Die Defense hat nach wie vor massive Fragezeichen. Die Offensive Line ist bislang eine Großbaustelle und mitverantwortlich dafür, dass Burrow jetzt ausfällt. Dieses Team war selbst mit Burrow klar hinter den Bills und den Ravens in der Conference. Jetzt krampfhaft einen Quarterback-Ersatz zu finden für die Chance, dass man vielleicht mit einer möglichen Burrow-Rückkehr in die Playoffs rutschen könnte, ist zumindest mal ein sehr kleines Nadelöhr, durch das man dafür kommen muss.

Mit Jake Browning haben die Bengals einen Backup, der bereits vor zwei Jahren vier von sieben Spielen als Starter gewinnen konnte, als Burrow die zweite Saisonhälfte verpasst hat. Er kennt die Offense, er hat zumindest in Ansätzen eine gewisse Chemie mit den Receivern, die jetzt noch mehr der Offense tragen müssen.

Der beste Ansatz für Cincinnati ist vermutlich dieser: Zu schauen, ob man mit Browning den Kopf über Wasser halten kann. Zu schauen, ob sich die Line stabilisiert und ob die Defense unter Al Golden Fortschritte im Laufe der Saison macht.

Passiert all das, könnte Cincinnati tatsächlich noch im Wildcard-Rennen in der AFC ein Faktor sein, sollte Burrow Mitte Dezember zurückkommen können. Passiert das nicht, wäre Cincinnati auch mit Burrow abermals kein Contender in der AFC.

Wie man es auch dreht und wendet: Die Chance ist hoch, dass die Bengals vor einer weiteren verschwendeten Saison stehen. Eine Saison, die dann nicht einmal wirklich solide Erkenntnisse hinsichtlich des Coaching Staffs bietet.

Das ist die frustrierende Realität der Situation.