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Seattles Umbruch, Chance für die Patriots - und war die Daboll-Entlassung ein Fehler?

kicker

FIRST DOWN: War die Entlassung von Daboll richtig?

Die Niederlage gegen die Bears war also der Tropfen, der das Fass in New York zum Überlaufen brachte.

Der genaue Zeitpunkt, wann ein Team entscheidet, seinen Head Coach zu feuern, wirkt von außen betrachtet manchmal sehr zufällig. Wenn sich Jaxson Dart am Sonntag nicht verletzt, bringen die Giants ihre Führung in Chicago vermutlich über die Zeit. Und dann ist Daboll heute noch der Head Coach in New York.

Was, wenn 32 Punkte gegen die zweitbeste Defense der Liga in Denver einfach reichen, um die Partie zu gewinnen? Ist Daboll dann heute noch der Head Coach?

Worauf ich hinaus will: Was genau war die Erwartungshaltung in New York vor der Saison? Die Giants hatten den schwersten Schedule, dass dieses Team keine zehn Spiele gewinnt, war absehbar. Kreidete man Daboll die verlorenen Führungen so deutlich an?

Wenn man sich dafür entscheidet, Daboll vor der Saison nicht zu feuern, ihn "seinen" Quarterback draften zu lassen - müsste dann nicht die oberste Priorität für die Bewertung der Saison sein, dass Daboll und der Rookie-Quarterback eine gute Chemie haben? Dass Daboll offensichtlich gut für seine Entwicklung ist? Dass die beiden auf einer Wellenlänge funken?

Und haben wir nicht genau das zwischen Dart und Daboll gesehen?

Die Offseason der Giants als Negativ-Beispiel

Die 2025er New York Giants sind ein exzellentes Beispiel dafür, warum die Timeline eines Teams und die davon abhängigen Roster-Building-Parameter in allererster Linie vom Owner geprägt werden müssen.

Wenn ein Team an dem Punkt steht, an dem die Giants nach der vergangenen Saison standen, dann gibt es zwei Optionen: Entweder, die handelnden Personen bekommen eine langfristige Perspektive zugesichert. Und "langfristig" in dem Fall sollten mindestens zwei Jahre sein.

Oder aber der Owner muss die Reißleine ziehen und den Neustart einleiten. Das wäre nachvollziehbar gewesen, nach sechs Siegen 2023 und derer drei in der vergangenen Saison. Doch es ist nicht passiert.

Die Gefahr dieser Situation haben wir so oft schon gesehen: Ein angezähltes Regime wird alles dafür machen, kurzfristig kleine Erfolge einzufahren und sich selbst Rettungsanker zu sichern. Diese Herangehensweise steht allerdings zu häufig in direktem Gegensatz zu nachhaltig erfolgreichen Roster-Building-Strategien.

Die Bears über die letzten Jahre waren wiederholt ein Paradebeispiel dafür: Ein stark unter Druck stehendes Regime, das den Quarterback hoch draftet, ein Jahr später entlassen wird und der hoch gepickte Quarterback wird zum Knackpunkt für den nächsten Head Coach und den nächsten GM.

Wie sehr formte kurzfristiger Druck die Giants-Offseason?

Und vielleicht entpuppt sich Jaxson Dart weiterhin als fähiger NFL-Starter. Ich gebe zu, dass ich Pre-Draft hier skeptisch war und er mich gemessen daran bisher positiv überrascht. Aber die Frage muss ja eher sein: Hätte ein neues Regime diesen Move gemacht? Wie würde Dart dann dort auftreten? War Dart ein Timeline-, oder ein Talent-getriebener Pick?

Hätte ein Regime, das neu startet, keinen direkten Druck hat und langfristig planen kann, wirklich den Trade hoch in die erste Runde für einen Quarterback dieses Kalibers durchgeführt? Meine Tendenz geht Richtung Nein. Und wenn er gut ist, wird das Giants-Fans egal sein. Aber die Entlassung jetzt legt nahe, dass eben nicht mit einem weitsichtigen Plan gehandelt wurde.

