Für Daniel Jones waren die letzten Jahre in der Liga alles andere als angenehm. Bei den New York Giants erlebte der 28-Jährige, der dort vor zwei Jahren noch mit einer lukrativen Vertragsverlängerung ausgestattet worden war, letztes Jahr einen Saisonstart zum Vergessen. Es folgte die Degradierung auf die Bank, kurze Zeit später die einvernehmliche Entlassung. Die Zukunft in der NFL stand gar in der Schwebe. Bei den Minnesota Vikings kam er unter, allerdings verbrachte er die Zeit im Practice Squad und absolvierte keine Spiele.
Diese Offseason entschied sich Jones schließlich für die Indianapolis Colts, wo er einen neuen Anlauf nehmen wollte - und sich schließlich auch im teaminternen Quarterback-Duell gegen Anthony Richardson durchsetzte. Dennoch galten die Colts bei vielen Experten - auch aufgrund der zuletzt bei den Giants gezeigten Leistungen von Jones - als nicht sonderlich angsteinflößend. Umso überraschender kam es, dass die Colts nach dem 33:8 über die Miami Dolphins nun auch gegen die Denver Broncos jüngst hauchzart mit 29:28 gewannen und ihre Bilanz zum Start auf 2-0 hochschraubten - erstmals seit 2009.
Gleich zwei Bestmarken aufgestellt
Dabei zeigte insbesondere Jones in beiden Spielen über weite Strecken vielversprechende Leistungen. Gegen die Dolphins brachte er 22/29 für 272 Yards und einen TD an den Mann, erlief obendrein 26 Yards und zwei Scores. Gegen Denver waren es in der Luft 23/34 für 316 Yards und jeweils einen TD über den Pass wie über den Lauf. Und das gegen eine Broncos-Defense, die nicht zuletzt aufgrund von Cornerback Patrick Surtain zur Elite der NFL gehört.
Neben eben den zwei Siegen sorgten die Colts aber auch für gleich zwei historische Bestmarken. Erstmals in der Super-Bowl-Ära gelang es einem Team, in den ersten beiden Spielen der Saison nicht ein einziges Mal punten zu müssen. Zudem sind sie das erste Team der NFL-Historie, das bei seinen ersten zehn Drives zum Start in eine neue Spielzeit Punkte auf das Board gebracht hat. Erst Mitte des zweiten Viertels gegen die Broncos endete diese Serie mit einem Turnover on downs.
Angesprochen darauf, ob der zuletzt viel kritisierte Jones nach dem guten Auftakt auch eine gewisse Befriedigung verspüre, antwortete der 28-Jährige: "Vielleicht ein bisschen, ganz sicher." Er versuche zwar, das alles auszublenden, "aber man weiß, was die Leute sagen, und man weiß, wie die Lage in vielen Situationen ist." Von seinem Head Coach Shane Steichen erhielt Jones indes auch jede Menge Lob. "Er hat einfach wie verrückt gekämpft. Ich fand ihn effizient, er hat seine Spielzüge gut gelesen, seine Progressions durchgespielt und das Ball Placement war auch wieder gut."
Jones bleibt selbstkritisch
Einzig in der Red Zone haben die Colts noch Luft nach oben. "Das liegt zum großen Teil an mir", nimmt Jones die Verantwortung auf seine Schultern. "Ich muss den freien Mann anspielen, wenn wir einen freien Mann haben. Ich muss bestimmte Situationen und Drucksituationen erkennen und sicherstellen, dass wir das richtige Play machen. Man bekommt nur eine begrenzte Anzahl von Chancen, und man muss sie nutzen, wenn man sie hat." Passend dazu ist auch die selbstkritische Antwort von Jones auf die Bestmarke, zehn Drives in Serie gescored zu haben. "Das ist eine gute Statistik für uns. Wir müssen aber mehr Touchdowns erzielen." Neben vier TDs schossen die Colts schließlich auch sechs Field Goals.
Dass Jones sich nach zwei guten Spielen nun nicht selbst über den Klee lobt, stattdessen besonders selbstkritisch mit sich ins Gericht geht, kommt auch nicht von ungefähr. "Ich glaube, ich habe erkannt - und ich glaube, ich habe das letzte Woche auch schon gesagt -, dass ich jetzt schon ein paar Jahre spiele und ein, zwei gute Spiele noch keine Saison ausmachen. Es ist eine lange Saison. Man muss das Level durchhalten können. Ich denke, für mich persönlich, aber auch für den Rest des Teams muss das die Einstellung sein." Diese wird dann am kommenden Wochenende wieder gefragt sein, wo bei den noch sieglosen Tennessee Titans für die Colts das erste Auswärtsspiel ansteht. Auch aufgrund der ersten beiden Wochen geht man dort nun sicher als Favorit in die Partie.