Es ist nur gut zwei Jahre her, da sweepte der FC Barcelona noch Erzrivale Real Madrid mit 3-0 in den spanischen Finals. Damit sollte eine Ära der großen Namen und Titelträume enden. Wenige Tage später erklärte Präsident Joan Laporta über Streamingdienst 3Cat die Notwendigkeit einer Etatreduktion sowie damit einhergehend die Abgänge von Nikola Mirotic, EuroLeague-MVP von 2022, und Startrainer Sarunas Jasikevicius.
Die Ära von Jasikevicius blieb eine erfolgreiche, aber ungekrönte. Von 2020 bis 2023 konnte der Litauer, der zuletzt Fenerbahce zum EuroLeague-Titel führte, zwar je zwei Meisterschaften und Pokale sowie in der EuroLeague zweimal den ersten Platz der Hauptrunde herausholen, doch beim EuroLeague-Final-Four musste er mit seinem Team zweimal Efes und zuletzt Rivale Real bei der Titelfeier zuschauen.
Sparkurs im Kader und auf der Trainerbank
Laut dem spanischen Portal Mundo Deportivo wäre Jasikevicius im Sommer 2023 sogar bereit gewesen, für etwa 1,5 statt bisherigen 3,5 Millionen Euro Brutto-Jahresgehalt in Barcelona zu bleiben. Letztlich entschied sich der Klub aber mit Nachwuchstrainer Roger Grimau und ein Jahr später mit dem in Andorra und Burgos erfolgreichen, aber schon bei Baskonia nach nur etwas mehr als einer Saison entlassenen Joan Penarroya für Sparlösungen. Laut dem katalanischen Portal Cronica Global sollen beide Coaches für ein Jahresgehalt von lediglich etwa 600.000 Euro pro Saison angeheuert worden seien.
Gemäß BasketNews soll der Netto-Kaderetat insgesamt von 18,8 Millionen Euro 2021/2022 (Etatplatz drei in der EuroLeague) auf 15,5 Millionen (Platz sechs) gesunken sein. Im jüngsten Sommer kündigte Sportdirektor Xavi O’Callaghan eine weitere leichte Verringerung des Budgets an. Laut Business-Plattform 2Playbook gelang es dem seit Jahren finanziell kriselnden FC Barcelona, in der Saison 2023/24 den Verlust auf ein Rekordtief von rund 22 Millionen Euro zurückzuschrauben in den Nebenzweigen wie Basketball, Handball, Inlinehockey und Futsal. Sportlich zahlt das Basketballteam dem Sparkurs Tribut.
Mit überaltertem und kleinem Kader im Spagat zwischen den Top-Ligen Europas
Unter anderem neureiche Klubs wie Panathinaikos Athen, Roter Stern Belgrad und die AS Monaco zogen gemäß den Zahlen von BasketNews finanziell etwa gleich oder vorbei. Währenddessen war der FC Barcelona um Geschäftsführer und Barca-Legende Juan Carlos Navarro darum bemüht, den Status quo zu retten. Mit Tomas Satoransky (34 Jahre), Jan Vesely (35) und Nicolás Laprovittola (35) spielen bis heute noch drei der wichtigsten Leistungsträger des letzten spanischen Meisterteams für Barcelona.
Die schlechte Nachricht: Die nach rund einer Saison entlassenen Trainer Grimau und Penarroya waren weiterhin abhängig von Routiniers, die in den Fällen von Laprovíttola und Vesely zuletzt sogar von schweren Knieverletzungen zurückkehrten. Die ältesten Akteure stehen mit 35 Jahren immer noch im Saft und können an manchen Abenden weiterhin den Unterschied ausmachen, wie sich kürzlich bei Barcas Sieg bei Partizan Belgrad zeigte, bei dem Toko Shengelia (34 Jahre, 24 Punkte, fünf Assists, vier Steals) und Will Clyburn (14 Punkte inklusive Dreier zum Sieg) auftrumpften. Die beiden einstigen EuroLeague-Stars, die sowohl zuletzt in Bologna als auch einst in Moskau zusammenspielten, kamen im vergangenen Sommer als einzige Spieler mit Erfahrung in der europäischen Spitzenklasse.
Shengelia konnte als italienischer Finals-MVP noch als Transfercoup gelten, zumal er als in Valencia ausgebildeter Spieler nach dem Karriereende von Barca-Kapitän Alex Abrines einen für die spanischen Quotenregel wertvollen 'Homegrown'-Kaderplatz einnimmt. Die Herausforderung besteht jedoch darin, mit einem Kader von bislang 14 eingesetzten Spielern, von denen neun mindestens 30 Jahre alt sind, in mindestens 72 Partien in den beiden vermeintlich stärksten Ligen Europas erfolgreich zu sein.
