Wer muss gehen?
Fragen hätten sich selbst bei einem möglich Repeat gestellt. Auch dann stünden bei den Celtics für die Saison 2025/26 230,6 Millionen Dollar in den Büchern. Al Horford und Luke Kornet hätten ihre Verträge noch nicht einmal verlängert, da läge Boston bereits 22,8 Millionen Dollar über dem Second Apron. Trades, Verhandlungen, alles würde komplizierter.
Dazu kam, dass die alten Besitzer noch alle Verträge abnickten. Wie denkt Bill Chisholm, der Neue? Gestern, heute, morgen eine entscheidende Frage. Mit Gehältern und Luxussteuern müssten die Celtics auch mit Titel eine halbe Milliarde Dollar bezahlen. Auch deshalb berichtete The Athletic, sie hätten unabhängig vom Ausgang überlegt, ob sie das Team zusammenhalten können - und wollen.
Nun ist ohnehin alles anders. In Spiel vier der zweiten Runde gegen die Knicks riss Jayson Tatums Achillessehne. Wobei die Celtics das Aus bereits zuvor eingeleitet hatten. Obwohl Tatum eines seiner besten Playoff-Spiele spielte, hätten die Knicks Spiel 4 womöglich auch mit ihm gewonnen. Das 1-3-Loch. Boston hätte sich wohl auch so hineingegraben.
Gründe für das Celtics-Aus gegen die Knicks
Ohne New Yorks Leistung auch nur einen Millimeter nehmen zu wollen, zu dieser Überraschung gehörten zwei. Die Knicks, weil sie mit den Celtics besser umgingen als erwartet, weil sie nie aufgaben, mit Jalen Brunson den besten Closer der Serie hatten und Bostons Probleme eiskalt nutzten. Die Celtics, weil sie diese Probleme verstärkten, weil sie sich locken ließen und die Ruhe verloren.
Theoretisch prägt Teams, die gerade eine Meisterschaft gewonnen haben, die Gewissheit, zu verstehen, was im Zweifel zu tun ist. Boston warf in Spiel 1 dagegen 60 Mal von draußen, obwohl nichts fallen wollte; ließ sich von New Yorks Switching in der Defense zu sehr in Eins-gegen-Eins-Duelle locken, bewegte Spieler und Ball zu selten - oder verfiel zurück in eine Isolation-lastig Offense, wenn es eng wurde. Die Celtics konzentrierten sich zu sehr auf einen Teil ihrer Identität, während sie einen anderen in der Ecke parkten.
Boston gilt als die Blaupause maximal dreierlastiger Offenses. Was die Warriors einst begannen, so häufig die Wahrnehmung, treibt Coach Joe Mazulla auf die Spitze. Wer eine gewisse Anzahl Dreier trifft, scort mehr als der Gegner. Mazulla mag Wahrscheinlichkeiten. Daher der zweite große Fokus von Bostons Offense: das Finden und Ausnutzen von Mismatches. Mit Brunson und Karl-Anthony Towns schienen die Celtics zwei ausgegraben zu haben. Nur schlugen sich die beiden besser als erwartet. Bostons Offense stagnierte, nahm den Faden zu selten wieder auf, wenn sie ihn einmal verlor.
Dabei spielen die Celtics in ihrer besten Form eigentlich dynamischen Basketball, setzen Defenses durch ihre Mischung aus Driving, Shooting und diversen Scoring-Optionen multidimensional unter Druck. Gegen die Knicks gelang genau das zu selten. Gut möglich also, dass der Meister auch gescheitert wäre, hätte sich Tatum nicht die Achillessehne gerissen. Für diesen Fall hätten sich die Celtics zurückgezogen, Schlüsse gezogen, gelernt und zur neuen Saison frisch angegriffen. Vielleicht hätte sich am Kader einiges getan. In jedem Fall hätte Boston zu den Favoriten gezählt. Nun ist alles anders.
Boston ohne Tatum? Liga bereitet sich auf Veränderungen vor
Rund ein Jahr wird Bostons Bester ausfallen. Ein langer Weg in Richtung alter Stärke dürfte folgen. Wie nahe Tatum ihr kommt, weiß angesichts der Schwere der Verletzung niemand. Aus einem äußerst teuren Team, das immerhin beste Meisterschaftsaussichten besitzt, wurde für den Moment ein äußerst teueres Team, das womöglich ins Play-in muss, um sich überhaupt für die Playoffs zu qualifizieren.
"Ich kann euch sagen, dass sich der Rest der Liga auf gewisse Veränderungen am Celtics-Roster in der Offseason vorbereitet", sagte ESPN-Insider Shams Charania in der Pat McAfee Show. "Quellen verraten mir seit Wochen, dass die Celtics Trade-Möglichkeiten ausloten werden."
Bostons Spar-Idee und ihre Hindernisse
Ohne Titelaussichten wäre mindestens verständlich, sollte sich Boston aus dem Second Apron verabschieden wollen. Dafür müsste mindestens ein Starter gehen. Peilen die neuen Besitzer zudem einen Abschied von der Luxury Tax an, bräuchte Boston ein noch größeres Gehaltsminus. Eine kurze Übersicht der Großverdiener über die kommenden Jahre:
Ansatzpunkte, um große Gehälter mit einem Deal weiterzugeben, gibt es also. Nur haben diesen Sommer kaum Teams wirklich Cap Space - sprich, können große Verträge nicht einfach aufnehmen. Entsprechend benötigt es Trade-Konstrukte mit mehreren Teams, oder Boston müsste Gehalt zurücknehmen. Die Ersparnisse fielen geringer aus oder in die Zukunft, wenn eventuell kürzere Verträge auslaufen.
