Erst im Sommer kam Osobor vom US-College nach Jena, benötigte hier allerdings keinerlei Anpassungszeit. Seine 15,8 Punkte pro Spiel sind nach sechs Partien Topwert bei den Thüringern. "Ihn zeichnet aus, dass er nicht viel nachdenkt", erklärt Trainer Björn Harmsen. "Er ist nicht mit Angst in die Liga gekommen, sondern spielt einfach und ist kompetitiv."
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Für sein noch junges Alter verfügt der Big Man bereits über ein erstaunlich vielseitiges Arsenal: physische Präsenz unter dem Korb, saubere Ballhandling-Skills und ein verlässlicher Dreier. "Er hat ein hohes Basketballverständnis", fügt Harmsen hinzu. "Er ist wahrscheinlich nur zu verteidigen, wenn man ihn doppelt. Aber dann ist er noch ein guter Passgeber, der versteht, wo jemand freisteht."
Osobor: Plan ist, "irgendwann in der NBA zu spielen"
Dass der Big Man im Sommer in Jena landete, verdanken beide Seiten dem Zufall. Im NBA-Draft wurde Osobor zuvor nicht ausgewählt. Im Anschluss versuchte er noch in der Summer League bei den Houston Rockets auf sich aufmerksam zu machen. "Das war eine großartige Erfahrung. Ich liebe die große Bühne, da funktioniere ich am besten", sagt er gegenüber basketball-world.news.
Wenngleich der in England aufgewachsene Spanier anschließend den Schritt über den großen Teich wagte, seien seine Ambitionen in den USA weiterhin unverändert. "Es ist wichtig für mich, mir große Ziele zu stecken. Mein Plan ist es, irgendwann in der NBA zu spielen. Jetzt hat es aber mehr Sinn ergeben, meine Karriere in Deutschland zu beginnen."
Ganz unbekannt war ihm die hiesige Liga zudem nicht. Als Senior auf dem College spielte Osobor für die Washington Huskies, wo er das junge deutsche Talent Hannes Steinbach kennenlernte. "Das ist mein young bull", schmunzelt er. "Als er das College besuchte, war ich einer seiner Gastgeber." Es sei dann schnell klar geworden, dass Steinbach über herausragendes Talent verfüge. Osobor ist sich sicher: "Er wird ein One-and-Done sein. Er ist einfach so gut und ich bin froh, dass Coach Sprinkle ihn bekommen hat." Heißt: Ein Jahr College und dann in die NBA.
Osobor steht vor seinem Debüt für die spanische Nationalmannschaft
Im Sommer zählte Steinbach zu einem von vielen jungen Talenten, die millionenschwere NIL-Verträge an den US-Unis unterschrieben. Im Jahr zuvor gehörte Osobor zu den Vorreitern dieser Bewegung. Für sein finales College-Jahr bei den Huskies wurde der 2,03 Meter große Center mit einer Summe im siebenstelligen Bereich entlohnt. "Heute wird jeder bezahlt. Ich war einfach nur einer der Ersten. Man könnte sagen, ich war ein Pionier." Bis auf ein Auto und Flüge für die Eltern, habe er davon allerdings nicht viel ausgegeben. "Mein Alltag und Persönlichkeit haben sich dadurch nicht verändert. Ich habe jetzt einfach ein bisschen mehr Geld", sagt er lachend.
Finanziell trat Osobor mit seinem Wechsel nach Jena zwar etwas kürzer, langfristig solle sich diese Entscheidung allerdings bezahlt machen. Bei den Thüringern ist ihm ein Startplatz mit jeder Menge Spielzeit garantiert und damit eine Chance, sich für die spanische Nationalmannschaft zu empfehlen. "Das ist der Plan", meint Osobor auf die Frage, ob er hoffe, Ende November für La Roja aufzulaufen. "Der Coach hat mich in Heidelberg besucht. Wir hatten gute Gespräche miteinander. Wenn ich einmal meine Chance bekomme, wird es Spaß machen."
Jena-Trainer Harmsen traut seinem Schützling sogar schon kurzfristig einen Startplatz im Nationalteam Spaniens zu. Langfristig seien Erfolge auch weit darüber hinaus denkbar. "Sein Potenzial ist immens." Und auch Osobor selbst weiß: "Ich kann noch ein ganz anderes Level erreichen."
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