Fehlercode: %{errorCode}

Hohes Risiko zu hohem Preis: Orlando geht in den "Win-Now-Modus"

kicker

Knapp ein Jahr lag (vor Sonntag) der letzte Trade der Orlando Magic zurück. Am 27. Juni 2024 tradeten die Veranwortlichen den soeben gedrafteten Antonio Reeves zu den New Orleans Pelicans. Ein Tauschgeschäft, was den allermeisten wohl entgangen sein dürfte. Und dennoch ist genau das sinnbildlich für die Aktivitäten der Franchise in dieser Dekade.

Zwei Trades (inklusive Reeves) brachte Orlando in den vergangenen drei Jahren zustande und entzog sich in dieser Zeit vehement dem ansonsten ligaweit vonstatten gehenden Spektakel. Viel mehr setzten die Magic auf Kontinuität und die Entwicklung ihrer eigens ausgewählten Talente.

Und der Prozess schien aufzugehen: Nachdem man die Saison 2021/22 auf dem letzten Tabellenplatz beendete, dauerte es nur zwei Jahre bis Orlando in die Top 6 des Ostens zurückkehrte. In der jüngst abgelaufenen Saison folgte jedoch - auch aufgrund massiven Verletzungspechs - die Ernüchterung: Mit sechs Siegen (41) weniger verpassten die Magic die erneute direkte Playoff-Teilnahme. In der Postseason war dann trotz engagierter Leistung gegen die Boston Celtics nichts zu holen.

Doch anstelle der gewohnt besonnen Art, reagierten die Magic mit einer Kehrtwende in ihrer Philosophie. "Wir sind jetzt im Win-Now-Modus und entsprechend werden wir handeln", tönte Präsident Jeff Weltmann direkt nach dem Ausscheiden. Die Schonfrist des jungen Teams war abgelaufen - und ebenso die Zeit zweier Spieler im Team.

Bane adressiert größte Schwachstelle Orlandos

Völlig überraschend gab ESPN-Insider Shams Charania am Sonntag bekannt, dass Orlando Desmond Bane von den Memphis Grizzlies verpflichtet habe. Im Gegenzug schickt die Franchise Cole Anthony, Kentavious Caldwell-Pope, vier Erstrundenpicks sowie einen Pick-Swap an Trainer Tuomas Iisalo.

Der Trade macht klar: Die Orlando Magic wollen gewinnen - und zwar sofort! Ganz nach dem von Präsident Weltmann angekündigten Motto.

Die Ergänzung von Bane ergibt dabei auf einer sportlichen Ebene auch eine Menge Sinn. Der 26-Jährige zählt zu den besten Two-Way-Guards der Liga. Defensiv wurde Bane bei den Grizzlies regelmäßig auf die besten Gegenspieler angesetzt. Seine Athletik und muskulöse Statur sind in der Eins-gegen-Eins-Verteidigung nur schwer zu kontern. Damit ist er eine tolle Ergänzung für eine der ohnehin schon besten Defensiven der Liga, die wenn überhaupt nur Schwächen im Backcourt aufzuweisen hatte.

Noch viel wichtiger wird jedoch Banes Einfluss am offensiven Ende sein. Mit lediglich 11,6 getroffenen Dreiern pro Spiel rangierten die Magic hier auf Platz 30 der NBA. In den sechs Playoff-Spielen gegen Boston sackte diese Zahl sogar auf 8,4 Distanztreffer pro Spiel ab. Die Problemanalyse dürfte die Verantwortlichen also nicht lange beschäftigt haben.

Magic bezahlen hohen Preis für Bane

Bane trifft über seine Karriere hinweg 41 Prozent seiner Dreierwürfe. Bei Catch-and-Shoot-Versuchen sind es sogar über 43 Prozent. Auf dem Papier bringt er Orlando dringend benötigtes Shooting, womit er den beiden primär in der Zone agierenden Stars Franz Wagner und Paolo Banchero mehr Platz verschaffen soll.

Soweit so gut. Der Spieler passt durchaus gut zur Mannschaft. Doch ist er auch diesen Preis wert gewesen?

Mit Kentavious Caldwell-Pope verabschiedeten die Magic ihren eigentlichen Hoffnungsträger auf der Guard-Position nach nur einer Saison. Erst im Sommer 2024 hatte man den zweifachen NBA-Champion mit einem Dreijahresvertrag über 66 Mio. Dollar ausgestattet. Am Saisonende lag der Veteran allerdings in nahezu jeder Statistik unter seinem Karriereschnitt. Eine Trennung war absehbar - allein um das hohe Gehalt einzusparen.

Schmerzhafter scheint, dass Orlando ihr halbes Draft-Arsenal für diesen Trade plündern musste. Bis 2031 standen der Franchise acht Erstrundenpicks zu. Nun sind es nur noch vier, wobei zwei davon den ungünstigeren Pick-Swap enthalten.

Bane-Trade verschärft Gehälter-Problematik

Der Trade birgt in dieser Hinsicht ein großes Risiko. Zwar hat man in Bane die größte Schwachstelle des Teams adressiert, ob dieser eine Spieler jedoch alle Probleme lösen wird, darf angezweifelt werden. In der vergangenen Saison steuerte er für die Grizzlies schließlich nicht mehr als 2,3 Dreier pro Partie hinzu. Für potenziell weitere (notwendige) Trades ist der Handlungsspielraum nun auf einen Schlag stark geschrumpft.

Das liegt nicht zuletzt auch am neuen finanziellen Status Quo der Magic. Banes neuer Fünfjahresvertrag setzt in der kommenden Spielzeit mit 36 Mio. Dollar Salär ein - ein leichtes Plus gegenüber dem Duo Caldwell-Pope/Anthony. Damit verschärft der Trade ein weiteres schwelendes Problem der Magic.

Sollte man von allen vier Team-Optionen im Sommer Gebrauch machen (Moritz Wagner, Gary Harris, Caleb Houstan, Cory Joseph), läge die Franchise in der nächsten Saison mit 8,4 Millionen Dollar über dem First Apron. Das hätte starke Einschnitte in ihrem Gestaltungsspielraum zur Folge. Damit das nicht passiert, wird sich wohl mindestens ein Spieler dieses Quartetts bald als Free Agent wiederfinden.

Orlando Magic: Alle Verträge und Gehälter im Überblick

Die neue "Big Three" mit Wagner, Banchero und Bane muss also gewinnen - weil es die Bosse fordern, und weil ein Plan B kaum umsetzbar ist.

"Weiß, dass ich gut bin": Moritz Wagner unbeeindruckt wegen anstehender Free Agency

Franz Wagner gibt Zusage für EM im Sommer