John Harbaugh, der 2008 die Baltimore Ravens übernommen hatte, beendete seine beeindruckende Amtszeit mit seiner Entlassung an diesem Dienstag nach Ende der jüngsten Regular Season mit einer 180-113-Bilanz. In 18 Jahren führte der 63-Jährige Baltimore zu zwölf Playoff-Teilnahmen, vier AFC Championship Games und natürlich zum großen Triumph im Zuge von Super Bowl XLVII, als damals beim Duell mit den San Francisco 49ers und beim Bruderduell zwischen John und Jim (inzwischen Head Coach der Los Angeles Chargers) das Licht ausgegangen war und am Ende das Quarterback-Duell ans Team von Joe Flacco gegen das von Colin Kaepernick gegangen war.
Über die Trennung, die sich vor allem in den vergangenen Tagen immer mehr andeutete, berichten etliche US-Medien übereinstimmend.
Mit 180 Siegen verlässt der dritter Head Coach in Baltimore das erst seit 1996 existente Franchise aus dem US-Bundesstaat Maryland wenig überraschend als erfolgreichster Trainer der Ravens-Geschichte. Er erreichte deutlich mehr Erfolgserlebnisse als seine beiden Vorgänger Ted Marchibroda (Bilanz von 16-31-1 zwischen 1996 und 1998) und Brian Billick (80-64 zwischen 1999 und 2007).
So funktioniert die Suche nach einem neuen Head Coach
Trotz dieser Erfolge haben sich die Bosse bei den Ravens dazu entschieden, dass nach einer enttäuschenden 8-9-Saison, die mit Super-Bowl-Ambitionen begonnen hatte und mit etlichen Verletzungen durchsät war, ein Neustart nötig ist.
Der dramatische Saisonverlauf
Ein Rückblick: Die Regular Season begann katastrophal mit einem 1-5-Start. Star-Quarterback Lamar Jackson, dessen Qualitäten als zweimaliger MVP der Liga gefühlt noch nicht bis zum Letzten ausgereizt worden sind bislang, verletzte sich in Week 4 an der Hüfte und verpasste drei Spiele, während die Defense ebenfalls von Rückschlägen geplagt wurde. Nach der Bye Week in Week 7 folgte eine beeindruckende Serie von fünf Siegen in Folge - ein Beweis für Harbaughs Kultur und die Resilienz des Teams.
Doch zwei aufeinanderfolgende Niederlagen brachten Baltimore in den Verzweiflungsmodus. Jackson, der die gesamte Saison auf der Injury-Liste stand, fehlte in Week 17, doch die Ravens dominierten trotzdem die Green Bay Packers - allen voran mit Top-Running-Back Derrick Henry. Als die Pittsburgh Steelers überraschend gegen die Cleveland Browns verloren hatten, kam es in Week 18 nun zuletzt im Sunday Night Game zum Abschluss der Regular Season zum ultimativen Showdown um die Division in Sunday Night Football.
Das bittere Ende
Das charakteristisch defensiv geprägte Duell zwischen Ravens und Steelers explodierte im vierten Quarter mit vier Lead-Wechseln in den letzten neun Minuten. Und die Ravens hatten am Ende die Riesenchance zum Sieg: Nach einer verzweifelten Fourth-Down-Conversion stellte Rookie-Kicker Tyler Loop sich einem 44-Yard-Field-Goal - beim Stand von 24:26.
Loop vergab seinen ersten Karriere-Versuch unter 50 Yards und schickte die Ravens nach Hause. Die Serie von zwei Division-Titeln in Folge war gerissen - und Harbaughs Ära, wie sich nun am Dreikönigstag zeigen sollte, beendet.
Warum jetzt?
Es ist erst das sechste Mal in Harbaughs Amtszeit, dass Baltimore die Playoffs verpasst hat, und erst das zweite Mal in den letzten acht Jahren. Doch Baltimore hat seit der Saison 2012 keinen Super Bowl mehr gewonnen und erreichten in all den Jahren außer einem nur einmal das AFC Championship Game. Trotz elf Spielzeiten mit zweistelligen Siegen unterliefen Harbaughs Team zu oft Late-Game-Zusammenbrüche: Baltimore verspielte seit 2008 insgesamt 46 Fourth-Quarter-Führungen - ligaweit der zweithöchste Wert im Zeitraum.
Passend zudem, dass Harbaughs Ära ausgerechnet beim Duell mit Mike Tomlin endete - den einzigen noch länger amtierenden aktiven Head Coach (seit 2007 in Pittsburgh im Amt) im 40. direkten Aufeinandertreffen.
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