Mit Beginn des Jahres 2026 fällt eine alte Regel: Regionale Ligen aller Riot-Games-Titel dürfen nun selbst entscheiden, ob sie eine Quote für einheimische Spieler vorschreiben. Bisher mussten mindestens drei Akteure den Status "Locally Trained Representative" (LTR) haben.
In League of Legends bleibt die Prime League vorerst beim alten Modell. In Valorant geht die DACH-Region einen anderen Weg: Die Challengers DACH: Evolution schafft die Regel komplett ab. Ein deutsches Team könnte also künftig mit einem rein internationalen Lineup antreten.
Was spricht dafür?
Anpassung an regionale Unterschiede: Riot Games selbst nennt regionale Unterschiede als Hauptgrund für die Regeländerung. Eine einheitliche Regelung zur lokalen Spielerquote passe nicht zu den unterschiedlichen Märkten.
Angleichung an das Oberhaus: Die höchsten europäischen Ligen von Riot Games, VCT und LEC, kennen keine LTR-Regeln. Regionale Ligen hingegen mussten bisher Spieler mit Lokalbezug einsetzen. Mit der Abschaffung der Vorgabe sorgt Riot Games für mehr Kohärenz zwischen den Ligen.
Keine Wettbewerbsvorteile für EMEA-Teams: 2026 können sich Teams der regionalen Ligen für Wettbewerbe gegen LEC- und VCT-Teams qualifizieren. Um da mithalten zu können, braucht es maximale sportliche Freiheit - auch bei der Auswahl ihrer Spieler.
Wirtschaftliche Argumente: Internationale Spieler aus Regionen mit niedrigeren Lebensunterhaltungskosten sind für niedrigere Gehälter zu haben. Die Abschaffung der LTR-Regel erlaubt deutschen Organisationen, günstiger zu operieren und trotzdem konkurrenzfähig zu bleiben.
Was spricht dagegen?
Talentförderung in Gefahr: Ohne LTR-Regeln verlieren regionale Talente wichtige Chancen. Wer nicht schon auf höchstem Level spielt, hat es fortan schwerer, sich zu zeigen. Zwar gibt es in Deutschland Alternativen wie Project V oder die Förderung der esports player foundation. Doch schon jetzt schaffen nur vereinzelt DACH-Talente den Durchbruch. Es könnten noch weniger werden.
Ungleichheit eine Stufe tiefer: Zwar gibt es zwischen VCT und Challenger-Liga keinen Bruch mehr, doch in Project V gelten weiterhin LTR-Regeln. Es heißt also noch immer: Wer sich hocharbeiten will, muss Bedingungen erfüllen, die auf der nächsten Stufe keine Rolle mehr spielen. Die Prime League hat hierzu noch keine Regelung.
Regionale Identität in Gefahr: Ohne DACH-Spieler eine regionale Identität aufzubauen - das ist eine mögliche Herausforderung für deutsche Organisationen. Zwar werden Teams wie CGN oder Eintracht Frankfurt immer zu ihren Heimatstädten gehören, doch das gilt nicht für alle. Und welchen Anreiz hätte eine DACH-Liga ohne DACH-Talente?
Benachteiligung engagierter Organisationen: Teams, die bewusst auf deutsche Spieler setzen, haben es nun schwerer. Sie verzichten auf internationale Optionen, während andere diese nutzen. Die sportliche Schere könnte sich weiter öffnen, obwohl sich solche Teams um lokale Förderung bemühen.
Gefahr einer europäischen Superliga: Ohne LTR-Regeln und ohne klare Aufstiegsmöglichkeiten steigt der Druck auf Spieler, sich dort zu zeigen, wo EMEAs Topteams hinschauen. Ligen wie die türkische Challengers oder die französische LFL könnten zu Super-Ligen werden - und andere regionale Spielklassen abgehängt.