Nach durchwachsenen ersten Saisonmonaten ging es zum Jahresbeginn sportlich bergauf für die Warriors. Acht Siege aus den ersten elf Partien - auf die Top 6 im umkämpften Westen aufzuschließen erschien plötzlich wieder möglich. Es dauerte nicht lang, ehe die Euphorie einer bitteren Ernüchterung wich. Das Saisonaus Jimmy Butlers veränderte für die Franchise alles.
Nun gut, einer der Titelfavoriten waren die Warriors auch mit ihm nicht. Einer Mannschaft mit einem noch immer brillanten Stephen Curry ist es aber immerhin zuzutrauen, einem solchen Contender wehzutun. Und ohne Butler? Das wird sich erst noch zeigen müssen. Eine Top-6-Platzierung scheint so aber nahezu ausgeschlossen. Ebenso, dass man in einer möglichen ersten Playoff-Runde die Thunder oder Spurs viermal schlägt.
Daran wird auch die Verstärkung von Kristaps Porzingis nicht ändern, wenngleich der Lette auf dem Papier wie die lang herbeigesehnte Ergänzung für den Spielstil Stephen Currys aussieht. Mit Butler, Green und auch Kuminga auf dem Parkett hatte Golden State in dieser Saison teils große Spacing-Probleme.
Porzingis ist - vor allem als Center - ein überdurchschnittlicher Werfer. Die 36,6 Prozent von der Dreierline über seine Karriere hinweg sind zwar kein überragender Wert, aber respektabel genug, um die Bigs des Gegners aus der Zone herauszuhalten. Mit seinen 2,18 Meter hat der 30-Jährige nahezu jederzeit die Möglichkeit, einen Wurf loszuwerden. Im auch heutzutage noch sehr Dreier-lastigen Spiel Golden States wirkt das "Einhorn" wie das perfekte Match.
Porzingis verpasste 40 Prozent aller Spiele
Aufgrund seiner Größe löst Porzingis darüber hinaus noch weitere langjährige Baustellen der Franchise, die wohl seit Andrew Bogut vor einer Dekade nicht mehr auf einen konstanten Ringbeschützer vertrauen konnten. Mit seiner enormen Länge bringt Porzingis aber genau das mit. "Mit einem zweiten Rim Protector kann man mehr ins Risiko gehen", erklärte Draymond Green unlängst. "Ich habe es immer sehr genossen so zu spielen. Es bietet einem defensiv deutlich mehr Möglichkeiten."
Dass die laufende Saison kein Titelrun wird, weiß man in Golden State ohnehin. Stattdessen schielt das Team aus San Francisco bereits auf die kommende Spielzeit, wenn mit einem Comeback von Jimmy Butler zu rechnen ist. Auch hier: auf dem Papier passt das. Aber in der Umsetzung?
Das große Fragezeichen von Porzingis war schon immer seine Verfügbarkeit. Nicht umsonst wird gesagt: "the best ability is availability" - zu deutsch: Die beste Fähigkeit ist Verfügbarkeit. Und diese war beim Letten nie wirklich ausgeprägt. Rund 40 Prozent aller Karrierespiele verpasste er verletzt.
Seit Kurzem sind 65 absolvierte Saisonspiele für jegliche Awardnominierung verpflichtend. Porzingis hat diese Zahl in elf Jahren lediglich dreimal erreicht. Die Die 70er Marke übertraf er gar nur einmal - in seinem Rookiejahr.
Unklare Vertragssituation im Sommer
"Wir haben uns die Situation in ihrer Tiefe angeschaut", meinte Warriors-GM Dunleavy Jr. auf der jüngsten PK nach Ablauf der Deadline. "Natürlich gibt es keine Gewissheiten. Aber wir vertrauen auf unser Ärzteteam, das seine Situation als gut eingeschätzt hat."
Die ersten Spiele in seinem neuen Zuhause hat Porzingis bereits verpasst. Sein letztes Spiel datiert zurück auf den 7. Januar. Immerhin deuten erste Berichte an, dass sein Warriors-Debüt bevorsteht.
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Etwas zweifelhaft erscheint der Trade trotz seines sportlich offensichtlichen Fits aber dennoch. Neben der langen Krankengeschichte ist schließlich auch die vertragliche Situation des Centers unklar. Im Sommer steht Porzingis als Unrestricted Free Agent da, könnte die Franchise also gänzlich ohne Gegenwert verlassen. Wenngleich das nicht allzu wahrscheinlich ist, bleibt ein Restrisiko, was im Deal mit den Hawks nicht wirklich eingepreist scheint.
Klar ist: angesichts des schwindenden Titelfensters von Starspieler Stephen Curry und Butlers Verletzung waren die Funktionäre vor der Deadline zum Handeln gezwungen. Porzingis kann an der Seite des Star-Duos als dritte Option durchaus funktionieren. Dafür müsste er - neben dem langzeitverletzten Butler - allerdings auch auf dem Feld stehen. Wie es Cheftrainer Steve Kerr treffend formulierte: "Wenn es ihm gut geht, ist er ein unfassbarer Spieler." Ja - wenn.
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