Das kann man auf die Free Agency weiter drehen. Hätte ein neues Regime in der Free Agency direkt teure Verträge für Paulson Adebo und Jevon Holland raus gegeben? Das sind nicht zwangsläufig kurzfristige Moves, aber ich vermute auch hier eher, dass wir eine andere Strategie gesehen hätten.

Das andere, positivere Fazit all dieser Moves ist: Das ist kein schlechtes Team! Wir wussten, dass der Schedule brutal werden wird, für mich war das in der Prognose auch der maßgebliche Grund dafür, dass ich den Giants nicht mehr als eine Handvoll Siege über die Saison verteilt zugetraut habe.

Aber damit kommen wir wieder zurück zu dem Thema mit der Timeline. Man war offensichtlich von Daboll als Head Coach so überzeugt, dass man ihm nicht nur eine weitere Saison gab, sondern die Freiheit, seinen Quarterback Room komplett neu zu gestalten.

Was hat sich innerhalb der letzten zehn Wochen geändert?

Hätte Daboll Dart besser schützen können?

Die Antwort ist: Nichts. Daboll ist kein anderer Head Coach, als er es vor drei Monaten war. Die Niederlagen haben sich summiert, die Defense ist signifikant unter den Erwartungen. Die Giants haben zu viele Führungen verspielt, fair.

Das führt mich auch zur Kernfrage zurück, nämlich: Wie viel Neustart brauchen die Giants? War es der richtige Schritt, Daboll zu entlassen? Oder könnte diese Entscheidung sich noch als Fehler erweisen?

Dart und Daboll funken offensichtlich auf einer Wellenlänge. Und man mag Daboll vorwerfen, dass er Dart noch mehr dabei hätte helfen sollen, sich vor sich selbst zu schützen. Indem er mehr macht, um zu verhindern, dass Dart so viele harte Hits einsteckt. Das ist ein faires Argument.

Giants: Darts Entwicklung muss Priorität Nummer 1 sein

Doch der Record und das Verlieren enger Spiele hätte eine untergeordnete Rolle spielen sollen. Diese Entscheidung hatten sie bereits getroffen, indem sie mit Daboll in die neue Saison gegangen sind. Jetzt hätten die Giants bereit sein sollen, sportliche Misserfolge auszuhalten, solange Dart sich positiv entwickelt und Daboll zeigt, dass er die Offense um den Quarterback herum gestaltet.

Und das heißt nicht, dass es keine Änderungen geben darf. Gerade im Coaching Staff auf der defensiven Seite des Balls war völlig klar, dass Dinge verändert werden müssen. Vielleicht hätte Daboll diese Entscheidung schon früher treffen müssen.

Aber die Gefahr, Darts Entwicklung zu untergraben, nur um dann im schlimmsten Fall in zwei Jahren einen neuen Quarterback und in drei Jahren einen neuen Coach zu suchen, ist jetzt sehr real.

Das - und erst recht kombiniert damit, dass der langjährige GM im Amt bleibt und den nächsten Head Coach jetzt auswählen soll - ist häufig genau die Art und Weise, wie schlechte Teams schlecht bleiben.

SECOND DOWN: Was können wir vom Rebuild der Seahawks lernen?

In der NFL wird alles, was funktioniert, kopiert. Oder zumindest der Versuch wird unternommen. Ob das ein bestimmter Prototyp für einen Head Coach ist, der gerade besonders in Mode kommt, eine Art, wie Offense gespielt werden sollte oder ein bestimmter Quarterback-Typ, den Teams im Draft plötzlich mit Nachdruck suchen: Aus einzelnen Erfolgen werden schnell Trends.

Ich bin sehr gespannt darauf, ob wir auf den Umbruch in Seattle als einen solchen einzelnen Erfolg schauen werden, der ebenfalls Nachahmer findet.

Dabei gibt es ein Thema, das längst ligaweit prominent diskutiert wird: Die Bridge-Quarterbacks, die sich überraschend als Starter etablieren. Und inwieweit das die Art und Weise verändert, wie Teams mit vakantem Quarterback-Posten diese Position angehen könnten.