Zuletzt litt vor allem der Erfolg in der spanischen Liga unter der Altersstruktur und mangelnden Tiefe. Seit jenem letzten Meistertitel 2023 stand Barca nicht einmal mehr in den spanischen Finals. Zuletzt gab es ein Aus im Viertelfinale. Aktuell kämpfen Shengelia und Co. darum, sich über eine Top-8-Platzierung zum Hinrundenende für den spanischen Pokal zu qualifizieren. In der EuroLeague verpasste Barca in den vergangenen beiden Jahren zwar das Final Four immerhin nur knapp im fünften Playoff-Spiel. In Summe ergaben sich jedoch in allen Wettbewerben unbefriedigende Ergebnisse.
FC Barcelona: Frischer Wind fehlt
Die bereits angerissene Kadersituation versprüht wenig Mut dahingehend, dass Barca kurzfristig wieder zu einem Top-Favoriten auf den EuroLeague-Titel aufsteigen kann. Das Team birgt wenig Potenzial. Die fünf einzigen Akteure, die jünger als 30 Jahre alt sind, sind in Person von Kapitän Joel Parra (5,2 Punkte), Myles Cale (3,4), Juani Marcos (3,0), Miles Norris (2,6) und Youngster Sayon Keita (drei Einsätze) allesamt maximal Rollenspieler. Nachwuchshoffnung Juan Nunez droht nach seiner zweiten Kniearthroskopie seit März bis tief in die Saison ausfallen und kann bis auf Weiteres kein Faktor werden.
Die Neuzugänge Cale (zuletzt Trento/Italien), Marcos (Girona) und Norris (G-League, davor vier eher unauffällige Einsätze für Bodrum/Türkei), die jeweils lediglich Rollenspieler weit unterhalb von Euro-League-Niveau waren, bilden zudem die neuen Etatverhältnisse in der katalanischen Hauptstadt ab.
Der Nachfolger von Penarroya, für den laut BasketNews Xavi Pascual, der 2010 Barcas bis dato letzten EuroLeague-Titel holte, die Wunschlösung ist, wird diese Akteure einbinden müssen. Andernfalls müsste der Klub nachverpflichten, worauf er in der Vorsaison aber trotz Verletzungspech mit der Ausnahme eines Kurz-Intermezzos von Raul Neto laut Mundo Deportivo aus Kostengründen verzichtete.
FC Barcelona: Hernangomez vom Startransfer zum Problemfall
Ohnehin wurden seit der Zäsur 2023 mit Willy Hernangomez, EM-MVP von 2022, und 2024 mit Kevin Punter nur noch zwei nominelle Topstars verpflichtet. Doch während Punter (inzwischen auch 32 Jahre) seitdem an seine Top-Leistungen aus seiner Zeit in Partizan anknüpft und in bislang 46 EuroLeague-Spielen für Barca starke 16 Punkte pro Spiel markiert, entpuppte sich Hernangomez als Sorgenkind.
In drei Saisons für die Katalanen kam der 31-Jährige nie über eine Back-up-Rolle hinter Vesely hinaus. Offensiv wusste der spanische Nationalcenter gelegentlich zu überzeugen, wenngleich er nie die Dominanz ausstrahlte, mit der er Spanien 2022 maßgeblich zum EM-Titel führte (damals rund 17 Punkte, sieben Rebounds pro Spiel). Insbesondere defensiv präsentiert sich der Ex-NBA-Center als stark anfällig. Laut Reporter Bar Canaletes untergrub er zudem im Dezember 2023 die Autorität von Grimau, als er in der Halbzeitpause den Ex-Coach darauf hingewiesen haben soll, dass seine Zeit in Barcelona bald ende. Für Barca ist Hernangomez‘ Rolle vor allem dahingehend bitter, dass er laut dem Portal Eurohoops in der Saison 2024/25 mit einem Jahresgehalt von 2,2 Millionen US-Dollar weiterhin der etwa zehntteuerste EuroLeague-Spieler und hinter Kevin Punter der zweitbeste Teamverdiener war.
FC Barcelona: NBA Europe als Perspektive?
Ein neuer Trainer wird viel Arbeit vor sich haben, einen namhaften, aber recht kleinen und alten Kader mit gewissen Alphatieren ohne große finanzielle Sprünge auf Kurs zu bringen. Mittelfristig könnte sich der finanzielle Kurs über die jüngsten Sparmaßnahmen und einem eventuellen Beitritt der NBA Europe, für die Barca laut The Athletic als sicherer Kandidat gilt, möglicherweise wieder verbessern. In dieser Saison könnte nicht mehr drin sein als ein Kampf um die EuroLeague-Playoffs.
EuroLeague: Die Tabelle am 10. Spieltag
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