Viel schwerer hätte die Aufgabe für Gabriel Clemens in der dritten Runde natürlich nicht sein können. Luke Humphries spielt mit seinem Namensvetter Littler in einer anderen Liga als die anderen Spieler, das zeigt nicht nur ein Blick auf die Weltrangliste. Die Rollen waren natürlich klar verteilt, wenngleich der Deutsche nach einem durchwachsenen Jahr bei der WM bisher einen sehr guten Eindruck hinterlassen hatte.
Clemens hatten den Wurf aufs Bullseye gewonnen und durfte somit eröffnen. Der "German Giant" brachte auch direkt sein Anwurfleg durch. Aber nach dem Ausgleich des immer wieder hadernden Humphries machte der Deutsche bei seinem nächsten Anwurf zwei Fehler auf Doppel und kassierte direkt das Break. Die Entscheidung im ersten Durchgang, der mit 3:1 an den Favoriten ging. Letztlich war es kein guter erster Satz des Engländers, da hatte Clemens durchaus seine Chance.
Nach der ersten Pause steigerte sich Humphries, warf seine erste 180 und checkte direkt mal 101 Punkte. Zwar brachte "Gaga" anschließend seinen Anwurf durch, am Ende war aber auch im zweiten Satz nichts zu holen, denn "Cool Hand Luke" ließ nichts anbrennen und gewann erneut mit 3:1.
Starker Decider von Humphries - Überragender vierter Satz von Clemens
0:2 gegen die Nummer 2 der Welt: Clemens stand also früh schon mit dem Rücken zur Wand, es brauchte ein kleines oder eher mittelgroßes Darts-Wunder. Doch darauf deutete nichts hin, denn auch der dritte Satz war zunächst klar in den Händen von Humphries, der schnell mit 2:0 führte. Aber Clemens berappelte sich, wurde besser und glich aus. Im Decider drehte dann der Engländer wieder auf, traf von den ersten sechs Darts fünfmal ein großes Triple. Mit einem Zwölfdarter holte sich der Favorit gegen den Anwurf das 3:2 und stellte auf 3:0 nach Sätzen.
Ohne Pause ging es anschließend in den vierten Satz. Und dort spielte Clemens überragend auf (Average von 115,62 Punkten), nahm seinem Gegner zweimal den Anwurf ab und gewann durch ein 116er-Finish mit 3:0. Ein kleiner Hoffnungsschimmer also für den Deutschen, der "nur" noch mit 1:3 zurück lag.
Clemens lässt drei Setdarts zum 3:3 aus
Es war nun ein hochklassiges Match, beide Spieler sorgten für Highlights - und es ging auch im fünften Satz in den Decider, da Humphries den "Big Fish", also die 170 Punkte, zum 2:2 checkte. Dort behielt diesmal Clemens die besseren Nerven und machte aus einem 0:3 in Sätzen ein 2:3.
Es war nun ein absolutes Duell auf Augenhöhe, in dem Clemens tolle Darts spielte und seinem Gegner zum 2:1 den Anwurf abnahm. Und es wurde dramatisch, denn der Deutsche hatte drei Setdarts zum 3:3 - und ließ alle drei liegen. Das wurde bestraft, denn Humphries glich anschließend aus und brachte dann seinen Anwurf durch. Aus dem Engländer brach es heraus, er war heilfroh, dass er diese Aufgabe gelöst hatte. Das tat er am Ende mit einem Average von 100,14 Punkten (Clemens 101,49, Rekord für einen deutschen Spieler bei einer WM) und einer Doppelquote von 51,85 Prozent (Clemens 50). Im Achtelfinale wartet nun Nathan Aspinall oder Kevin Doets.
"Es war intensiv. Ich habe alles versucht. Er hat am Anfang alles, was er auf Doppel hatte, zugezogen. Deswegen war es schwierig. Ich habe ein gutes Spiel gemacht. Es wird interessant, wenn ich das 3:3 mache, dann bin ich auch im Kopf", sagte Clemens nach der Partie bei DAZN. "Das einzige, was ich mitnehmen kann, ist, dass ich immer noch mit jedem in der Welt mithalten kann."