Die Seahawks gehören da mit Sam Darnold ebenfalls dazu. Und Darnold selbst ist doppelt spannend. Denn nach seiner überraschenden Breakout-Saison bei den Vikings letztes Jahr war der Konsens klar: Minnesota sollte jetzt voll auf J.J. McCarthy setzen. Spätestens nachdem Darnold erst gegen die Lions im Regular-Season-Finale und dann in der ersten Playoff-Runde gegen die Rams jeweils auf der prominentesten Bühne seiner Saison seine beiden schlechtesten Spiele hatte, schien der "alte" Sam Darnold zurück.

Minnesotas Herangehensweise, Darnold gehen zu lassen und das Geld lieber in die Defensive Line und in die Offensive Line zu investieren, wurde in der Offseason durch die Bank weg gelobt. Kaum jemand hatte daran etwas auszusetzen. Es war strategisch der richtige Ansatz.

Haben wir Darnold erneut zu früh abgeschrieben?

Rückblickend ist es eher die Deutlichkeit, mit der damals fast jeder - mich selbst schließe ich dabei ausdrücklich ein - davon überzeugt war, dass Darnold nicht nur in Minnesota keine Zukunft haben sollte. Sondern dass auch Teams auf dem Markt sehr vorsichtig sein müssen.

Darnold kam aus seiner mit Abstand besten Saison und war ohne Frage produktiv. Doch selbst mit exzellenten Receivern und einem sehr guten Play-Caller hatten die Vikings mit ihm nicht mehr als eine Top-12-Offense.

Die Chance darauf, dass man woanders mit Darnold mehr Erfolg haben würde, schien einfach gering. Und mit den beiden schlechtesten Spielen zum Schluss, die nicht nur Minnesotas Saison beendeten, sondern auch Darnolds größte Schwachstellen untermauerten, fiel die Prognose definitiv eine ganze Ecke negativer aus.

Und um das klar zu sagen: Vielleicht sprechen wir in zwei Monaten über die gleichen Themen. Vielleicht bleiben die Big Plays irgendwann aus und die Offseason-Themen rund um Darnold sind ähnlich wie letztes Jahr. Mit einer Offense ohne verlässliches Run Game und einem Team, dessen starke Defense dann nicht reicht.

Vielleicht aber auch nicht. Und seine bisherige Saison ist schon jetzt eine große Überraschung.

Wie sehr "wollten" die Seahawks diese Quarterback-Entscheidung?

Jetzt werden wir nie genau erfahren, wie viel "Plan" hinter den Quarterback-Entscheidungen der Seahawks in der vergangenen Offseason steckte. Wie sehr sie wirklich versucht haben, Geno Smith zu halten, wie sehr Geno - der bei den Raiders eine ausgesprochen enttäuschende Saison spielt - einfach weg wollte und inwieweit Darnold eine Verlegenheitslösung war.

Klar ist aber: Die Seahawks waren gewillt, einen drastischen offensiven Umbruch einzuleiten. Und das, obwohl sie zehn Spiele in der Vorsaison gewonnen und die Playoffs nur wegen Tie-Breakern verpasst hatten.

Denn es war nicht nur der Quarterback-Wechsel. Seattle trennte sich auch von Tyler Lockett und D.K. Metcalf, machte Jaxon Smith-Njigba zum Nummer-1-Receiver, draftete erstmals seit Ewigkeiten einen Guard in Runde 1 und tauschte den Offensive Coordinator aus.

Kann Seattle weitere Teams inspirieren?

Das ist der sehr viel interessantere Part. NFL-Teams sind in aller Regel ohnehin eher zögerlich, wenn es an tiefgreifende Veränderungen geht. Diese Bereitschaft geht fast gegen Null, wenn die Vorsaison sportlich erfolgreich war.

Nach etwa über einer halben Saison scheint Seattle mit seiner Strategie ins Schwarze getroffen zu haben. Und dieser Part ist so essenziell, weil das - sollte sich der Trend bestätigen - Seattle vielleicht vom Mittelfeld in den Kreis der Teams befördert, die einen tiefen Playoff-Run hinlegen können. Die Defensive Front ist extrem dominant, das war auch gegen Arizona am Sonntag der Wegbereiter für einen ungefährdeten Sieg, und die Offense lebt von einer Handvoll Shot Plays, die Darnold besser trifft als jeder andere Quarterback in der NFL aktuell.

