Beim Heim-Weltcup in Ruhpolding mussten sich Vanessa Voigt, Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz und Schlussläuferin Franziska Preuß mit Platz sechs begnügen. Den Sieg sicherte sich Norwegen mit neun Nachladern vor Italien (0 Strafrunden+ 9 Nachlader/+0,9 Sekunden) und Schweden (0+7/+3,0), Deutschland hatte im Ziel nach 4 x 6 Kilometern 1:01,8 Minuten Rückstand.
Auf den Tag genau fünf Wochen vor dem Olympia-Rennen im italienischen Antholz waren die Strafrunde und insgesamt acht Nachlader zu viel für eine Spitzenposition.
Preuß: "Es war so ein Druck im letzten Schießen drin"
Verfolgungs-Weltmeisterin und Gesamtweltcupsiegerin Preuß leistete sich in ihrem Wohnort ausgerechnet im letzten Schießen diesen recht seltenen Patzer. Vor einem Jahr hatte die 31-jährige Preuß dem deutschen Quartett an gleicher Stelle noch den bislang letzten Weltcupsieg gesichert.
"Man ist natürlich sehr enttäuscht, mir tut das wahnsinnig leid", sagte die Lokalmatadorin am ZDF-Mikrofon und erklärte: "Es war so ein Druck im letzten Schießen drin. Ich habe aktuell Probleme, die Nachlader ins Ziel zu bekommen. Das war einfach nicht gut. Ich wollte das unbedingt vermeiden, aber man muss das jetzt einfach abhaken."
Die Aussichten auf eine bessere Platzierung für Preuß & Co. waren zwischenzeitlich groß. Startläuferin Voigt blieb auch bei ihrem dritten Staffel-Einsatz des Winters ohne Fehlschuss und übergab mit elf Sekunden Rückstand als Sechste. Tannheimer machte trotz eines Nachladers ein überragendes Rennen und schloss die Lücke nach ganz vorne. Hettich-Walz verlor durch insgesamt vier Extra-Schüsse wieder etwas den Anschluss und übergab mit einem Rückstand von 13 Sekunden.
Insgesamt macht die über weite Strecken gezeigte Leistung in der letzten Staffel vor den Winterspielen Mut. "Wenn wir alle abliefern, sind wir Kandidaten fürs Podium", sagte Tannheimer: "Ich denke, da ist was drin."
Überraschend wurde der große Olympia-Favorit Frankreich in Bestbesetzung nur Vierter. Von den bisherigen drei Staffeln in dieser Saison gingen zwei an das französische Team um die Gesamtweltcupführende Lou Jeanmonnot, einmal siegte Schweden.
Grotian soll sich auf Olympia-Qualifikation konzentrieren
Die deutsche Frauen-Staffel überzeugte nach einem katastrophalen Auftakt in Östersund zuletzt mit zwei dritten Plätzen in Hochfilzen und Oberhof. Im Vergleich zu Oberhof eröffnete Voigt anstelle von Selina Grotian. Die 21-Jährige hatte wegen einer Corona-Infektion zwei Weltcups verpasst, in Oberhof lief es in der Vorwoche nicht nach Plan. Ihr bleiben noch zwei Rennen, um die Olympia-Norm (einmal Top 8 oder zweimal Top 15) zu erfüllen.
Den Staffelstress wollte man ihr ersparen, sagte Sportdirektor Felix Bitterling. Grotian solle sich voll auf den Sprint am Freitag und die Verfolgung am Sonntag konzentrieren. "Grundsätzlich sind unsere Staffelaufstellungen jetzt nicht für oder gegen irgendjemanden, sondern wir wollen speziell auch mit Blick auf Olympia einfach noch ein paar Sachen probieren", sagte Bitterling.
Das Ergebnis im Überblick