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Diven, Drogen und zwei Deutsche mittendrin: Wie das erste große Mavs-Team auseinanderfiel

kicker

Ein lausiger Sieg fehlte, um sich in die Geschichtsbücher einzutragen. Nun, fünf, wenn man es genau nimmt - so viele Siege hätte es zur Meisterschaft gebraucht. Mit einem weiteren Erfolg hätte es aber wenigstens bereits für die Finals gereicht, für eine Art von Legitimation dieses Teams. Für ein Duell mit Detroit, das bis dahin auf dieser Bühne selbst noch unerprobt war.

Im erst achten Jahr ihrer Existenz waren die Mavericks kurz davor, ein legendäres Lakers-Team davon abzuhalten, ein legendäres Versprechen ihres Coaches zu halten (im Sommer zuvor hatte Pat Riley einen Repeat angekündigt). "Ich werde immer noch wütend, wenn ich darüber nachdenke, weil wir diese Serie wirklich hätten gewinnen können", ärgerte sich Norm Sonju, ein Co-Founder und der damalige General Manager der Mavericks, noch über 30 Jahre später.

Es ist nur verständlich - schließlich wusste Sonju, was danach geschah. Wie schnell Game 7, in dem Dallas drei Viertel lang gut mithielt, in Vergessenheit geriet. Wie schnell dieses Team, das so nah an etwas Großem gewesen war, danach auseinanderfiel. Und wie lange es dauerte, bis Dallas wieder in irgendeiner Form relevanten NBA-Basketball erleben sollte.

1988 konnte natürlich noch niemand ahnen, dass diese Western Conference Finals bis in die 2000er Jahre hinein der unangefochtene Höhepunkt der Franchise-Geschichte sein würden.

Launische Diva

Lange hatte es die Mavs damals noch nicht gegeben. Immerhin aber lang genug, um sich einen gewissen Ruf zu "verdienen": Ab ca. 1983/84 galt Dallas als recht gut und talentiert, als Playoff-Kandidat beziehungsweise -Teilnehmer, aber auch als unterm Strich harmlos, weil, "soft". Erst recht nach 1987, als die Mavs 55 Siege holten und einen Franchise-Rekord aufstellten, dann aber prompt in Runde eins als 2-Seed gegen Seattle mit 1-3 die Segel strichen.

Den Mavs haftete zudem etwas Divenhaftes an. Was viel mit ihrem damals besten Spieler zusammenhing, Mark Aguirre, der 1981 als Nr.1-Pick zu ihnen gekommen war und seither eine intensive Hassliebe mit Head Coach Dick Motta pflegte. Die oft und gerne medial ausgetragen wurde und mit zunehmender Zeit nicht unbedingt in die Richtung der positiven Seite pendelte.

Wobei die Beziehung von Beginn an toxisch daherkam. "Für mich war klar, dass vor Saisonende einer von uns beiden sterben würde", sagte Motta mal über Aguirre - in dessen Anfangszeit. Der Forward war zwar eine absolute Scoringmaschine, aber nie unumstritten; mehrfach forderte er innerhalb seiner ersten sieben Jahre einen Trade, mehrfach waren die Mavs kurz davor, ihn tatsächlich wegzuschicken.

Stattdessen war es im Sommer 1987 Motta, der das Team verließ. Der damit die Tür für John MacLeod öffnete - und für einen weiteren Versuch, mit Aguirre als Kernstück im großen Stil zu gewinnen. Wobei die Mavs damals schwerlich bloß aus ihm bestanden.

Tief auf allen Positionen

Im Gegenteil: Der 87/88er Kader war tief, gespickt mit Namen, die Fans auch heute noch bekannt sind. All-Stars wurden damals Aguirre und Center James Donaldson, obwohl dieser über die Saison lediglich 7 Punkte und 9,3 Rebounds auflegte (hey, es waren andere Zeiten …).