Das ist noch nicht das finale Fazit hier. Dafür muss Darnold erst zeigen, dass er einen tiefen Run im Dezember, im Januar, in sich hat. Auch Offensive Coordinator Klint Kubiak wird dahingehend noch getestet werden. Wenn Playoff-Defenses ihnen nicht die Shot Plays geben - kommt dann genug von der Offense? Das ist auf den Punkt gebracht die übergreifende Frage für die weitere Seahawks-Saison.

Mittelmaß aufs Spiel zu setzen ist ein großes Risiko in der NFL. Geht das schief, kostet es Jobs. Es ist ein Risiko, das Teams, und genauer, deren Entscheidungsträger, scheuen.

Deshalb sind Teams häufig festgefahren und manövrieren sich erst, manchmal über Jahre, weiter in diese Sackgasse, ehe sie einsehen, dass dann irgendwann ein wirklich drastischer Umbruch kommen muss. Die Steelers der letzten fünf Jahre sind ein Paradebeispiel dafür. Die Colts waren so ein Team mehr oder weniger seit dem Rücktritt von Andrew Luck.

Diese Fahrwasser zu verlassen ist riskant und schwierig gleichermaßen. Und doch bin ich gespannt, ob Seattle, sollten die Seahawks einen Playoff-Run in dieser Saison hinlegen, weitere Teams inspirieren kann. Teams, die unterwegs in ähnlich problematische Gefilde sind.

Teams wie die Denver Broncos vielleicht?

THIRD DOWN: Die große Chance für die Patriots

Dass die Patriots dieses Jahr Überraschungspotenzial haben, das war keine wahnsinng gewagte Prediction. Auch bei mir waren sie ein Playoff-Team in der Saison-Prognose, weil ich viel vom Quarterback und vom Head Coach halte, der Schedule machbar aussah und dann nicht viel Fantasie dazu gehörte, sich vorzustellen, dass dieses Team neun, vielleicht sogar zehn Spiele gewinnen kann.

Was ich definitiv nicht habe kommen sehen, ist, dass die Patriots nach Woche 10 bereits acht Siege auf dem Konto haben.

Und, mehr noch, was für eine gigantische Chance sich New England hier gerade bietet: Die Patriots haben eine echte Chance darauf, nicht nur die Division zu gewinnen. Die Pats sind aktuell mein Favorit für den Nummer-1-Seed in der AFC.

Natürlich kommt ein solches Überraschungspotenzial nicht nur durch eigene Kraft zustande. Dafür müssen die Teams, die für die oberen Plätze in der Division und in der Conference gehandelt wurden, zusätzlich schwächeln.

Und das ist dieses Jahr definitiv der Fall. Die Chiefs haben am Sonntag ein massives Spiel gegen die Broncos, bei einer Niederlage wäre Kansas City im Division-Rennen der AFC West vermutlich zu weit abgehängt. Die Ravens sind im Norden mittlerweile bis auf einen Sieg an den Steelers dran, haben aber nach ihrem Fehlstart noch immer einen negativen Record.

Die Bills kommen auf keinen grünen Zweig

Und dann wären da noch die Bills, New Englands direkter Konkurrent in der AFC East.

Buffalo ist eines der frustrierenderen Teams der bisherigen Saison. Nach den Niederlagen gegen die Patriots und die Falcons, mit denen man sich in die Bye verabschiedet hatte, schien das Team nach der Pause endlich das Gesicht zu zeigen, das man von den Bills dieses Jahr erwartet hatte: Ein dominanter Sieg gegen Carolina, gefolgt von einem hochverdienten Sieg gegen die Chiefs in einem Spiel, in dem die Bills das unbestreitbar bessere Team waren.

Doch dann diesen Auftritt gegen Miami am Sonntag zu sehen, erinnerte wieder an die Version der Bills vor der Bye. Und ganz konkret an das Spiel gegen Atlanta, als es nämlich auch konstant auffällig war, wie häufig Bills-Receiver keine Separation kreierten, sodass Josh Allen entweder in kleinste Fenster werfen musste, oder gezwungen war, zu kreieren und den Ball ewig zu halten.