Niemand unantastbar? Auch nicht Jaylen Brown
Gleichzeitig verkünden Insider nahezu einhellig, dass außer Tatum kein Starter unantastbar sei. Nicht Holiday, nicht Porzingis, nicht White, nicht einmal Brown. Gerade bei White sowie beim Finals MVP von 2024 bräuchte es jedoch ein äußerst verlockendes Angebot, um die Celtics von einer möglichen Idee zu überzeugen, heißt es.
Für Brown brachte Chris Mannix von Sports Illustrated kürzlich die Spurs ins Spiel. Dass San Antonio sowohl den zweiten Pick im kommenden Draft als auch junge Spieler anbieten könnte, passt für Mannix ins Bild. Kompliziert wäre ein Geschäft dennoch. Zumal es auch interessant sein könnte, Brown über eine gesamte Saison als erste Option zu begutachten.
In drei Spielen ohne Tatum kam er während der Playoffs auf 27,3 Punkte, 8 Rebounds und 7,7 Assists - und das mit einem gerissenen Meniskus. Womöglich entfesselt eine neue Gelegenheit sogar etwas. Mit Brown verlören die Celtics zudem einen vielseitigen Star und Leader, jemanden, den sich Teams durchaus wünschen, wenn sie ihn nicht haben.
Es hätte vor allem finanzielle Gründe - und wäre gerade mit Blick auf die finanziellen Restriktionen des Collective Bargaining Agreement gleichzeitig verständlich -, sollte Boston bei einem hervorragenden Angebot schwach werden. Die Wahrscheinlichkeit lässt sich schwer beziffern. Ähnlich wie bei White.
Trade-Sitationen um White und Holiday
Der Guard zählt zu den smartesten Spielern und besten Verteidigern der Liga, traf gegen die Knicks zudem 40 Prozent seiner Dreier. Im Sinne von Suns-Besitzer Matt Ishbia: 29 Teams hätten gern Derrick White. Zumal sein Vertrag für eine dritte Option zwar groß, aber nicht komplett irrational ist.
Entsprechend gelten derzeit vor allem Porzingis und Holiday als Trade-Kandidaten. Letzterer, weil er in der Regular Season 20 Spiele verpasste und so wenig scorte wie seit seiner Rookie-Saison nicht mehr (11,1 Punkte). Weil der Dreier nur solide fiel (35,3 Prozent) und sowohl Scoring als auch Shooting in den Playoffs noch einmal etwas absackten (9,5 Punkte, 34,6 Prozent 3FG). Weil er zudem 35 Jahre alt ist und in den kommenden drei Jahren noch 104,4 Millionen Dollar verdient.
Als herausragender Defender hat Holiday potenziell weiter große Bedeutung für Finals-Contender. Wenngleich ihm Brunson während der Playoffs durchaus Probleme bereitete, und Boston schielt für den Moment nicht mehr Richtung Finals. Laut Insider Matt Moore vom Action Network peilt Boston für Holiday dennoch einen First-Round Pick sowie eine Gehaltsreduktion an. Als mögliche Interessenten gelten die Magic und Mavs, beide auf der Suche nach Point Guards.
Dallas hat mit Daniel Gafford zudem einen Center, der Bostons Lücke auf den großen Positionen füllen könnte, sollte Horford seine Karriere beenden, Porzingis wechseln (dazu gleich mehr) und Kornet anderweitig unterschreiben. Gleichzeitig müsste Mazulla seine Idee anpassen. Ein fünfter Schütze, der gleichzeitig den Ring beschützen kann, ist Gafford nicht. Sein Wurf ist kaum existent, dafür rollt er hart Richtung Ring.
Boston Celtics: Kommt ein Porzingis-Trade?
Theoretisch passt Porzingis weiter optimal ins Bild. Gleichzeitig könnte sein auslaufender Vertrag andere Teams dazu veranlassen, trotz der schwachen Playoffs und mysteriösen Infektion einen genaueren Blick zu riskieren. Dass er es eigentlich noch kann, bewies das Finale der Regular Season. 22,3 Punkte, bei 6,9 Rebounds, 1,3 Blocke, 53,9 Prozent FG und 46,2 Prozent 3FG legte Porzingis auf. Mit dem Letten machten die Celtics in der Phase pro 100 Ballbesitze 19,2 Punkte mehr. Gerade die Warriors, aber auch die Magic könnten interessiert sein.
Wer geht, wer kommt, bleibt in der Schwebe. Nur die Veränderung gilt als sicher. Vielleicht leitet Boston den großen Rebuild ein, tradet zwei Starter, eventuell sogar Brown. Vielleicht re-toolen die Celtics, geben Holiday ab und verpflichten einen Center, der ihrem Spiel eine neue Dimension gibt. Talent sollten sie weiterhin haben.
"Wir werden ein gutes Team zusammenstellen", sagt Payton Pritchard, dessen Rolle in jedem Fall wachsen sollte. Er glaube, "einzelne werden ihr Spiel auf ein neues Level heben, größeren Rollen haben, gerade ohne JT (Jayson Tatum, Anm. d. Red.), bis er zurückkommt. Sie sollten die Situation voll nutzen und bereit sein für die Gelegenheit. Wir werden da sein." Eine der wenigen Fragen, die sich wohl nicht stellt.
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