Das Schwergewichtsboxen hat derzeit einen klaren König: Oleksandr Usyk. Der Ukrainer krönte sich zuletzt gleich zweimal zum Undisputed Champion der Königsklasse, legte seinen WBO-Gürtel jüngst aber nieder, weil er nicht gegen den vorgesehenen Pflichtherausforderer Fabio Wardley antreten wollte. Damit stieg der Brite automatisch zum Weltmeister auf.
Wie es mit Usyk weitergeht, ist aktuell noch offen. Nach seinem Sieg gegen Daniel Dubois im Juli beschränkte er sich auf seine körperliche Regeneration, einen Termin oder Gegner für den nächsten Kampf gibt es noch nicht. Manch einer spekuliert, dass womöglich Agit Kabayel seine große Chance bekommen könnte.
Der Deutsche boxt am 10. Januar zunächst gegen den Polen Damian Knyba, ist aber bereits der Interims-Weltmeister der WBC. Gleichzeitig ordnete die WBC aber einen Kampf zwischen Moses Itauma und Lawrence Okolie an, um den Pflichtherausforderer von Usyk zu bestimmen. Der Ukrainer wiederum darf seinen Titel zunächst freiwillig verteidigen.
Eine unübersichtliche Situation - von der Tyson Fury nicht glaubt, dass sie sich auflösen wird. "Persönlich glaube ich nicht, dass Usyk gegen jemanden aus den WBC-Ranglisten kämpfen wird, weil das kommerziell keinen Sinn ergibt. In diesen Kämpfen steckt kein Geld", sagte Fury im Interview mit DAZN.
Was er meint: Usyk wird - so glaubt Fury - nur noch kämpfen, wenn es finanziell viel zu holen gibt. Das Sportliche spiele da eher eine Nebenrolle. "Wenn du gegen Tyson Fury gekämpft hast und so viel Geld bekommen hast, gehst du nicht zurück, um gegen irgendjemanden für fast nichts zu kämpfen", so Fury mit Blick auf die Kämpfe zwischen den beiden.
Allein der zweite Kampf von Usyk und Fury im Dezember 2024 soll beiden jeweils 90 Millionen Euro nur an Kampfbörse beschert haben. Eine solche Summe wäre gegen Kabayel, Okolie oder Itauma nicht ansatzweise zu bekommen. "Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass Usyk gegen einen dieser Namen verteidigt", meint Fury.
Weshalb der Brite glaubt, dass es bei Usyk mit dem WBC-Titel letztlich ähnlich laufen könnte wie beim WBO-Gürtel. "Ich denke, er wird den Titel niederlegen. So wie er den WBO-Titel niedergelegt hat, muss er auch den WBC-Titel niederlegen", sagte er. Das könnte wiederum deutsche Boxgeschichte nach sich ziehen.
Denn falls Usyk den WBC-Gürtel tatsächlich niederlegen sollte und die WBC denselben Weg wie die WBO geht, würde Kabayel als Interims-Champion automatisch zum Weltmeister aufsteigen. Dann wäre der Bochumer offiziell erster deutscher Champion im Schwergewicht seit Max Schmeling.
Kabayel würde dann gegen den Sieger aus Okolie gegen Itauma kämpfen, prophezeit Fury. Für Usyk sieht er einen anderen Kampf und nennt den Namen Deontay Wilder - "oder jemanden mit einem bekannten Namen und einer großen Fangemeinde". Die kommenden Monate dürften spannend werden.