Wie auch schon gegen Atlanta fanden die Bills gegen Miami ebenfalls nie den Rhythmus mit ihrem Run Game. Und das erweist sich dieses Jahr als unerwartet großes Problem, während es gleichzeitig auf ein keineswegs unvertrautes Thema zurückführt: Buffalo fehlt ein echter Top-Playmaker. Ein Receiver, der in gerade solchen Spielen dann doch Separation kreiert und Defenses zum Umdenken zwingt. Diesen Spieler hat Buffalo nicht, und es wundert mich nach wie vor, dass sie hier zur Trade-Deadline nichts gemacht haben.

Machen die Patriots bereits Mitte Dezember die Division klar?

Doch das ist nur die Offense. Die Defense ist zugegebenermaßen gerade in der Front durchgehend dezimiert. Und doch sprechen wir seit Jahren über Buffalos Defense als den Teil, der das Team zurückhält.

Mit einem defensiv geprägten Head Coach, während man einen Superstar-Elite-Quarterback hat, muss man hier irgendwann die Frage stellen: Wann braucht es einen Tapetenwechsel? Damit diese Gelegenheit, so lange man Josh Allen in seiner Prime hat, nicht ohne Zählbares an den Bills vorbeigeht?

Durch die Ergebnisse vom Sonntag haben die Patriots jetzt zwei Siege mehr auf dem Konto als Buffalo. Die Bills spielen bis zum Re-Match gegen New England gegen die Buccaneers, in Houston, in Pittsburgh und gegen die Bengals. Kein leichter Schedule.

Die Patriots haben bis zum zweiten Duell mit den Bills die Jets, Bengals und Giants vor der Brust. Erledigt New England diese Pflichtaufgaben, während die Bills auch nur eines ihrer vier Spiele verlieren, könnten die Patriots mit einem Sieg gegen Buffalo die Division bereits drei Wochen vor Ende der Regular Season auch rechnerisch eintüten.

Die Formel für Playoff-Runs?

Und die Patriots selbst? Der Schedule ist leicht, das wissen wir, aber hat New England die Qualität, um diesen Run durchzuziehen? Um am Ende die 13 Siege zu knacken?

Es gibt keine Blaupause, aber wenn die folgenden drei Dinge gegeben sind, tendiere ich dazu, Teams auch im weiteren Saisonverlauf hoch zu ranken:

1. Ein Quarterback, der konstant auf Top-8-Level spielt

2. Ein Head Coach, der ein klares Plus ist

3. Eine Defense, die Spiele eng halten kann

All das haben die Patriots. Und, so absurd das mit Blick darauf klingt, wo New England vor einem Jahr stand und wie wir die anderen Schwergewichte in der AFC diskutiert hatten: Welches andere Team in der AFC hat das derzeit?

Bei den Chiefs wissen wir noch nicht genau, ob die Defense das sein kann. Und Kansas City muss sich erst einmal in den Standings hocharbeiten, mit wenig Spielraum für Fehler.

Die Bills haben sicher nicht die Defense, und vielleicht nicht den Head Coach. Vielleicht die Ravens? Die aber sind auch auf großer Aufholjagd. Die Steelers nicht, die Broncos und die Colts haben dafür definitiv nicht den Quarterback.

Drake Maye hat hier und da noch seine Würfe, die er etwas unerklärlich verfehlt. Und gegen die Falcons vor zwei Wochen hatte er mal ein paar mentale Aussetzer. Aber alles in allem spielen bisher in dieser Saison nicht viele Quarterbacks auf dem Level, das Maye in seinem zweiten Jahr an den Tag legt.

Patriots und Colts im Fernduell um den Nummer-1-Seed?

Es ist nicht auszuschließen, dass die Patriots sich am Ende mit dem anderen großen Überraschungsteam in der AFC um den Top-Seed streiten. Denn die Indianapolis Colts haben nach dem Sieg gegen die Falcons in Berlin ebenfalls bereits acht Siege auf dem Konto.