Die verlässlichsten Spieler des Teams indes waren Derek Harper und Rolando Blackman, die über Jahre Dallas‘ Backcourt bildeten (Blackman wurde in vier anderen Jahren ebenfalls All-Star). Im Frontcourt beschäftigte das Team Sam Perkins, der zwar erst später zum Stretch-Big wurde, dafür aber zu den stärkeren Verteidigern der Liga zählte.

Von der Bank kamen unter anderem Roy Tarpley, das größte Talent des Teams, das 87/88 Sixth Man of the Year wurde (13,5 Punkte, 11,8 Rebounds, 1,1 Blocks), und ein junger Detlef Schrempf, der da noch auf seinen Durchbruch wartete (8,5 Punkte). Mit Uwe Blab hatte er in Dallas einen deutschen Weggefährten, dessen Beitrag aber überschaubar blieb (2,2 Punkte).

Es waren nicht die Showtime-Lakers oder die Bird-Celtics. Ein sehr talentiertes, sehr tiefes Team hatten die Mavericks dennoch mittlerweile zusammengestellt. Was sie mit 53 Siegen und der drittbesten Offense der Liga auch durchaus unter Beweis stellten.

Kein Ärger mehr

Für ihre Verhältnisse legten die Mavs eine harmonische Saison hin, auch die Artikel über Aguirre waren erstmals in dessen Karriere weitestgehend positiv gefärbt, zeugten von einem "geläuterten" Superstar. "Ich habe jetzt einen Coach, der hinter mir steht, statt jeden Tag einen Grund zu suchen, um mich fertigzumachen", stichelte dieser noch einmal in Richtung Mottas.

Auch in den Playoffs funktionierte das Team endlich einmal gut. Die Rockets wurden in Runde eins eliminiert (3-1), danach waren die Nuggets dran (4-2), ehe das Matchup mit den Showtime-Lakers anstand. Ein Team, das die Mavs "haben" wollten, auch um ihren eigenen Ruf endlich mal zu korrigieren.

"Wir haben den Ruf, Schwächlinge zu sein", sagte MacLeod während der Serie. "Wir versuchen gerade sozusagen, die Leiter der NBA hochzuklettern, respektabel zu werden." Das gelang unterm Strich recht gut - immerhin gewannen die Mavs all ihre drei Heimspiele. In Los Angeles war allerdings nichts zu holen (die Spiele gingen mit 15, 22, 17 und 15 Punkten verloren).

Überraschung für alle

Dennoch - für die Mavs war es schon ein Erfolg, überhaupt so weit zu kommen. "Als wir sie in ein siebtes Spiel gezwungen haben, waren sogar wir selbst überrascht, schätze ich", erinnerte sich Perkins mal. Die Lakers fühlten sich wohl auf dieser Bühne - das Team um Magic Johnson, Kareem Abdul-Jabbar und James Worthy hatte in den Achtzigern bereits vier Titel gewonnen.

Der Unterschied zeigte sich, spätestens in Game 7. "Ich erinnere mich daran, dass Game 7 über drei Viertel eng war, und dass dann Magic im vierten Viertel die Kontrolle übernommen hat", erinnerte sich Backup-Guard Brad Davis später. Die Kombination aus Magic (24 Punkte, 11 Assists, 9 Rebounds) und Worthy (28, 7 und 7) erwies sich für die Mavs als zu stark.

So nah dran wie in diesem Jahr waren sie zuvor dennoch nie gewesen, das langsam alternde Superteam zu entthronen (Kareem war 40). Was eigentlich ja durchaus ein Grund hätte sein können, mit breiter Brust in die Zukunft zu blicken. Nicht so allerdings in Dallas.

Nichts geläutert

Unmittelbar nach dem Playoff-Aus wurde ein Artikel in der Dallas Morning News veröffentlicht, der der Theorie des geläuterten Aguirre nicht entsprach. "Quellen zufolge hat Mavericks-Coach John MacLeod mehreren Executives des Teams privat gesagt, dass, im Sinne von Team-Harmonie und einer guten Einstellung, das Team in der Offseason Aguirre traden muss, wenn es die NBA Finals erreichen will."

