Aus Memphis berichtet Amadeus Wolff.
Die Stimmung war ausgelassen in der Kabine der Oklahoma City Thunder nach dem zehnten Sieg im elften Spiel der noch jungen NBA-Saison. Laut wurde hin und her geflachst, mittendrin: Shai Gilgeous-Alexander, aber auch Isaiah Hartenstein. Bei den Memphis Grizzlies hatte die Mannschaft von Mark Daigneault in der ersten Hälfte teilweise mit bis zu 19 Punkten zurückgelegen und am Ende die Partie gerade wegen des starken SGA dann doch wieder für sich entschieden.
Hartenstein hatte mit einem Double-Double aus 18 Punkten und 13 Rebounds ebenfalls großen Anteil gehabt, bei einer erneut starken Quote aus dem Feld (8/11). Nach dem Spiel nahm sich der Big Man der Thunder in der Kabine Zeit für ein kurzes Exklusivgespräch mit basketball-world.news.
Starke Stats: Coach Daigneault adelt Hartenstein
"Klar können wir noch besser spielen, aber nach einer für uns so kurzen Offseason so zu starten, ist schon gut", betonte Hartenstein. Der in Quakenbrück ausgebildete Big Man spielt statistisch die bislang beste Saison in acht Jahren NBA: 13,4 Punkte, 11,8 Rebounds, eine Feldwurfquote von 68,5 Prozent und ein durchschnittliches +/-Rating von +8,6.
Bereits vor der Partie im FedEx-Forum hatte sich - wenig verwunderlich nach Hartensteins Sahnetag im vorherigen Spiel bei Dennis Schröders Sacramento Kings, bei dem der 27-Jährige mit 33 Punkten ein Career-High aufgelegt und sich zusätzlich 19 Rebounds geschnappt hatte - vieles um den Deutschen gedreht. Coach Daigneault hatte Hartenstein beim Pressegespräch kurz vor Tip-Off für seinen "hervorragenden Instinkt" geadelt - der 27-Jährige bedankte sich mit zwei schnellen Dunks nach guten Cuts zu den ersten vier Thunder-Punkten und hatte am Ende sein sechstes Double-Double der noch jungen Spielzeit aufgelegt.
Harden, Brunson, SGA: Erfahrung macht Hartenstein wertvoll
Besonders als Blocksteller im Pick and Roll wird seine Rolle von vielen Experten immer wieder hervorgehoben, so auch von Daigenault: "Er hat ein großartiges Gefühl für Nuancen bei seinen Blöcken, die er stellt", erklärt der Meistercoach.
Dabei komme ihm auch seine Erfahrung von mittlerweile sechs Stationen in der Liga zugute: "Er hat mit Harden gespielt, mit Brunson, jetzt mit Shai. Er hat mit Westbrook gespielt, glaube ich. Er hat mit all diesen verschiedenen Spielertypen gespielt, die verschiedene Blöcke benötigen, um Platz zu bekommen."
Seine Rolle sei es eben, "das Leben für meine Mitspieler einfacher zu machen", betont Hartenstein und stimmt seinem Trainer zu: "Das Besondere, wo ich jetzt bei vielen Teams gespielt habe, ist, dass ich mit vielen verschiedenen Ballhandlern gespielt habe und da viel gelernt habe."
Hartenstein über EM-Titel: "Riesen Job für deutschen Basketball"
Nachdem Hartenstein im Sommer als erst zweiter Deutscher überhaupt einen NBA-Titel gewonnen hatte, waren auch die Rufe nach einer Rückkehr in die Nationalmannschaft, für die er letztmals vor über sieben Jahren aufgelaufen war, aufgekommen. Wegen Problemen mit der Achillessehne hatte der Big Man letztlich aber doch abgesagt und mit dem EM-Titel eine zweite Trophäe des Jahres verpasst: "Ich wollte auf jeden Fall mitspielen. Sie haben sehr gut gespielt und einen tollen Job für den deutschen Basketball gemacht."
Beim nächsten Turnier, der WM 2027 mitzuspielen, sei weiter das Ziel: "Wenn sie eine Rolle für mich haben, spiele ich auf jeden Fall." Immer mal wieder gebe es Kontakt zu einigen Spielern, auch zu Kapitän Schröder: "Mit Dennis verstehe ich mit gut", betont Hartenstein und lobt auch die "gute Chemie" im DBB-Team.
Hartenstein: "Wäre als junger Spieler in Ulm geblieben"
Mit einigen jungen Deutschen am College, die lukrative NIL-Verträge unterschrieben haben, steht die nächste Generation des deutschen Basketballs aber schon in den Startlöchern. Und auch Hartenstein will als Anteilseigner in Ulm mithelfen, junge Spieler zu fördern wie Noa Essengue oder Ben Saraf, die im Sommer den Sprung in die NBA geschafft haben: "Dort früh eine große Rolle zu haben, viel zu spielen und sich zu entwickeln, das gab es früher so noch nicht", erklärt er: "Hätte es so eine Situation gegeben, wäre ich auf jeden Fall als junger Spieler noch in Ulm geblieben."
Bekanntlich führte sein Weg in die NBA über Zalgiris Kaunas. Ob man Hartenstein zum Ende der Karriere dann aber im Ulmer Trikot sehe, ähnlich wie es Schröder bei seinem Verein Braunschweig vorhat? Offen. Bislang steht in seiner Vita ein einminütiger BBL-Einsatz: Als 16-Jähriger im Februar 2015 für die Artland Dragons gegen Bremerhaven. Gut möglich, dass vorher erstmal zu den 19 Länderspielen noch welche dazukommen.
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