Die Colts haben jetzt aber den leichteren Part ihres Schedules hinter sich: Über die nächsten vier Spiele alleine treffen sie auf die Chiefs, Texans und Seahawks, mit einem Division-Spiel gegen Jacksonville dazwischen.

Und Indianapolis war bereits gegen Pittsburgh vor zwei Wochen nicht überzeugend, zumindest mit Blick auf das Passing Game setzte sich das gegen die Falcons fort. Die Patriots scheinen hier stabiler und haben den leichteren Schedule.

Es ist eine riesige Chance, die sich New England hier präsentiert. Dass der AFC-Weg in den Super Bowl zum ersten Mal seit Tom Brady durch Foxborough führt, ist keine unrealistische Prognose.

FOURTH DOWN: Die Jets und der interessanteste Rebuild in der NFL

Und plötzlich sind die Jets dieses Team. Das Team, das besonders viel Aufmerksamkeit in allen Mock Drafts bekommen wird. Das Team, über das am meisten bezüglich Roster-Building-Strategien gesprochen werden wird.

Das Team, das nicht nur den nächsten, sondern die nächsten beiden Drafts maßgeblich gestalten, navigieren und prägen kann.

Nachdem die Jets zur Deadline für die große Trade-Überraschung dieses Jahres gesorgt haben, hat New York jetzt jeweils zwei Picks in Runde 1 und Runde 2 im kommenden Draft, sowie drei Picks in Runde 1 2027. Zwei Erstrunden-Picks von den Colts für Sauce Gardner, ein Erst- und Zweitrunden-Pick von den Cowboys für Quinnen Williams.

Es ist mit einem Schlag der interessanteste Rebuild in der NFL, den wir für den Moment nur anhand der initialen strategischen Entscheidungen einordnen können. Die Picks, und was aus ihnen wird, sind selbstredend das, was über diese Strategie entscheiden wird. Das können wir in zwei, vielleicht erst drei Jahren ultimativ bewerten.

Deswegen steht für den Moment doch eine andere Frage im Fokus: War dieser radikale Umbruch überhaupt notwendig?

Drastische Umbrüche in der NFL sind "leichter"

Teams, die erkennen, dass sie einen drastischen Neustart brauchen und dann auch dementsprechend radikal handeln, beglückwünsche ich in aller Regel für diese Weitsicht. In der NFL geht es nicht darum, "halbwegs gut" zu werden. Niemand steigt ab, niemand muss auf seinen Tabellenplatz schauen.

Es geht darum, ein Team aufzubauen, das echtes Championship-Kaliber hat und das erfordert mitunter mutige Schritte. Man kann in Kauf nehmen, dass man über die nächsten ein bis zwei Jahre schlecht sein wird, solange man auf etwas hinarbeitet.

Wie das in der Praxis funktioniert, und wie geduldig dann insbesondere der Teambesitzer tatsächlich ist, ist eine eigene Frage. Aber es ist eine schlüssige Strategie.

Die Jets stehen 2-7 in der laufenden Saison, nachdem sie letztes Jahr fünf Siege geholt haben. Die letzte Saison mit positivem Record war 2015, die letzte Playoff-Teilnahme 2010, noch mit Rex Ryan und Mark Sanchez. Wenn ein Franchise ein paar radikale Entscheidungen gebrauchen kann, um endlich mal wieder auch im Januar relevant zu sein, dann sind es doch die New York Jets.

Oder?

Brauchten die Jets wirklich diesen Umbruch?

Es ist jedenfalls ein Argument, das man hier nicht leichtfertig abtun kann. Und eine Antwort werden wir letztlich nie bekommen, weil wir nie wissen werden, was mit dem Kern möglich gewesen wäre, den die Jets vor acht Tagen noch hatten. Aber ich würde zumindest die Frage in den Raum stellen: Brauchten die Jets zwangsläufig einen derartigen Neustart?

Sauce Gardner ist 25 Jahre alt, die Jets hatten erst im Sommer mit ihm verlängert. Quinnen Williams ist 27 Jahre alt. Das sind zwei Spieler, die auch in zwei, in drei, in potenziell vier Jahren eine relevante Rolle spielen werden. Gardner und Williams, zusammen mit Garrett Wilson, Olu Fashanu, Armand Membou, Joe Tippmann, Will McDonald und Jermaine Johnson: Das war für mich der selbst gedraftete, immer noch relativ junge Kern dieses Teams, um den herum man auch mittel- und langfristig etwas aufbauen kann.