Autsch. Es ist nicht einwandfrei zu ergründen, was genau diesen Sinneswandel bei MacLeod ausgelöst hatte, ob es etwa daran lag, dass Aguirre im vierten Viertel von Spiel 7 über Schmerzen an zwei Fingern klagte und für einige Minuten draußen saß. In jedem Fall hing der Haussegen spätestens ab da wieder schief, auch wenn Mavs-Besitzer Don Carter, ein riesiger Aguirre-Fan, den Wunsch des Trainers ablehnte.

Es dauerte indes nicht lange, bis Carter der letzte verbliebene Aguirre-Freund in Dallas war. Der Start in die neue Saison verlief suboptimal, Anfang Januar verlor Dallas sechsmal in Serie und stand danach bei 17-16. Aguirre legte sich mit seinen Mitspielern und den Fans an, die ihn zeitweise ausbuhten. Als Dallas ihn Mitte der Saison tatsächlich tradete, atmeten viele auf.

"Mark konnte ein Spiel dominieren, wenn er wollte, aber nur dann", erklärte Blackman damals. "Du kannst deine Teammates nicht hängen lassen, und das hat er bei uns oft getan." Perkins wurde noch deutlicher: "Heute sollte den ganzen Tag gefeiert werden, weil er weg ist. Viel Glück an Detroit, denn ihr werdet es brauchen."

Ein Desaster nach dem anderen

Detroit hatte das Glück tatsächlich. Mit Aguirre gewann das Team, das 1988 noch in Spiel 7 der Finals den Lakers unterlegen war, die nächsten beiden Meisterschaften. Adrian Dantley dagegen, den Dallas aus Detroit zurückbekam, blieben noch 86 Spiele bis zum Karriereende, 76 davon bei den Mavs. Es war nicht der einzige Deal, der nicht gut alterte.

Auch Schrempf wurde während dieser Spielzeit abgegeben, wechselte mit einem künftigen Zweitrundenpick (aus dem Antonio Davis wurde) für Herb Williams nach Indiana - wo er schnell zum Star wurde, als er endlich konstant die Chance dazu bekam. Und trotzdem waren diese beiden Trades langfristig nicht die größten Desaster dieser Mavs-Spielzeit.

Diesen Part übernahm Tarpley. Der schon am College Probleme mit Kokain gehabt hatte, die nur vertagt, nicht gelöst worden waren. Der Big Man wurde rückfällig, gesperrt, kehrte wieder zurück, wurde wieder rückfällig, und so ging es über die nächsten Jahre weiter. 19 Spiele machte er 88/89, dann 45, dann 5 - und dann wurde er für knapp vier Jahre gesperrt. Auch das nächste Comeback in der 94/95er Saison musste frühzeitig wieder beendet werden.

Am Ende war Tarpley einer der verlorenen Fast-Stars der Liga-Geschichte. Die Leistungen waren nie das Problem: In seiner "Prime" war Tarpley für 17 und 12 gut, in der Lakers-Serie legte er ein 21-20-Spiel hin, als Bankspieler. Seine Sucht wurde er indes nie so richtig los, auch wenn er in Europa noch einige Erfolge feiern sollte (Tarpley starb im Alter von 50 an Leberversagen).

Ein giftiger Mix

Am Ende zeigte sich: Talent hatten die Mavs dieser Zeit tatsächlich jede Menge. Aber der Mix war wohl zu volatil, um lange zu funktionieren. Was auch die Sticheleien, die Aguirre von Detroit aus später nach Dallas schickte, bloß noch weiter unterstrichen.

"Vielleicht wären die Dinge besser gelaufen, wenn wir mehr wie eine Familie gewesen wären, statt uns von den Medien auseinander reißen zu lassen", so der dreimalige All-Star. "Jedes Problem, das ich in Dallas jemals hatte, wurde überproportioniert dargestellt. Das einzige, was an den Dallas Mavericks jemals interessant war, waren meine Probleme."

Auch eine Sichtweise. Kaum zu glauben, dass es trotz allem beinahe zur sportlichen Unsterblichkeit gereicht hätte. Und dass dafür bloß ein lausiger Sieg fehlte.

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