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Renaissance in "Freak City"? Wie sich Bamberg trotz knapper Mittel neu erfindet

kicker

Nach Jahren im Niemandsland der Liga und dem gerichteten Blick eher in Richtung Nichtabstieg schien der Glanz von "Freak City" fast erloschen. Drei Jahre Mittelmaß, Platz 15 in der vergangenen Saison. Das war weit entfernt von den goldenen Tagen, in denen Bamberg Serienmeister war und Spieler wie Daniel Theis, Nicolo Melli oder Brad Wanamaker Europa aufmischten.

Doch in dieser Saison scheint sich etwas zu verändern. Vor dem siebten Spieltag lagen die BMA365 Bamberg Baskets mit drei Siegen aus fünf Partien (Niederlagen beim FC Bayern und nach Verlängerung beim Überraschungs-Aufsteiger Trier) auf einem starken siebten Tabellenplatz, so weit oben wie seit Jahren nicht mehr. Erst die knappe Niederlage gegen Frankfurt ließ die Oberfranken wieder auf Rang zehn abrutschen. Spielerisch aber überzeugt das Team weiterhin mit einer klaren Handschrift und sichtbar wachsendem Selbstvertrauen.

"Dieses Team bringt den Willen mit, zu verteidigen", sagt Geschäftsführer Philipp Höhne im Interview mit basketball-world.news. "Wir haben viele Spieler, die scoren können, egal ob von jenseits der Dreierlinie oder per Dunk. Damit haben wir zumindest die Grundlage, um eine gute Saison zu spielen."

Und das zeigt sich auch statistisch: Bamberg stellt aktuell die zweitbeste Offensive der gesamten Liga (90,0 Punkte pro Spiel, hinter Chemnitz mit 90,1), trifft aus dem Feld so effizient wie kein anderes Team (48,2 %) und hat von der Dreierlinie die beste Quote der BBL (38,6 %).

Auch beeindruckend: Mit durchschnittlich 8,7 Steals und 4,7 Blocks pro Partie verteidigen die Oberfranken aggressiver als in jeder Saison zuvor unter Anton Gavel.

Ruhiges Umfeld, starke Chemie

Für Kapitän Ibi Watson, den aktuell besten Bamberger Scorer (19,0 Punkte im Schnitt), spielt der Zusammenhalt eine große Rolle, wie er gegenüber basketball-world.news erklärt: "Der Schlüssel zu unserem frühen Erfolg ist einfach, dass wir als Team verbunden bleiben und füreinander einstehen", sagt der US-Forward. "Wir glauben daran, dass wir mit harter Arbeit und der richtigen Intensität in jedem Spiel eine gute Chance haben zu gewinnen."

Die aktuelle Tabelle der BBL

Watson, der bereits in der Vorsaison verlängert hatte, spricht von einer völlig anderen Energie in der Kabine. "Ich habe mehr Verantwortung, ich weiß genau, was der Coach will. Es hilft enorm, dass ich das System inzwischen in- und auswendig kenne."

Die Chemie stimmt, und das, obwohl der Kader im Sommer einmal mehr umgebaut wurde. Neue Gesichter wie Cobe Williams, Austin Crowley oder Demarcus Demonia fügten sich erstaunlich schnell ein. Dazu gesellt sich unter anderem ein EJ Onu, der bereits 2023/24 in Bamberg spielte. "Es war früh klar, wie die Mannschaft zusammengestellt werden soll", sagt Höhne. "Dazu profitieren die Coaches von ihren Erfahrungen aus dem Vorjahr und können endlich in einem ruhigen Umfeld arbeiten."

Wie "Freak City" trotz knapper Mittel Energie schöpft

Dass Bamberg überhaupt noch auf diesem Niveau mithalten kann, grenzt an eine kleine Meisterleistung. Denn die glorreichen Zeiten unter Hauptsponsor Brose, der über Jahre das Erfolgsmodell "Freak City" finanzierte, sind längst vorbei. Finanziell ist man daher weiter auf Sparkurs. "Wir haben den Etat zur aktuellen Saison nochmals deutlich senken müssen, nicht nur im Spielerbereich", sagt Höhne offen. "Das Weiterkommen im Pokal ist auch aus wirtschaftlicher Sicht enorm wichtig." Trotzdem herrscht kein Pessimismus, sondern Pragmatismus. "Unser Ziel ist klar: budgetseitig den Turnaround schaffen und wieder wachsen."

Wenn das sportlich weiter gelingt, könnte es gesamten Standort neu beleben. Denn in Bamberg ist Erfolg mehr als Statistik, er ist Teil der lokalen Identität. Oder, wie Höhne sagt: "Unser harter Kern war nie weg. Diese Fans haben uns durch alle Jahre getragen. Es wäre einfach schön, wenn wir ihnen endlich wieder eine Erfolgsgeschichte schenken könnten."

"Wir können viele überraschen": Bamberg wittert seine Chance

Schon am Donnerstagabend (20 Uhr) kann der nächste Schritt folgen. Im BBL-Pokal-Viertelfinale gegen Heidelberg bietet sich die Chance, zum dritten Mal in Serie ins Top Four einzuziehen. "Das wäre eine kleine Sensation", meint Höhne.

Und auch auf dem Parkett glaubt man längst wieder an sich. "Wir sind überzeugt, dass wir in dieser Saison für Aufsehen sorgen können", sagt Watson. "Wenn wir zusammenhalten und uns jeden Tag weiter verbessern, können wir viele überraschen."

Bamberg ist (noch) nicht zurück bei alter Stärke, aber zumindest die Richtung stimmt. Vielleicht dauert es noch ein bisschen, bis die ganz große Euphorie zurückkehrt, doch die Grundlage ist gelegt. Und in einer Liga, die so ausgeglichen ist wie lange nicht, wirkt Bamberg plötzlich wieder wie das, was es einst war: eine Mannschaft, mit der man rechnen muss.