Die Jets entschieden sich, das zumindest in Teilen einzureißen. Und hier ist das größte strategische Fragezeichen, das ich habe: War das nötig?

Werden die Jets nicht eigene hohe Picks über die nächsten beiden Jahre haben, um einen Quarterback und ein paar Receiver zu draften? Wäre es dann nicht schön, eine schlagkräftige Defense zu haben, die die Offense ergänzen und mit tragen kann? Wäre man so nicht schneller wieder kompetitiv, ohne dabei signifikant weniger nachhaltig zu denken?

Denken die Jets plötzlich Offense-first?

Vielleicht steckt noch eine andere strategische Herangehensweise dahinter. Vielleicht wollen die Jets den Fokus ihres Roster Buildings mehr auf die Offense fokussieren. New York hatte über die letzten Jahre häufig gute Defenses, kam aber nie weit, weil man keine ausreichend schlagkräftige Offense hatte. Angefangen mit dem Quarterback.

Auch Justin Fields hat dieses Jahr klar gezeigt, dass er nicht die langfristige Lösung ist. Siege wie der gegen die Browns mit einem Kickoff-Return-Touchdown und einem Punt-Return-Touchdown, ein Spiel in dem die Jets zwölf First Downs holen, sechs Pässe anbringen und 42 Net Passing Yards haben - das sind Anomalien. Solche Spiele sollte man für die Analysen in New York gänzlich ignorieren.

Falls die Jets im kommenden Draft keinen Quarterback picken wollen, weil sie entweder die Klasse nicht mögen, oder weil sie erst die Umstände weiter aufbauen wollen, werden sie in eine weitere Übergangslösung investieren müssen.

Das könnte dazu führen, dass das angesammelte Draft-Kapital jetzt intensiv in die Offense gesteckt wird.

Ehrlicherweise würde es mich wundern, wenn das die Strategie wäre, die mit einem defensiven Head Coach so gezielt vorangetrieben wird. Und Glenn ist generell ein spannender Punkt: Mit dieser Strategie setzen die Jets voll darauf, dass die nächsten beiden Draft-Klassen den Kern dieses Teams bilden werden. Damit das aufgeht, braucht es aber auch Kontinuität im Coaching Staff.

Andernfalls läuft man Gefahr, das mit all dem jetzt vorhandenen Kapital Spieler gedraftet werden, die der nächste Trainerstab gar nicht unbedingt haben will. Auch so können Umbrüche scheitern.

Jets spielen ein gefährliches Spiel

Wie schnell aus dieser schönen Idee, aus dem theoretischen Draft-Kapital, das alles werden kann - sogar All-Pro-Caliber-Spieler auf Corner oder Defensive Tackle! -, letztlich auch eine Enttäuschung werden kann, dafür muss man sich nur die Raiders anschauen.

Las Vegas hatte nach dem Khalil-Mack-Trade 2019 drei Picks in Runde 1. Clelin Ferrell und Jonathan Abram erwiesen sich als Erstrunden-Busts. Running Back Josh Jacobs war produktiv, Jacobs aber ließ man nach dem Rookie-Vertrag als Free Agent gehen.

Die Jets selbst hatten vor drei Jahren drei Picks in Runde 1 und landeten drei Volltreffer. Mit Sauce Gardner haben sie den höchsten der drei damaligen Picks jetzt weg getradet und die Zukunft in New York von Jermaine Johnson, dem dritten der drei damaligen Erstrunden-Picks, scheint zumindest ungewiss.

Vielleicht gelingen ihnen solche Draft-Erfolge über die nächsten Jahre erneut. Vielleicht gewinnen sie dann mehr Spiele damit. Ich will das nicht ausschließen, aber ich lande dabei, dass das ein sehr schwieriges Unterfangen ist. Und dass die Chance darauf, in zwei Jahren ein schlagkräftiges Team zu haben, mit dieser Trade-Deadline erst einmal kleiner geworden ist.