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Kernkompetenz eines Topteams: Auch mal "hässlich" gewinnen

kicker

Aus Riga/Lettland berichtet Julius Ostendorf.

In ihren fünf Gruppenspielen ließen die deutschen Basketballer keinen Raum für Zweifel. Alle Partien gewann man - und das auch deutlich. Im Schnitt mit 32,5 Punkten Vorsprung. Besonders beeindruckend dabei: Spiel für Spiel behielt das DBB-Team den Fuß auf dem Gaspedal. Dem rekordverdächtigen 63-Punkte-Sieg gegen Großbritannien, das darf man nicht vergessen, waren ja schon drei Blowout-Siege vorausgegangen.

Dabei stellte man sich bereits während der Vorrunde fortwährend die Frage: Wann kommt es, dieses eine Spiel, dieser eine Ausreißer nach unten? Es liegt nun einmal in der Natur des Menschen, nicht immer 100 Prozent liefern zu können. Umso beeindruckender, dass es der deutschen Nationalmannschaft fünfmal in Folge gelungen war.

Wider Erwarten gab das Achtelfinalspiel gegen Portugal dann eine doch recht zeitnahe Antwort auf diese Frage. Über drei Viertel tat sich das DBB-Team gegen den klaren Underdog ungemein schwer und fand erst im Schlussviertel, angeführt vom starken Maodo Lo, zurück in seinen Rhythmus.

Lo bringt die Wende gegen Portugal

"Wir spielen so, wie wir spielen wollen", erklärte Tristan da Silva nach dem Einzug ins Viertelfinale. "Wir sind nicht zu sehr darauf fokussiert, ob der Ball jetzt reingeht oder nicht. Wir werden auch dann weitermachen, wenn die Dinger mal nicht fallen." Und das war auch dringend notwendig. Bis zu Los Dreier gegen Ende des dritten Durchgangs hatte Deutschland nur einen Distanzwurf versenkt und bis dato 22 Versuche in Folge verfehlt.

"Lo hat dann endlich ein paar Würfe für uns getroffen und uns in Rollen gebracht", erklärte Franz Wagner, der seinerseits mit aggressiven Drives zum Korb für einen Großteil der deutschen Punkte in der ersten Hälfte gesorgt hatte. "Dafür ist man eine Mannschaft."

Tatsächlich war es dem DBB-Team über mehr als 30 Minuten ungemein schwergefallen, die Offensive so zu gestalten, wie in den fünf Partien zuvor. Portugal verlangsamte das Spiel über weite Strecken sehr erfolgreich, ging dabei teils auch sehr physisch zu Werke. Neun Minuten vor Ende versenkte Lo dann seinen zweiten Dreier, kaum eine Minute später auch den dritten, welcher spätestens jetzt den portugiesischen Widerstand brach.

Ibrahimagic: "Wichtig, dass wir auch hässlich gewinnen können"

"Das beste an dieser Mannschaft ist, dass so viele Spieler ihren Teil leisten können", merkte Interimstrainer Alan Ibrahimagic an. "Wir haben es schon in der Gruppenphase gesehen, dass immer jemand anderes nach vorne getreten ist und die Punkte erzielt hat. Heute war Lo an der Reihe."

Positiv lässt sich aus dem Achtelfinalsieg ebenfalls mitnehmen, dass Deutschland ruhig geblieben ist. Körpersprache und Würfe waren zunächst sicher nicht das, was man von der Mannschaft kennt, doch der Glaube ging nie verloren. "Es ist wichtig, dass wir auch hässlich gewinnen können", so Ibrahimagic weiter. "Diese Mannschaft ist schon so lange zusammen und weiß mit jeder Situation umzugehen - besser noch als die Coaches eigentlich."

Nach den 23 in Folge verworfenen Dreiern, versenkten die DBB-Jungs bis zur Schlusssirene 9/12 Versuche von jenseits der äußeren Linie. Dass vierte Viertel gewann man mit 33:7, das Spiel mit +28. Ein erfolgreicher Abschluss des - womöglich - einen zu erwartenden Außenreißers nach unten.